Hausaufgaben im frühen 21ten Jahrhundert

Um wirklich zu verstehen, wie sich die Welt verändert hat in den letzten 30 Jahren, muss man sich nur seine Kinder und ihren Umgang mit Problemen des alltäglichen Lebens anschauen.

Kind Nummer Eins sollte in Englisch einen Buchführerschein (Dinge gibt es heute…) ausfüllen und fragte

“Mama, was heißt noch mal Inhaltsverzeichnis?” Da ich daran glaube, dass es am besten ist, wenn Kinder sich ihr Wissen selbst erarbeiten (und mir prompt die korrekte Übersetzung entfallen war), schlug ich ihr vor, nachzuschauen.

“Ist gut, ich guck dann mal bei GoogleTranslator.” und schickte sich an, das Chromebook zu öffnen.

“Eh….nein, schau hier nach.” Mein gutes altes Harrap´s Concise German flog in ihre Richtung.

“Ehh…danke…glaub ich….warte mal…..schauen wir mal bei i…in….hmmm, Mama, könnte das Index heißen? Ich find hier nix Deutsches so richtig…hm, seltsam.” Ich nahm dem Kind wortlos das Wörterbuch aus der Hand, schlug die zweite Hälfte, Abteilung Deutsch-Englisch auf und hielt es ihr hin.

“Ach, das gibt es auch so rum? In einem Buch? Das ist ja praktisch! Ah, Index, sag ich ja. Mama, die Leute damals waren ja schon clever. Die hatten immer was, wenn mal der Strom ausfällt oder das Handy nicht funktioniert.”

Ja, mein Kind. Ich weiss. Deswegen zeige ich Dir auch die alten Methoden, die schon bald soweit von Euch entfernt sind, wie für uns die Ernährungsgewohnheiten der viktorianischen Zeit. Oje.

Published in: on 27. August 2014 at 07:52  Comments (3)  

Kübelchen Eis gefällig?

Ich bin ja sehr gespalten, was diese ALS Ice Bucket Challenge angeht.

Als allererstes finde ich ja, wie ich schon mal geschrieben hatten, dass Challenges als solches inflationär gehandhabt werden, vor allem diese kurzfristigen. Früher nannte man das Mutprobe und wurde von keinem mehr über 18 gemacht. Aus gutem Grund. Heute ist es hipp, dass sich Menschen mittleren Alters öffentlich herausfordern lassen.

Gerade diese Ice Bucket Challenge ist mittlerweile ein Prestigeobjekt geworden, wenn Du nicht nominiert wurdest, dann bist Du ein Niemand. Und natürlich muss das so inzeniert werden, dass das Ganze gut zum Image passt. Horden von PR-Beratern sind gerade sehr, sehr glücklich.

Und dann empfinde ich es als fast schon obszön, wieviel Geld zusammenkommt und das ist für eine Krankheit, die global gesehen, eine verschwindent geringe Minderheit hat während kaum jemand für beispielsweise Malaria (wobei man Malaria natürlich auch gegen eine andere, x-beliebige Krankheit ersetzen kann) spendet, woran jährlich weit über eine Million Menschen sterben.

So. Das ist die eine Seite.

Die andere ist aber die, dass es die Menschen, die es angeht, einen Scheiss interessiert, wer wo an irgendeiner anderen Krankheit stirbt, weil man selbst nämlich auch jämmerlich zugrunde geht und die Pharmaindustrie keinen Bock hat, zu forschen, weil es eben nicht genug Leute betrifft. Der Gedanke hilft Dir nicht, wenn Du selbst oder ein Angehöriger betroffen ist.

Und es zeigt auch, was möglich ist – nämlich, dass nur innerhalb von einigen Tagen die halbe Menschscheit der westlichen Hemisphäre nicht nur weiß, was ALS ist sondern auch, dass man etwas gegen eine beliebige Sache tun kann, wenn man es nur interessant genug anstellt.

Wenn die Kampagne nichts anderes gezeigt hat, dann doch die, dass Menschen durch die sozialen Netzwerke eben nicht abgestumpft sind, sondern dasss hinter diesen Netzwerken eben auch nur Menschen mit Gefühlen und Mitgefühl stecken, den man dazu bewegen kann, etwas zu tun. Dass es im übrigen die Pharmaindustrie nicht wirklich gut aussehen lässt finde ich hingegen weniger schlimm. Horden von deren PR-Menschen werden sich jetzt ernsthaft was einfallen lassen müssen.

Das ist der eigentliche Erfolg dieser Ice Bucket Challenge. Und die Tatsache, dass dieses Krankheitsbild jetzt näher beleuchtet und hoffentlich bald ausgerottet wird. Denn eins ist auch klar – keinem Kind, das an Malaria stirbt ist damit geholfen, dass eine 45jährige Frau an den Folgen von ALS stirbt, weil dafür auch kein Geld da war.

Genau aus diesem Grunde, finde ich diese spezielle Challenge schon wieder gut und hoffe, dass noch einige folgen werden.

Published in: on 23. August 2014 at 07:33  Hinterlasse einen Kommentar  

Zitat des Tages

Ich habe mir gerade aus aktuellem Anlass eine Fotostrecke über die Mode im Laufe des Madonna-Lebens angeschaut. Kind Nummer Eins schaut mir dabei über die Schulter.

“Soooooo sah die mal aus? Sag mal, lebt die überhaupt noch?”

Ohje.

Published in: on 19. August 2014 at 07:35  Hinterlasse einen Kommentar  

12 von 12 im August 2014

Und hier wieder was für die Leute, die gerne mal durchs Schlüsselloch gucken. Mehr gibt es bei Caro

Published in: on 12. August 2014 at 20:28  Comments (2)  

Als die Bilder laufen lernten

Zum pädagogischen und gut durchdachten Erziehungskonzept des Autors gehört es ja, den Kindern eine grundlegende, cineastische Ausbildung zu geben. Manchmal vielleicht ein wenig zu grundlegend, denn heute war “Godzilla” dran. Die erste Fassung von 1954. Ich weiß jetzt nicht genau, was die Kinder sich vorgestellt haben, aber die Ausrufe gingen in etwa so

“Eh, Daddy…..der ist ja schwarz-weiß…!” Eh, jaaaa?

“Daddy, Daddy fliegen da etwa body parts rum, dann will ich den nicht sehen!” Schatz, dann würden wir ihn Dich nicht sehen lassen, das weißt Du aber.

“Das ist ein Fake…das sieht man aber doch, dass das ein Fake ist!” Genau das, mein Kind genau das!

Am Ende konnte die Brut nicht anders, sie war total gefangen von der frühen Tricktechnik, hat über die Stimmen philosophiert und fand das einen sehr gelungenen Abend. Und nächste Woche sehen wir dann die Killertomaten!

Published in: on 9. August 2014 at 20:09  Hinterlasse einen Kommentar  

Traditionen wollen gewahrt sein

Weil ich mich gestern unglaublich verquasselt habe ein wichtiger Termin gestern nachmittag sehr viel länger dauerte als gedacht, wurde im Hause S. in Z. Pizza bestellt. Das kommt nicht oft vor, ist somit ein Highlight und wird entsprechend gewürdigt.

“Kind Nummer Eins, Kind Nummer Zwei, deckt schon mal den Tisch.” Eins. Zwei. Dr…

“MAMA! Wir haben Pizza bestellt, die isst man *immer* vor dem Fernseher. Das geht gar nicht anders,” Sprach´s und holte die Picknickdecke raus.

Pizza kam und Mutter fragte, dieses Mal ernsthaft

“Fernseh oder Serie?” Ungläubige und erstaunte Blicke aus zwei Augenpaaren.

“Serie – Mama, im Fernsehen kommt doch nur Müll, das brauchen wir erst gar nicht anmachen.”

Ich werde sie dran erinnern, dereinst.

Published in: on 6. August 2014 at 14:52  Hinterlasse einen Kommentar  

Reisegedanken

Ich bin ja ein Fan des Spruches “Reisen bildet” – und er bewahrheitet sich immer wieder. Bei unserem Trip nach Santa Cruz, Kalifornien, habe ich wieder einiges gelernt.

1. Niemals, wirklich niemals die Rechnung eines Autovermieters einfach einstecken, weil man davon ausgeht, dass nur weil man bei einer bisher vertrauenswürdigen Firma gebucht hat und alle Anfragen nach Zusätzen verneint hat, der doch recht hohe Betrag zum Großteil aus Kaution besteht. Vor allem dann, wenn man nach dem Abholen des Autos relativ weit weg vom Anmietort sein wird. Man kann so eine Dummheit zwar mit Erschöpfung einer sehr langen Reise erklären, allerdings hilft das nicht wirklich, die Kohle ist weg. Hmpf. Und wieder was gelernt.

2. Es ist alles eine Frage der Gewöhnung. Zum Beispiel, dass man in der Gegend nicht nur keine Plastiktüten beim Einkaufen von Lebensmitteln bekommt (“Did you think of your reusable bag?”) sondern auch in keinem anderen Laden. Sämtliche Shops, vom kleine T-Shirt-Laden über Bekleidungsgeschäfte bis hin zu Einkaufszentren – nirgendwo gab es ungefragt Tüten. Man mußte schon explizit nachfragen und die Dinger für teuer Geld kaufen, wofür man im Zweifel seltsame Blicke kassiert, also läßt man es bleiben. Und ja, es ist gewöhnungsbedürftig, mit seinen eben erstandenen Unterhosen über den Parkplatz zum Auto zu laufen, weil man nur ein kleines Handtäschchen hat. Ein Fehler, den man allerdings nur einmal macht. Wenn sie jetzt noch, die Plastiktüten in der Gemüseabteilung reduzieren würden – ich wäre begeistert!

3. Der Pazifik hat eine nicht zu verachtende Kälte und vor allem Unterströmung. Geil aus einem Kanu zu springen und weit, weit weg vom Strand im Nirgendwo zu schwimmen ist es aber allemal.

4. Flugzeugessen ist grausam. Und es wird nicht besser.

5. Zöllner sind überall gleich – egal wie die Bestimmungen der einzelnen Länder sind.

6. So wunderbar es in anderen Orten dieser Welt auch ist – ich liebe mein Zuhause. Himmel, bin ich spießig geworden.

Published in: on 3. August 2014 at 08:12  Comments (4)  

Ferienzeit. Hurra.

Wer hat sich gleich sechs Wochen Ferien ausgedacht? Das kann doch nicht gut sein für die Entwicklung der Kinder. Friert da das Hirn nicht ein?

Oder in anderen Worten: Wie soll ich die restliche Zeit überstehen?

Published in: on 29. Juli 2014 at 05:29  Comments (1)  

Wenn Kinder vernünftig werden

Das sind offensichtlich nicht meine Kinder. Meine Kinder sind irgendwo da draussen und warten darauf abgeholt zu werden.

Vor einiger Zeit, es mögen nunmehr zweieinhalb Wochen sein, haben sie mit mir einen Deal gemacht, wenn sie sich über eine Woche nicht streiten, dann würden sie ein bestimmtes Spiel bekommen. Die Zeiten waren stressig und ich habe habe nicht damit gerechnet, dass sie auch nur zwei Tage durchhalten.

Verrechnet, sie haben das Spiel bekommen. So.

Aber seit der Ankündigung, sie wollen sich nicht mehr streiten, ist weit mehr als die vereinbarte Zeit vergangen. Mir wurde das schon sehr unheimlich. Gestern endlich gab es dann wieder mal eine Diskussion, die dann wie folgt endete:

“Eh, warte mal, wollen wir uns jetzt eigentlich echt streiten?” Huh???

“Ehm, ne, hab ich eigentlich keine Lust drauf.” WTF?

“Ok, pass auf, erst Du 10 Minuten, dann ich, ok? Ich stell den Wecker.”

“Ok. Stückchen Schokolade?”

Manchmal bin ich als Mutter einfach überfordert.

Published in: on 22. Juli 2014 at 14:55  Comments (1)  

Lupenreines Einkaufen

Bei uns im Dorf hat eine neue Filiale einer bekannten Supermarktkette aufgemacht. Die Tage war ich dort mal schnuppern und fand, dass die sich gut aufs Dorf eingestellt haben. Viele Bioprodukte, viel regionales Gemüse und für die ältere Generation Einkaufswagen mit eingebauter Lupe. Gerade das fand ich wirklich sehr nett von Ihnen. Ich bin immer sehr dafür, den älteren Menschen Dinge zu erleichtern, wenn es mal nicht mehr so geht.

Bis ich dort einen neuen Yoghurt fand, der sehr gut aussah. Was nicht gut aussah waren die Inhaltsstoffe. Also nicht die als solches, sondern dass sie neuerdings sehr, sehr klein geschrieben sind. Ich bin sicher, dass das mal anders war. Und während ich die optische Feinjustierung per Armlänge durchführe, tippt mir ein Angestellter auf die Schulter und meint sehr freundlich, ich könne auch sehr gerne die Lupe im Einkaufswagen benutzen, damit würde es viel schneller gehen. Und gleich hinterher

“Sie sind nicht die erste Enddreißigerin, die sie nutzt!”

Da steht man dann gleich vor der schwierigen Entscheidung, ob man beleidigt sein soll, weil einem eine solche Ungeheuerlichkeit überhaupt vorgeschlagen wird oder geschmeichelt, weil man noch locker für Ende Dreißig durchgeht.

Übrigens hab ich den Joghurt der Blamage nicht gekauft. Waren zuviele Aromastoffe drin. Glaube ich jedenfalls.

Published in: on 18. Juli 2014 at 14:10  Hinterlasse einen Kommentar  
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