Blumen, die weiterblühen

Ich habe heute Blumen für den Garten gekauft. Viele Blumen. Sehr viele Blumen sogar. Als ich auf dem Rückweg noch versuchte, den Preis zu verdauen, dachte ich an den Garten meiner Schwiegereltern und wie sie an ihre traumschön blühenden Pflanzen gekommen sind.

Als ich nämlich das letzte Mal bei Ihnen in den USA war, fiel mir beim Joggen auf, dass es erstaunlich viele Parties in Sun City gibt. Schon um 9 Uhr morgens belagerten ganze Heerscharen von Autos die kreisrunden Straßen-Einbuchtungen, die dort üblich sind. Und das in einem Ort, in dem man gar nicht erst wohnen darf, wenn man nicht mindestens zu 3/4 grau ist. Je oller, je doller dachte ich mir, und sprach die beste Schwiegermutter von allen darauf an. Sie klärte mich auf, dass der Grund mitnichten eine Party sei, sondern eher in die etwas morbide Richtung geht.

Es handelt sich um Estate Sales – wenn der Hauseigentümer verstorben ist und die Hinterbliebenen nicht wissen, was sie mit dem Nachlass tun sollen. Dann beauftragen sie einen Agenten und der wiederum sorgt dafür, dass alles verkauft wird. Im Haus. Und da viele Sachen nicht teuer sind kommen die Menschen und schauen hier im Kleiderschrank, ob sie vielleicht ein passendes Kleid für Sylvester finden, dort durch den Küchenschrank, ob die ehemalige Dame des Hauses vielleicht das gleiche Porzellan gesammelt hat, wie man selbst. Man stöbert durch Bücher und Schallplatten oder gar Uhren und wird fündig. Und – man bekommt für sehr kleines Geld oft wahnsinnig tolle Blumen. Meist werden sie so wie sie sind oder in Schalen verkauft.

So seltsam wie es ist, durch die persönlichen Sachen eines Verstorbenen zu suchen, so schön finde ich doch den Gedanken, dass seine Blumen in einem anderen Garten weiter blühen.

Veröffentlicht in:  on 15. Juli 2007 at 21:01 Kommentar schreiben