Blumen, die weiterblühen

Ich habe heute Blumen für den Garten gekauft. Viele Blumen. Sehr viele Blumen sogar. Als ich auf dem Rückweg noch versuchte, den Preis zu verdauen, dachte ich an den Garten meiner Schwiegereltern und wie sie an ihre traumschön blühenden Pflanzen gekommen sind.

Als ich nämlich das letzte Mal bei Ihnen in den USA war, fiel mir beim Joggen auf, dass es erstaunlich viele Parties in Sun City gibt. Schon um 9 Uhr morgens belagerten ganze Heerscharen von Autos die kreisrunden Straßen-Einbuchtungen, die dort üblich sind. Und das in einem Ort, in dem man gar nicht erst wohnen darf, wenn man nicht mindestens zu 3/4 grau ist. Je oller, je doller dachte ich mir, und sprach die beste Schwiegermutter von allen darauf an. Sie klärte mich auf, dass der Grund mitnichten eine Party sei, sondern eher in die etwas morbide Richtung geht.

Es handelt sich um Estate Sales – wenn der Hauseigentümer verstorben ist und die Hinterbliebenen nicht wissen, was sie mit dem Nachlass tun sollen. Dann beauftragen sie einen Agenten und der wiederum sorgt dafür, dass alles verkauft wird. Im Haus. Und da viele Sachen nicht teuer sind kommen die Menschen und schauen hier im Kleiderschrank, ob sie vielleicht ein passendes Kleid für Sylvester finden, dort durch den Küchenschrank, ob die ehemalige Dame des Hauses vielleicht das gleiche Porzellan gesammelt hat, wie man selbst. Man stöbert durch Bücher und Schallplatten oder gar Uhren und wird fündig. Und – man bekommt für sehr kleines Geld oft wahnsinnig tolle Blumen. Meist werden sie so wie sie sind oder in Schalen verkauft.

So seltsam wie es ist, durch die persönlichen Sachen eines Verstorbenen zu suchen, so schön finde ich doch den Gedanken, dass seine Blumen in einem anderen Garten weiter blühen.

Published in: on 15. Juli 2007 at 21:01  Hinterlasse einen Kommentar  

Nachts, halb eins im Brandenburgischen

Die gute Nachricht ist, dass wir eine neue Rettungsstelle in der Nähe haben, die um halb eins wirklich sehr leer ist.

Seufz, wir haben hier gerade Trillionen von Killermücken, die sich nachts auf die Kinder stürzen und eine hat Kind Nummer 1 an beiden Augen erwischt, wovon das eine gestern nacht total zugeschwollen ist. Und das in einer Geschwindigkeit, dass einem Angst und Bange werden konnte.

Also Kind geschnappt und ab. Sie war heute das fünfte Kind mit zugeschwollenem Augen wegen eines Angriffs der Killermücken. Wenigstens hat das Biest nur außen gestochen, müssen wir nichts machen. Außer Autan kaufen gehen.
Ich hab es doch gesagt, im Winter, als ein paar Leute meinten, wie toll doch der milde Winter ist. Ich hab gesagt: ”Wartet auf den Sommer, die Viecher werden uns zerstechen wie noch nie. “

Ich hasse es, wenn ich recht habe…

Published in: on 14. Juli 2007 at 09:21  Hinterlasse einen Kommentar  

Von der Qual, einen Badeanzug zu kaufen

Vor nicht ganz drei Monaten war ich mit meiner Schwiegermutter zusammen auf Badeanzugkauf. Es gibt wenig, was noch deprimierender ist, als in einer Umkleidekabine im Frühjahr (wenn man noch den Teint eines 86-jährigen Schneewittchens hat), fünf Monate nach der Geburt eines Kindes (und leider nicht Heidi Klums Personal Trainer bezahlen kann – geschweige denn die Nanny, die auf das Kind aufpasst, während man selbst an seinem Astralkörper arbeitet) zu stehen und einen Badeanzug nach dem anderen anzuprobieren (und einen zu finden, der einen nicht aufgrund von Geldmangel zu weniger Essen zwingt).

Kurz gesagt, die Sicherung des Weltfriedens ist ein leichteres Unterfangen als in irgendeinem Teil dieser Welt einen günstigen Badeanzug zu finden, der der Figur so schmeichelt, dass man sich zufrieden im Spiegel anschaut und vor Glück – und nicht vor Grauen – erschauert. Ganz schlimm wird es dann, wenn die beste Schwiegermutter von allen einen mit leidvollem Blick anschaut und vorsichtig mit “Well, honey…” anfängt, verzweifelt nach halbwegs freundlichen Worten sucht und sich dann zu einem schlichten, aber sehr ehrlichen “No” entschließt. Dann weiß man – es sind drastische Maßnahmen gefragt. In meinem Fall war es ein sündteueres Teil, dass ich nur aufgrund des günstigen Dollarkurses vor mir selbst rechtfertigen konnte.

Und siehe, es war gut getan. Heute war ich seit dem legendären, fünfstündigen Badeanzug-Kauf das erste Mal in einem Bad, in dem ich nicht den Altersdurchschnitt um Jahrzehnte nach unten korrigierte. Und ich fand, ich war durchaus – zumindest in meiner Altersklasse – im oberen Drittel. Was wiederum dem Selbstbewusstsein einen erheblichen Auftrieb gab.

Soviel gar, dass wir gleich danach zum Griechen gehen konnten und mit (fast) guten Gewissens schlemmen konnten. Aber hey, ich weiß ja jetzt, was man gegen die Auswüchse [sic] tun kann:-)

Published in: on 12. Juli 2007 at 21:17  Hinterlasse einen Kommentar  

Erziehung in Theorie und Praxis – Teil 1

Irgendein kluger Mensch hat mal gesagt “Früher hatte ich sechs Theorien über Erziehung, heute habe ich sechs Kinder und keine Theorie mehr.” Recht hat er.

Ich habe früher immer gesagt, wenn mein Kind irgendwann mal sein Butterbrot vergißt, dann werd´ ich den Teufel tun, es ihm hinterherzubringen.

Es war dann kein Butterbrot (die Kinder bekommen heutzutage in der KiTa ja alles, was sie brauchen) es war der Ballettbeutel, der noch vom letzten Auftritt im Auto lag. Also bin ich wie der Teufel zurück zum Kindergarten, weil die Ballett-Lehrerin vom nun, sagen wir mal alten russischen Schlag ist und ich meiner Tochter einen Tadel ersparen wollte.

Und was hatte ich davon? “Mama, ich hab schon so auf Dich gewartet” (Bin ich so vorhersehbar???) “Warum hast Du denn vorhin meinen Ballettbeutel vergessen?” (Wer ich? Wieso ich? HALLO!) “Mama, bleibst Du noch hier?? Biiiittteeee!!” (Eh, nein, ich wollte eigentlich meinen ersten Kaff…) “Oh biiiiittteeee, bitte…..bleib doch hier und gucke zuuuuuhuuuuu” schallte es aus zehn Kinderkehlen (Hrmpf!).

Der erste Kaffee schmeckt um 10.00 Uhr schließlich auch noch gut.

Warum nur bin ich nicht bei der Theorie geblieben?

Published in: on 10. Juli 2007 at 14:34  Hinterlasse einen Kommentar  

Schlaflose Nächte – Teil 2

Eines Tages kam – lange bevor wir Kinder hatten – ein Kollege des Autors auf die Arbeit und sagte nur “Nicht alle Eltern, die ihre Kinder in den Papierkorb stecken, sind per se Rabeneltern”

Damals hab ich den Satz nicht verstanden.

Published in: on 9. Juli 2007 at 09:23  Hinterlasse einen Kommentar  

Das Leben ist eine Comedy

oder vielleicht auch umgekehrt. Auf jeden Fall mußte ich gerade an einen Auftritt von Michael Mittermeier denken. Er hat sich über Eltern lustig gemacht, deren Kinder gerade die Pest sind und anstatt daß sie die Brut in der nächsten Babyklappe werfen nur dümmlich “Aber wenn er lääääääächelt, das entschädigt für alles…” sagen.

Heute Nacht – Kind Nummer zwei wachte ungelogen alle Viertelstunde halb auf und quätschte gerade so, daß Muttern auch wach wurde. Dementsprechender Laune war ich heute morgen. Ich bekämpfte meine Müdigkeit gerade mit der zweiten Tasse Kaffee, da strahlte mich dieses Kind an (ich habe übrigens nie verstanden, warum Kinder nach so einer Nacht total gut gelaunt sein können) und sagte “Maaaaaaammmmaaaaaaaaa”

Schnüüüüüüüfffff! Mir ist es völlig egal, daß er nur nachplappert und es nicht so gemeint hat. Er hat hat “Mama” gesagt! Was sind da schon bisher 240 nicht durch geschlafene Nächte gegen so ein Mutterglück?

Das Leben schreibt eben immer noch die besten Comedys.

(Nach Diktat eingeschlafen)

Published in: on 7. Juli 2007 at 09:38  Hinterlasse einen Kommentar  

Hallo und darf ich überhaupt bloggen?

Diese Frage stellte ich mir ernsthaft, denn sieht man sich die Blogwelt – oder kennerisch die “Bloggospäre” – an, dann muß man mit seinem Blog die Welt verändern wollen. Oder zumindest teilweise. Und wenn einem das nicht gelingt, dann sollte man wenigstens zynisch sein.
Meine Weltveränderungsphantasien habe ich mit etwa 30 aufgegeben und auch meinen Zynismus habe ich zu diesem Zeitpunkt abgelegt. Warum soll ich zynisch sein, wenn ich doch mit meinem Leben im Großen und Ganzen zufrieden bin? Dieser Beweggrund für einen Blog fällt also weg.

Andere Blogs haben sich Information auf die Fahnen geschrieben. Informationen über Software, Hardware, Rezepte, wie öffne ich eine Kokosnuss, in welcher Folge trägt Buffy welches Oberteil oder auch welche Unterwäsche trug Paris Hilton im Gefängnis – falls überhaupt. Alles wissenswerte Themen, ohne Frage. Aber all das spielt in meinem Leben eine eher untergeordnete Rolle.

Blieben noch die Blogs, die einfach mal dagegen sind. Hauptsache man schreibt gegen irgendwas. Der eine findet Kinder im Supermarkt irre nervig (hey, das kann ich als Mutter ja nachvollziehen, ich möchte Euch zurufen “Laß uns tauschen – ich geh für Deinen Singlehaushalt einkaufen und Du mit meinen Kindern – dann hast Du wenigstens einen Grund zu jammern), der andere findet, daß Kinderlose Sozialschmarotzer sind (wer mindestens ein Kind hat, das nicht gerade von Mutter Theresa und Mahatma Ghandi abstammt, der wäre so gerne einmal wieder ein Sozialschmarotzer – oder er lügt). Aber egal was, man muß den jeweils anderen mit möglichst gewählten, aber ätzenden Worten nieder machen.
Wenn ich aber irgendwas in meinem Leben gelernt habe, dann, das selbiges nicht nur schwarz-weiß ist. Leider. Das würde das Leben doch sehr vereinfachen.

Warum also dieses Blog? Ganz einfach: Ich habe Spaß dran. Es hat kein wirkliches Konzept, ich hoffe, ich kann ausdrücken, was mir wichtig ist, was ich erlebe und was mich beschäftigt. Mal Rezepte für das Mittagessen, mal hochpolitisch in den Gedanken an Autobomben. Mal Kurioses aus der Krabbelgruppe, mal Politisches aus der Gemeinde. Und manchmal auch Paris Hiltons Unterwäsche.

Eben so, wie das Leben eben ist.

In diesem Sinne: Herzlich Willkommen!

Published in: on 6. Juli 2007 at 13:28  Hinterlasse einen Kommentar  
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