Als wir dieses Haus kauften, zeichnete der Garten sich durch eine schlichte Nichtexistenz aus. Der Platz, der ursprünglich dafür vorgesehen war, war eine Schlamm- und Steinwüste. Also beschlossen der Autor und ich, einen pflegeleichten Garten zu errichten. Mit der Betonung auf leicht und nicht auf Pflege. Wir pflanzten also auf einer großen Fläche Rasen.
Nicht bedacht hatten wir als Gartenlaien, die wir damals noch waren, dass so ein Rasen bei verschiedenen Witterungen dazu neigt, recht schnell zu wachsen. Momentan ist so eine Witterung, bei der man dem Gras beim Wachsen zusehen kann. Wenn es nun nur Gras wäre, dann ginge das ja noch. Leider wurde bei der Mutterbodenaufschüttung nicht wirklich darauf geachtet, dass die Erde gesiebt wurde. Also haben wir – nun, nennen wir es eine naturbelassene Wiese mit den verschiedensten Wildkräutern, die neuerdings wieder in der experimentierfreudigen Küche Einzug erhalten. Meine Oma sagt noch Unkraut dazu. Wenn nun also dieser Rasen wächst, dann wachsen die (Un-)Kräuter dreimal so schnell.
Nun habe ich seit April letzten Jahres mich um das Rasen mähen drücken leider nicht mehr mähen können. Ich meine, einer Schwangeren oder Stillenden kann man schließlich eine solche Arbeit nicht zumuten – viel zu schwer. Mein Beitrag zur Rasenpflege war es, in regelmäßigen Abständen Dinge zu sagen wie „Oh, das Gras bildet wieder einen perfekten Sichtschutz, wenn wir auf der (höhergelegten) Terasse sitzen“ oder „Schau, wenn man genau hinsieht, dann findet man unser Kind wieder, das vor einer halben Stunde Ball spielen gegangen ist“ oder aber auch gerne „Wenn Du möchtest, dass ich mal wieder mit sehr ursprünglichen deutschen Kräutern koche, dann kannst Du mir das auch gerne verbal sagen“. Meist erntete ich dann diesen langen Blick, gefolgt von einem sehr tiefen Seufzer und der Frage „Meinst Du, ich sollte mal wieder das Gras mähen?“ (Nein, ich sag das nur zum Spaß und weil ich denke, dass Du sonst nichts im Leben zu tun hast). Mit Glück und wenn sich nun wirklich keine Ausrede einfallen ließ, wurde dann der Rasen gestutzt.
Half heute aber nicht. Der Autor kränkelte so sehr, dass er zum Arzt musste und Antibiotika bekam. Alle Andeutungen halfen daher nicht, so ich griff zum allerletzten Mittel:“Neeeeeee, Du bist auch zu krank, ich mach das dann mal“ Und anstatt sich heldenhaft zwischen mich und den Mäher zu werfen, kriegte ich zu hören „Ja, solltest Du vielleicht. Er hat es mal wieder nötig.“ Hrmpf. Damit hat dieser Run nun auch ein Ende und ich bin wieder jedes zweite Mal dran. Mindestens.
Womit wir wieder zwei Sachen heute gelernt haben.
1. Ein Garten mit viel Rasen ist nicht zwingend pflegeleicht.
2. Ich schau mir doch mal diesen traktorartigen Rasenmäher auf dem man sitzen kann und von dem der Autor seit langem schwärmt, an.