Wie erwähnt befinde ich mich im Müttergenesungsurlaub bei einer liebe Freundin in Seoul. Der Autor hat schon vor Monaten Erholung angeordnet und als gute Ehefrau leiste ich den Anordnungen meines Ehemannes Folge.
Der Hinflug war eigentlich problemlos und angenehm. Bis auf den schon erwähnten betrunkenen Chemieseecontainerschiffkapitän (das war er wirklich, seine gesamte Crew war ebenfalls an Bord und versicherte mir glaubhaft, er sei wirklich und ehrlich der Boss und außerdem war er als einziger der Meute im Anzug), der neben mir sass und mich den gesamten Flug über angebaggert hat. Er hatte nämlich, außer einer sehr eigenen Art, alleinreisende Frauen anzumachen, noch eine andere Eigenart. Er konnte keinen Alkohol trinken, ohne ein Bier dabei. Nun sind die Stewardessen bei der KLM aber angewiesen immer nur ein alkoholisches Getränk per Runde auszugeben. Aus gutem Grund, wie ich finde. Jedenfalls bestellte sich der norwegische Käptn eine Whisky und ein Bier, einen Cognac und ein Bier, einen Wein und ein Bier. In der Reihenfolge. Jedesmal erklärte ihm die koreanische, sehr geduldige Stewardess, daß genau das nicht ginge. Also wollte er immer das hochprozentige, bis ihm wieder einfiel, daß er dazu ja ein Bier bräuchte, um den Rest zu trinken. Woraufhin die Stewardess ihm wiederum erklärte…und so weiter und sofort. Das hatte zur Folge, daß sich Whisky, Wein und Cognac ein paar vergnügliche Stunden auf seinem Tischchen machten. Bis er wieder so nüchtern war, daß er verstand, warum er kein Bier bekam, es seperat bestellte und dann in der Lage war, seinen Alkvorat seiner Bestimmung zuzuführen.
Was mich dazu bewog, einfach die Augen zuzumachen und so zu tun, als ob ich schliefe – was ich dann aus schierer Verzweiflung auch einfach tat. So kam ich wenigstens zu ein paar Stunden Schlaf und hab den Tag hier gestern ohne größere Müdigkeitsattacken überstanden.
Ich hoffe sehr inständig, daß es auf norwegischen Containerschiffen ein Alkoholverbot gibt und er einfach schon mal für die nächsten 2 Monate vorgebaut hat. Falls nicht, werde ich alle kommenden Luxusliner-Reisen aus dem pazifisch-asiatischen doch eher in den karibischen Raum verlegen.