Eines der letzten Abenteuer in Deutschland

Ich bin noch den Rückreisebericht von Regensburg schuldig – manchmal frage ich mich ja, warum immer mir sowas passiert. Obwohl, nach der Banken-Geschichte in Spanien scheint wohl festzustehen, dass solche Dinge doch genetisch festgelegt sind.

Also: Am ersten Mai-Wochenende bin ich mit den Kindern nach Nürnberg geflogen, weil in Regensburg die Tochter meiner Cousine Konfirmation hatte. Da Reisen ja bekanntlich bildet, habe ich denn auch eine völlig neue Form kennengelernt. Luther scheint die Protestanten im Bayernland eher nur gestreift zu haben. Aber das ist wieder ein anderes Thema.

Am Montag sind wir um 13 Uhr losgefahren, der Flughafen ist ziemlich genau eine Stunde entfernt. Kurz raus in eine Trüffelfabrik, damit ich die Dankeschön-Pralinen für diverse Mitbürger einsammeln konnte und weiter ging es. Im Radio hieß, es gäbe kurz vor unserer Abfahrt einen 4 Kilometer langen Stau. Kein Problem meinte meine Cousine, fahren wir eine eher ab, Navi sei Dank.

Dumm nur, daß der Stau schon da nicht 4km sondern 10 km lange war und wir mitten in einer Vollsperrung waren, weil ein Bierlaster umgekippt ist. Bier. Es war wunderschönes Wetter, klare Sicht, trockene Straßenverhältnisse und dieser Laster kippt um. Seitdem wir hier Erdinger und Paulaner boykottiert. Außerdem sagt das einiges über Bierlastwagenfahrer aus.

Da standen wir also – die Kinder schliefen GöttinseiDank noch – 19km vor dem Flughafen. Sicherheitshalber rief ich schon mal die Hotline an, die mir sagte, ich solle, wenn ich sicher sei, daß wir es nicht mehr schafften, doch bis 15:30 anrufen und umbuchen. Das ginge und würde eine Gebühr plus den Mehrpreis kosten (was mir Tage später noch im Magen lag). Und so warteten wir und warteten und warteten. Um 15:20 rief ich dann wieder an und buchte um. Diesmal hatte ich eine eher schwerfällige Dame am Apperat der Airberlin und es hat geschlagene 15 Minuten gedauert, bis sie mich umgebucht hatte – vom Handy aus auf eine kostenpflichtige Hotline.

In dem Moment als ich auflegte konnten wir dann weiterfahren – um 16:05 waren wir fast am Flughafen und entschieden uns für einen Aufenthalt im Biergarten. Denn der nächste Flieger ging erst um 21:10. Um 17:30 waren wir dann in der Schlange des Schalters. Als wir dran waren, konnte man uns nicht finden. Also wurden wir – nach einem Telefonat des Servicemitarbeiters – zum Airberlin-Desk geschickt, wo ich gefragt wurde, was ich denn dort tun würde, es sei doch alles klar und ich sei umgebucht und er würde da jetzt mal anrufen und ich solle doch einfach mal zum Check-in gehen. Als Zeichen des guten Willens überließ man mir sogar den GoldCart-Schalter, damit ich nicht so lange warten müßte.

An sich eine gute Idee, aber leider, leider, leider saß dort eine Mitarbeiterin, die gerade erst eingearbeitet wurde und so brauchte das Einchecken weitere geschlagene 15 Minuten. Mittlerweile drehten meine bis dahin äußerst geduldigen Kinder auf – wer will es ihnen verdenken? Meine Cousine trat von einem Bein aufs andere, weil ihr Lebensgefährte am nächsten Tag 50 wurde und sie noch das eine oder andere vorbereiten wollte – logischerweise.

Um 18:20 waren wir eingecheckt und sie verließ uns. Knapp 3 Stunden Wartezeit mit zwei kleinen Kindern auf den Großflughafen Nürnberg lagen vor mir. Als erstes bin ich mit ihnen zum Flughafenfriseur, um meiner Tochter die Haare schneiden zu lassen. Die Dame dort war die erste freundliche *und* kompetente Person, die mir begegnet ist und sie hat sich meine Geschichte sehr geduldig angehört, um meiner Tochter dann umsonst die Haare zu schneiden, damit “Sie Nürnberg in nicht gar so schlechter Erinnerung behalten”. Und sie gab mir den Tip, daß ganz oben ein Restaurant mit Kinderspielecke sei.

Dort waren wir um 18:45 nur um zu erfahren, dass sie leider um 19:00 Uhr schließen würden. Wie fast alle Lokalitäten und Geschäfte am Flughafen. Um 19:10 sind wir durch die Sicherheitskontrolle und ich konnte gerade noch eine Flasche Apfelsaft für die Kinder ergattern. Danach haben wir uns die Zeit an einem halben Flugzeug im Internationl-Transfer vertrieben, in das wir nur reingekommen sind, weil Kind Nummer Eins ihren ganzen Charme hat spielen lassen und Mutter alle Pässe bei hatte und einem kleinen Indoorspielplatz.

Um 20:45 sind wir zu unserem Gate und mir schwante Böses, als ich die Maschine noch nicht sah. Und da kam es auch schon:

“Liebe Fluggäste der Airberlin, wir bedauern Ihnen mitteilen zu müssen das ihr Flug nach Tegel sich leider verspätet”

Nun sollte uns der Autor vom Flughafen abholen und danach sofort mit dem Bus zur Arbeit fahren. Was eh schon knapp gewesen wäre, bei einer Verspätung jedoch unmöglich war. Das meine Kinder mittlerweile müde und genervt waren und wie die HB-Männchen durch den Flughafen tobten, versteht sich von selbst. Und ich stand am Rande eines hysterischen Schrei- wahlweise Lachkrampfs.

Um 21:20 konnten wir dann endlich boarden, um 21:35 waren wir in der Luft und der Pilot hat Gas gegeben. So sind wir nur 2 Minuten später als geplant gelandet. Leider um den Preis, dass er schnell runtergegangen ist, was den Ohren von Kleinkindern gemeinhin nicht gut tut. Aber man kann eben nur eines haben.

Also mit den Kindern rausgesprintet, sie dem liebenden, wenn auch sehr ungeduldig wartenden Vater in die Arme gedrückt, wieder zurück zum Band, gewartet, Koffer und Buggy vom Band gezerrt (nein, geholfen hat wieder kein Mensch), raus zum Auto, wo alle schon angeschnallt warteten und den Autor zur Arbeit gebracht. Wo er dann um 22:58 war – zwei Minuten von Dienstbeginn. Ich bin dann mit zwei komatös in ihren Sitzen zusammengesunkenen Kindern heim und habe sie so wie sie waren ins Bett verfrachtet. Um 23:43 war ich zuhause.

Und da ja bekanntlich alles im Leben einen Sinn hat, suchen ich den die ganze Zeit schon. Aber ich neige mittlerweile, es in Anlehnung an Herrn Freud mit folgendem Satz zu halten:

“Manchmal ist ein scheiß Tag einfach ein scheiß Tag”

Published in: on 19. Mai 2008 at 11:19  Hinterlasse einen Kommentar  
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