Sieg der alten Gourmetwelt

Unsere Kinder werden ja von zwei grundsätzlich verschiedenen Ernährungsweisen beeinflußt. Der Autor mag bekanntermaßen Fast-Food und Essen, das schnell geht. Er verdirbt die Brut führt die Kinder an Dosenmais und McDonalds heran. Ich hingegen versuche alles frisch und kulinarisch hochwertig zu kochen, um sie zu bodenständigen Gourmets heranzuziehen.

Manchmal jedoch siegt auch bei mir das Pragmatische. So wie heute. Ich bin mit Kind Nummer Eins erst um halb sechs zum Einkaufen losgekommen und mußte vor den Lebensmitteln noch ein Zelt (Tochter und Vater wollen auf gefährliche Nachtexpedition im Garten gehen) und Babysonnenhut (der vorherige von Kind Nummer Zwei ist den Hunden der Tagesmutter tragisch zum Opfer gefallen) kaufen gehen. Um halb sieben kam ein Anruf vom Autor, was er denn bitte dem bei ihm verbliebenen Kinde zu essen machen sollte (was ich seinem Gusto überließ – mal schadet es dem Kind auch nicht Rührei mit Apfelmus zu essen [brrrrrrr Anm.d.A.]) – aber es warf die Frage auf, was ob der kommenden Zeitnot dem Töchterlein serviert werden sollte. Und weil mir so gar nichts einfiel, durfte sie sich was aussuchen. Da sie Milchreis sehr gerne ißt, war es fertiger Milchreis mit Erdbeeren. Mutter schaute auf die Zutatenliste und kaufte sehr zähneknirschend.

Zuhause stürzte sich das Kind – mittlerweile hungrig wie ein Wolfsjunges – auf das abgepackte Zeug. Nach drei Bissen schaute sie mich gequält an und meinte

“Mama, Du ich mag das nicht. Das ist viel zu süss. Muß ich das essen?”

Der innere Vorbeimarsch zog mit einem mittelprächtigen, sehr lauten Orchster vorüber.

“Nein, mein Schatz, wenn Du das nicht magst, laß es liegen. Trotzdem Nachtisch, mein Engelchen” säuselte die glückliche Mutter.

“Ja, die Nashi-Birne bitte. Mama, ich mag nicht so zu süss essen. Und Mama, Du bist eine viel bessere Köcherin als die im Supermarkt”

Das Kind bekam Nashi-Birne und durfte außerplanmäßig vor der SuperRTL-Schmonzette “Hannah Montana” essen – etwas, was sonst nur im Urlaub oder hohen Feiertagen vorkommt. Ja! Zwei zu Null für mich und meine Art zu kochen. Das Kind liebt es eben frisch und gesund.

Und die Tatsache, daß sie eine halbe Stunde vorher im Laden bei den Dosen lautstark

“Und Ravioli, Mama, das ist mein bestes Lieblingsessen”

geschrien hat, zeigt nur, wie kulinarisch vielseitig interessiert meine Tochter ist.

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