Wenn Tote telefonieren

Wir waren ja über das Wochenende in der alten Heimat. Und dazu gehört auch immer ein Besuch am Grab meiner Mutter. So standen wir da also, als es plötzlich summte. Gleichzeitig sagten wir beide:

“Dein Handy – das ist nicht meins!”

Einigermassen fassungslos sahen wir uns an. Derweil es wieder summte. Nun war es mitten am Tag, die Sonne schien, da wird man schon mal mutig – sogar auf einem Friedhof. Also ging ich in Richtung Geräusch – es kam vom Nachbargrab. Kurz hab ich ja wirklich überlegt, was ich tue, wenn das vibrierende Summen abbricht und jemand “Hallo” sagt.

Aber es summte leise in bestimmten Abständen weiter vor sich hin. Also ich mir dann das Grab neben dem meiner Mutter etwas genauer – also sehr genau – ansah, sah ich zwischen Stein und Konifere einen Stab in der Erde. Eine Wühlmausabschreckanlage! In dem Teil des Friedhofes haben sie Probleme mit Maulwürfen und Co. – jedenfalls seit meine Mama da liegt, denn zwei Wochen, nachdem sie gestorben war, hat sich der Maulwurf aus unserem Garten (mit dem sie sich zeitlebens einen erbittertenden Krieg geliefert hatte) aufgemacht, die nunmehr für ihn friedliche Stätte unseres Gartens zu verlassen, um sich einen neuen Wirkungskreis zu suchen und ist plötzlich wieder bei Leuten, die eine wirkliche Herausforderung darstellen. Anscheinend haben Mamas Nachbarn den Kampf aufgenommen. Bis zu dem Punkt, an dem die Hilfe aus dem Jenseits anfordern.

So wie es aussieht, hilft aber auch das nicht.

Published in: on 18. August 2008 at 06:20  Hinterlasse einen Kommentar  
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