Alte Liebe rostet nicht

Ich war ja die Tage nicht nur in der alten Heimat, sondern auch bei meiner ersten großen Liebe – dem Ruhrgebiet. Ich weiß, ich weiß – auch ich kenne eine Menge Leute, die jetzt ungläubig die Augen verdrehen. Der Pott? Nicht Dein Ernst, oder?

Doch. Ist es. Wirklich und ehrlich.

Ich hatte wieder Tränen in den Augen, als ich durch die sehr eigenwillige Umleitungsempfehlungen (die sich typischerweise durch einen erheblichen Mangel an Umleitungsschildern auszeichnete) aufgrund einer der nie endenden Baustellen gefahren bin und dabei wieder die hügelige Landschaft Dortmunds mit seinen überhaupt nicht zueinanderpassenden Häusern gesehen habe.

Meine Stimme bebte, als ich meinen Kinder bei der Ausfahrt Bochum-Stahlhausen zum 5ten Mal sagte, daß dies *meine* Ausfahrt sei – Augenrollen seitens Kind Nummer Eins.

Ich liebe die Vielfalt der Menschen, die auf einem Raum der Größe eines Schrebergartenfestes vom Ruhrgebiets-Luden-Proll bis hin zur Stiepler SchickiMickiTante alles zu bieten hat. Und sie reden sogar miteinander.

Ich liebe die bodenständige Ehrlichkeit dort, die zwar mit Diplomatie so gar nichts am Hut hat, aber nie in offene Unfreundlichkeit umschlägt – wie das gerne mal in anderen Städten dieses Landes der Fall ist.

Ich fühle mich auch im dicksten Verkehr wohl, denn die Leute auf der A40 aka A430 aka Ruhrschleichweg sind die einzigen Deutschlands – wenn nicht sogar der Welt – die das Reißverschlußverfahren wirklich verinnerlicht haben. Notgedrungen.

Ich mag die Kontraste zwischen endlosen grauen Häuserschluchten und sonnendurchflutetem Grün – keine 50 Meter von einander getrennt und nicht so überlaufen wie man denken könnte.

Das Kultur- und kulinarische Angebot, das sich innerhalb von 45 Minuten Fahrtzeit erreichen läßt (also ohne Stau jetzt), läßt alle anderen Gebiete Deutschlands vor Neid erblassen.

Und so vieles mehr.

Aber wie das mit den ersten Lieben so ist – man entwickelt sich weiter, man will was Neues entdecken und mit der Zeit verklärt sich vieles.
Will ich zurück? Ich habe keine Ahnung. Ich fühle mich hier mittlerweile sehr wohl, es hat lange gedauert, aber ich mag es hier – außer daß Berlin einfach zu weit weg von allem ist, hat es durchaus Vorteile in der Nähe der großen Stadt zu wohnen. Und an alte Lieben sollte man sich ab und an mit Freude und Nostalgie erinnern – und dann da weitermachen und genießen, wo man gerade steht.

Seufz.

Published in: on 5. August 2009 at 08:42  Hinterlasse einen Kommentar  
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