Nicht für die Schokolade, für das Leben lernen wir

Kind Nummer Zwei ist gerade in einer schwierigen Phase. Er schwankt von kariesverursachendem zuckersüss zum Terrorblag erster Kategorie. Und zwar im Wechsel. Der wiederum innerhalb von Sekunden stattfinden kann.

Ich bin ja für sowas nicht gemacht und auch nicht dafür, meinem Kind immer und alles sofort zu vergeben. Dazu kommt nämlich die “Nein”-Phase. Egal was ich tue und mache – er ist erstmal auf Kontra gebürstet. Und zwar vom Aufstehen an. Plus die wiederum ganz normale Kleinkindeigenschaft alles anzufassen und auszuprobieren. Und dementsprechend in Einzelteile zu zerlegen.

Mit diesen Voraussetzungen ging ich also heute mit ihm in den Supermarkt – es ließ sich leider nicht verhindern. Nun wissen meine Kinder, wenn sie sich ordentlich betragen, dürfen sie sich eine Süssigkeit aussuchen. Und nein, das ist keine Bestechung, das ist lediglich eine sinnvolle Hilfe für das Kind, sich verflucht noch mal zusammen zu reißen seine Prioritäten zu überdenken. So auch heute. Jedenfalls bis zu dem Zeitpunkt, als er die Smarties in der Hand hatte.

“Mama, kann ich die jetzt essen?” Wann durftest Du das je, mein Kind?

“Nein, die müssen wir erst bezahlen.” Zum 100.000 Mal.

“Kann ich dann im Auto eins essen?” So, wie dieser Tag läuft…

“Ok, im Auto darfst Du dann EINEN!” Und wende mich der Nervennahrung für den Autor zu. Bis ich irgendwann ein leises “Plopp” höre und der Boden der Smartiespackung durchgebohrt ist – immerhin hält er das offene Ende nach oben.

“Sag mal, was soll denn das? Ich dachte, wir hätten uns drauf geeinigt, daß Du sie im Auto ißt. Ich bin sehr enttäuscht von Dir.” Mutter hat ja gelernt, daß sie nicht “ganz doll traurig” sein darf. Steht in jedem nicht gelesenen Erziehungsratgeber schon auf Seite 3.

Große Augen, trotziges Gesicht, tiefes Luftholen, lautes C-Dur

“Neeeeeiiiiin, Mama nicht täuscht sein! Ich bin ganz liiiiieeeeb. Nicht täuscht sein!!!” natürlich durch den ganzen Laden. Die Leute schielen schon in die Süsswarenreihe. Kind guckt sich um, sieht das, schließt den Mund, legt den Kopf schief, die Augen werden noch größer, und haucht sehr laut hörbar

“Mama, ich bin doch sooooo lieb, Ich bin ganz lieb. Guck, ich halte die Marties doch nur!” Plinker, plinker. “Ich darf die im Auto?” Und behält mit den kleinen Fäusten die Rolle umklammert.

Konsequenz ist, wenn man dann hart bleibt, die Leute ignoriert, das dann folgende Brüllen des Kindes in den eigenen Ohren auf nicht existent schaltet und alles Schreien ignoriert. Diese Konsequenz war mir am Ende dieses Tages nicht mehr gegeben und ich gab nach. Aber ich tröste mich damit, daß mein Kind etwas gelernt hat, was mir damals mal ein wohlmeinender Chef nahe gelegt hat:

“Wenn Du Mist gebaut hast, dann sieh zu, wie Du ihn mit Charme und einem gekonnten Augenaufschlag wieder hinkriegst.”

Er ist einfach nur seiner Zeit voraus, mein Sohn.

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Published in: on 16. März 2010 at 19:33  Hinterlasse einen Kommentar  

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