Die Jugend, sie kommt…

Und wir machen doch was falsch….

In den Wintermonaten hab ich ja immer wieder Wii Sports gespielt und da gerne KungFu. Und das machte Spaß. Allerdings schien da ein Bug drin gewesen zu sein, weil ich nie über eine bestimmte Punkteanzahl drüber gekommen bin und auch nie auf Advanced geschaltet wurde.

Es war kein Bug.

Weil jetzt Ferien sind und man die Kinder ja irgendwie beschäftigen muss, hat der Autor mit der Brut Wii gespielt. Und als ich aus dem Keller vom Arbeiten kam, kam meine Tochter denn auch gleich angerannt

“Mamaaaaa!! Guuuuck maaaaal!”

Das Kind hat mich nicht um 10 Punkte oder so geschlagen, sondern um 200 (in Worten: Zweihundert!). Und sie ist für Advanced freigeschaltet.

Pft. Und das nach nur fünf Mal üben oder so.

Ich hoffe, die Schule fängt bald wieder an. Ich brauche Zeit zum üben. Viel Zeit zum üben!

Published in: on 31. Juli 2010 at 12:58  Hinterlasse einen Kommentar  

40 ist das neue 30. Hoffe ich

Man sagt ja immer, an den Kindern merkt man, dass man alt wird. Das mag stimmen, aber noch viel eher merkt man es daran, wie die Welt um einen herum jünger wird. Oder aber älter, je nachdem wie man es sieht.

Letztens erst hab ich einen Artikel gelesen über die Stars, die jetzt langsam durch neue ersetzt werden. Jolie gegen Fox, Kidman wird durch Gomez ersetzt, Pitt muß sich Pattinson geschlagen geben und auch Jonny Depp muß dran glauben. Und alle mein Alter. Plus/minus fünf Jahre. Das tut weh.

Aber noch mehr tut weh, wenn ein Freund erzählt, er wäre mit seinem erwachsenen Sohn auf einem Toten Hosen Konzert gewesen und eben jener Jungspund hätte beim Anblick der vollen Konzerthalle gesagt

“Sag mal, sind wir hier auf einer Ü60-Party?”

Gut, nun ist der gute Campino auch fast 50 – bei seinem Leben ist das Wort erst vielleicht nicht so angebracht – aber immerhin macht die Band noch so gute Musik, daß meine Kinder sich dafür begeistern.

Und vielleicht ist das ja das Geheimnis, damit der 40te Geburtstag nicht ganz so die emotionale Katastrophe wird dieses Jahr wie der 30te vor zehn Jahren. Die Welt dreht sich weiter, es kommt immer wieder was neues, was dann irgendwann auch alt wird.

Man muß nur warten können.

Published in: on 29. Juli 2010 at 12:07  Hinterlasse einen Kommentar  

49 Fragen

So ein Lemming ist ja nix gegen mich, vor allem wenn das Schäfchen vorrennt:-)

1. Wann warst du zuletzt beim Frisör?
Vor ziemlich genau zwei Monaten – das Graue wird die Tage wieder abgedeckt.

2. Schminkst du dich?
Sehr oft – einmal das komplette Programm

3. Trägst du Röcke?
Immer häufiger, vor allem im Sommer

4. Was trägst du nachts?
Ein Shirt

5. Welche Schuhgröße hast du?
41

6. Wie viele Paar Schuhe besitzt du (ungefähr)?
Zuviele sagen Autor und Schuhschrank

7. Hast du eine Tätowierung oder ein Piercing?
Yipp

8. Wann warst du zuletzt beim Zahnarzt?
Letztes Jahr irgendwann

9. Mit wem hast du zuletzt telefoniert und wie lange dauerte das?
Mit meiner Freundin – etwa 4 Minuten, war nur eine Terminabsprache

10. Gibt es eine Serie, die du regelmäßig schaust?
Nein, nicht mehr, keine Zeit. Aber früher war ich bei Auswanderer-Doku-Soaps immer gerne dabei

11. Warst du schon mal im Fernsehen?
Ja, das war anno 1989 (oder war es 1990?), in einem logo-Bericht über “Jugend im Parlament”

12. Welchen Sport schaust du dir im TV an?
Fußball-WM, Olympiade und den SuperBowl

13. Hast du eine Phobie?
Ich hatte mal echte Probleme vor großen Menschenmassen. Ich mag das immer noch nicht, breche aber nicht mehr in Panik aus, wenn ich in eine hineingerate

14. Hast du dir schon mal gewünscht, ein Mann zu sein?
Och, ja

15. Welche Zeitschriften liest du
Was so in Wartezimmern dieser Welt rumliegt – ach ja, und den Spiegel online sehr regelmäßig.

16. Wo verbringst du mehr Zeit, vorm PC oder TV?
Ganz klar Laptop!

17. Wann warst du zuletzt in der Disco?
Eh…gibt es sowas heutzutage noch oder nennt sich das heute alles Club?

18. Welche Tiere magst du gar nicht?
Motten

19. Wenn du jetzt auswandern müsstest, wohin würdest du gehen?
Oregon oder Washington, USA.

20. Bist du in der Schule mal sitzen geblieben?
Nein

21. In welchem Fach warst du besonders schlecht?
Mathe – heute bin ich aber aufgrund meiner Studienerfahrung der festen Überzeugung, daß ich schlicht die falschen Lehrer hatte, die es perfekt geschafft haben, mir die Motivation zu nehmen

22. In welchem besonders gut?
Geschichte

23. Wie viele Sprachen sprichst du?
Deutsch, Englisch und ichkannimmerhinwaszuessenbestellen-Französisch

24. Welche Sprache würdest du gerne lernen?
Spanisch

25. Liest du in Zeitschriften dein Horoskop?
Nein

26. Beherrschst du ein Musikinstrument?
Xylophon:-)

27. Kannst du tanzen?
Also tanzen im klassischen Sinne nicht. Aber ich muß mich auf einer Tanzfläche auch nicht schämen. Jedenfalls meistes nicht.

28. Was machst du nachts, wenn du nicht einschlafen kannst?
Normalerweise falle ich komatös ins Bett. Sollte das mal nicht so sein, höre ich Podcasts

29. Hast du ein Lieblingsgesellschaftsspiel?
Trivial Pursuit

30. Wohin ging dein bisher weitentferntester Urlaub?
Australien

31. Wann warst du zuletzt auf einem Konzert?
eh….keine Ahnung.

32. Welche CD hast du dir zuletzt gekauft?
Ich? Mir? You have to be kidding!

33. Hast du dich schon auf der Arbeit krank gemeldet,
weil du einfach keine Lust hattest?
Nein. Wer feiern kann, kann auch arbeiten!

34. Hast du schon FKK gemacht?
Als Kind sind wir immer nach Sylt gefahren – muß ich mehr sagen?

35. Hast du schon Bungee-Jumping oder Fallschirmspringen gemacht?
Steht noch auf meiner Agenda.

36. Welches Zweirad fährst du?
Leider nur Fahrrad.

37. Wann hast du zuletzt die Fenster geputzt?
Da sagst Du was…..

38. Wann zuletzt Wäsche gebügelt?
Bügeln wird überbewertet

39. Wann hattest du die letzte Auseinandersetzung
mit deinem Partner wegen des Fernsehprogramms?
Eigentlich noch nie

40. Küsst du deinen Partner täglich?
Ja.

41. Öffnest du die Post, die an deinen Partner adressiert ist?
Ja, es sei denn es ist offensichtlich privat, aber das kommt alles eh meist per Mail

42. Wirst du laut, wenn du streitest?
Das ist ok. Gefährlich wird es, wenn ich sehr leise werde

43. Hattest du schon mal ein Blind Date?
Ja

44. Hast du dich schon mal in einen verheirateten Mann verliebt?
Verliebt nicht, nein

45. Was war dein erstes eigenes Auto?
Ein weisser Golf1

46. Bist du bei der Führerscheinprüfung mal durchgerasselt?
Ja, und ich möchte nicht drüber reden.

47. Wo muss die Tanknadel deines Autos stehen, damit du tanken gehst?
Da ist so eine kleine gelbe Lampe

48. Hast du schon mal ein Auto zu Schrott gefahren?
Aber mir ist nichts passiert!

49. Warum hast du bei dieser Umfrage mitgemacht?
Manchmal macht man Dinge, die man sich nicht erklären kann.

Published in: on 27. Juli 2010 at 17:05  Hinterlasse einen Kommentar  

Modesünden des Sommers 2010

Kaum geht man mal ohne Technik aus dem Haus, schon fallen einem Dinge auf, die man sonst schlicht übersieht. Zum Beispiel die diesjährige Damenmode. Da besonders zwei Dinge.

Erstens: Schulterfreie Tops. Die gehören für mich in eine Liga mit HotPans. 70% aller Frauen tragen sie, aber nur maximal 5% stehen sie auch. Was im übrigen für das Selbstbewußtsein nicht hilft, aber das nur am Rande, wenn die eigene beste Freundin zu ebenjenen 5% gehört. Ganz schlecht.
Aber zurück zu diesen Tops. Ich möchte diesen Frauen immer so gerne einen Spiegel schenken. Leute, das sieht doch nicht aus. Schultern sind entweder zu weiß, zu rund oder zu knochig. Die Oberarme zu spirrelig, zu dick oder aber zu schlaff. Und selbst wenn das alles stimmt, dann drücken die Dinger immer, immer, immer die Brust so derart unvorteilhaft ab, daß man meint, selbige würde in Wellenform verlaufen. Und wenn sie das nicht tut, dann ist das ein recht sicheres Zeichen für silikonunterstützte Körbchengröße. Was irgendwie auch nicht jeder wissen muss. Finde ich. Das alles geht noch, aber meist werden die Dinger mit dem zweiten sommerlichen Ding, die jeder trägt kombiniert.

Mit Flip-Flops. Argh! Schon alleine dieses Geräusch. Schmock-schmock, schmock-schmock….brrrrr. Und da die Dinger so gar keinen Absatz besitzen, gehen darin alle Menschen wie die Enten. Ohne Ausnahme. Ja, auch Gisele Bündchen und Heidi Klum. Schöne Exemplare davon hab ich auch noch nicht gesehen – egal, wie sich die Designer angestrengt haben. Und unbequem sind die…die tun weh. Ich hab die Dinger einmal in meinem Leben angehabt, weil ich dachte, da muß ja was dran sein, wenn die alle haben. Nach einer Stunde waren mein Zehenzwischenraum durch und ich hatte Schmerzen. Warum tut man sich sowas freiwillig an. Von der Sauerei, die das Blut veranstaltet hat mal ganz abgesehem.

Doch ja, man sieht seine Mitmenschen ganz anders, wenn man seinen iPod mal daheim läßt. Die Frage ist nur, ob man das wirklich immer will.

Published in: on 26. Juli 2010 at 17:04  Hinterlasse einen Kommentar  

Zitat des Tages

Ich hab heute die Überreste unseres Rasens gemäht. Das heißt eigentlich war es nicht mehr der Rasen sondern das Unkraut, das der Hitze trotzte. Und wie ich also diese gelben und weißen Unkrautblüten kappe, wirft Kind Nummer Zwei sich todesmutig vor den Rasenmäher, hält mir Abschnitt vor die Nase und ruft sehr vorwurfsvoll

“Mama, Du hast sie getötet! Sie sind jetzt TOT!”

Ganz richtig, mein Sohn, Deine Mutter ist eine Unkrautkillerin. Deal with it!

Published in: on 22. Juli 2010 at 20:19  Hinterlasse einen Kommentar  

Die Strafe der Technik

Diese Familie ist ja durch und durch technologisiert. Jedem seinen Laptop, ein Desktop für die Kids, Wii für alle, iPods ebenfalls zum teilen und irgendetwas sagt mir, daß dieses Jahr Weihnachten ein iPad seinen langen, irrigen Weg zu uns finden wird.

Doch ja, ich lebe gerne in einem Zeitalter, in dem ich bestimmen kann, wann ich was höre, lese, sehe oder in meinem Fall auch arbeiten kann.

Aber manchmal, manchmal frage ich mich, ob das wirklich alles nur Sonnenschein ist. Ich erinnere mich daran, daß ich gute Einfälle für das Blog hatte, wenn ich die Wäsche aufgehangen habe. Da ich heute bei der Hausarbeit immer den iPod im Ohr und da dann immer Podcasts – meistens Zeitzeichen oder andere geschichtliche Happen – konzentriere ich mich darauf. Genauso beim Joggen. Und vor dem Schlafengehen – ich erinnere mich noch, wie meine Gedanken gewandert sind, jetzt lullt mich die Sprache ein und schlafe dabei ein,

Und je mehr interessante Dinge ich im Netz finde, desto weniger Zeit bleibt für wirklich eigene Sachen, denn leider hat sich die Zeit nicht mit der Wissensfülle ausgedehnt.

Nicht, daß man mich hier falsch versteht, das ist kein Artikel über das böse Medienzeitalter, beileibe nicht. Es ist eher die Erkenntnis, daß auch Menschen, die mit der Herausforderung Technik aufgewachsen sind, sich ab und an mal zurücklehnen sollten und ohne sämtliches Gerät ein paar Stunden versuchen auskommen. Und einfach nur seine Gedanken wandern zu lassen. Länger als zwischen zwei Titeln,

Ja, das werde ich tun, gleich, wenn ich ins Kino fahre. Ich nehme den iPod nicht mit. Brauche ich gar nicht.

Hat mein Handy eigentlich Radio?

Published in: on 20. Juli 2010 at 13:08  Hinterlasse einen Kommentar  

Sommer, Sonne, Freibad

Also eigentlich wollte ich ja das Blog wegen erhöhter Hitze und Arbeitsaufkommen in Sommerpause gehen lassen. Aber dann war ich letzte Woche noch mit den Kindern in der alten Heimat im Freibad. Und das kann nicht unkommentiert bleiben. Menschen, die es politisch korrekt mögen, möchten diesen Eintrag vielleicht überspringen.

Ich bin ja nicht so der Freibadtyp, ich bin blass, ich kann die Sonne nicht ab, ich mag nicht den Fettfilm, den die Sonnenmilch auf dem Wasser hinterläßt und irgendwie überhaupt. Aber wenn es 37 Grad sind und die Kinder niemanden zum Spielen haben, dann geht man eben ab 17 Uhr auch mal zum Schwimmen.

Ich muss sagen, das Bad selbst hat sich seit meiner Jungend doch sehr verändert. In der Erbsensuppe steht eine ziemlich klasse Rutsche, die Kind Nummer Zwei unermüdlich, seine beschwimmflügelten Ellenbogen gegen verdatterte möchtegerncoole Teens einsetzend, immer wieder erklomm. Und Kind Nummer Eins fand nichts so klasse, wie die Wasserspirale immer und immer wieder zu durchschwimmen. Ich hingegen stand am Fuße besagter Rutsche und wartete darauf, daß ein blondes Kind die Rutsche runtergebrettert kam. Und hatte Zeit, Leute zu gucken.

Oder Sozialstudien zu treiben, je nachdem, wie man es sehen will. Himmel! Ich hatte ja keine Ahnung, daß es in der Größe überhaupt Badeanzüge geschweige denn Bikinis gibt. Und ich rede nicht von Größe 58. Ich rede von dem Kaliber, bei dem man von schräg unten – also genau meiner Position im Becken – durch die Beinöffnung schauen kann, weil die Bauchüberlappungen (Plural) den Stoff anheben. Das war kein schöner Anblick, wahrlich nicht. Das wurde nur getoppt von den unglaublichsten Männerbäuchen, bei denen mich unweigerlich der Wunsch nach einer Nadel überkam, damit ich reinpieken und die Luft aus dem Ballon lassen konnte.

Fast schon unterhaltsam waren dagegen die Bildergeschichten auf den Körpern. Nun habe ich nichts gegen gut gestochene Tattoos, ganz bestimmt nicht. Wer es mag und wem es steht, gerne auch große und zusammenhängende. Aber das dort grenzte an Körperverletzung. Für den Betrachter. Ein Dermatologe mit einem Laserstand zum Entfernen von Körperfarbe würde dort das Geschäft seines Lebens machen. Es war unglaublich, wie schlecht die Motive getochen waren. Was hingegen messerscharf war, waren Namen wie “Pia-Sophie”, “Lukas” und “Laura”. Meist zwischen den Schultern oder um dem Oberarm herum. Diese Elternliebe wurde nur durch ein ab und an gehörtes

“Ey, Finn, samma hasse den Aasch auf? Guck doch ma, woe hinsprings, ey!” geschmälert.

Dazu kamen dann natürlich die üblichen Besucher der örtlichen 5-9 Klassen in kichernder, cooler, musikblasternder Weise. Ach ja, und der nicht wegzudenkende, dicke Schwimm-Meister, der sich mit seinem durchdringenden Bass mit

“Büüüüürschchen, ich sach Dir dat gezz nur noch einmal. Wennze dat noch einma machs, dann mach ich dat Scheißding da zu, dat dat ma klaaa is.” zumindest für zwei Minuten Autorität verschaffte. Genau neben meinem Ohr.

Nach eineinhalb Stunden hab ich die Kinder mit Pommes und der Ankündigung eines eventuell nahenden Gewitters an einen anderen Ort locken können.

Ich gebe zu, hier im Dorf ist es eher schwer meinen Kindern andere Kulturen und Lebensweisen beizubringen, aber für den Anfang war das dann doch zu heftig. Ich glaub, dass nächste Mal fahre ich mit Ihnen erstmal nach Harlem oder in die ruhigen Vororte von Paris, um sie Ihnen andere Lebensentwurfsmodelle nahezubringen. Man soll ja klein anfangen.

Published in: on 16. Juli 2010 at 19:08  Hinterlasse einen Kommentar  

Zitat des Tages

Kind Nummer Eins wollte unbedingt noch zum Oma auf den Friedhof. Kaum das wir durch das Tor gingen, rief Kind Nummer Zwei

“Mama, ich weiß, was das hier ist. Das hier ist Omas Garten!”

Da weiß man wieder nicht, ob mal lachen oder weinen soll…

Published in: on 12. Juli 2010 at 15:56  Hinterlasse einen Kommentar  

Kinder, wie die Zeit vergeht

Kinder für den Abend und den nächsten Morgen verkauft? Check.

Haare gefärbt, Nägel lackiert, aus dem Äußeren allgemein das Bestmögliche rausgeholt? Check.

Herzallerliebste Kinder- und imposante Autorenbilder ausgedruckt? Check.

Cremant für die Einstimmung heute kaltgestellt? Check.

Die alte Abizeitung rausgeholt und fürs Imerinnerungenschwelgen an seinen Platz gelegt? Check.

Tiefdurchatme.
Ok.
Bereit.
Für das 20jährige Abitreffen heute abend.
20 Jahre.

Ist mir schlecht!

Published in: on 10. Juli 2010 at 07:38  Hinterlasse einen Kommentar  

Ein Männlein steht im Kinderzimmer

Nach der reinen Lehre darf man ja keine Bestrafungen mehr ausetzen. Die heißen jetzt Konsequenzen und sind je nach pädagogischer Ausrichtung mehr oder minder beliebt. Nach den Fehlern, die man mit meiner Generation gemacht hat, hat man gemerkt, daß das völlige Fehlen von Grenzsetzung auch nicht der Heilige Gral ist.

Als Gegenpart zu den Konsequenzen sind die Belohnungen zu sehen. Die sollten kein Problem sein, denkt sich so ein normaler Mensch ohne Kinder. Weit gefehlt. Denn, so alternative Kinderrechtler, Belohnungen sind nichts anderes als Bestechungen und lehren die Kinder frühzeitig, daß sie Dinge (und Liebe) nur bei Wohlverhalten bekommen, womit sich die Spirale der imperialistischen und kapitalistischen Leistungsgesellschaft schon in der Wiege fortsetzt. So ändert sich diese Gesellschaft nie.

Das mag stimmen.

Andererseits frage ich mich, was man tun soll, wenn das dreijährige Kind ganz offensichtlich totmüde ist und sich aber standhaft weigert zu schlafen. Und zwar so lautstark und so raumfordernd, daß die gesamte obere Etage sein eigen ist. Was wiederum die Mutter vom Arbeiten und die Tochter, die schlafen will, von ihrer wohlverdienten Ruhe abhält. Konsequenzen bringen da erfahrungsgemäß nicht viel – denn bis morgen hat er alles vergessen und ich habe Theater, wenn ich sie durchsetzen will. Außerdem berührt das zuviele andere Leben – Freundesbesuchentzug zum Beispiel ist ein zwar sehr effektives Mittel, das aber nur extremst sparsam angewendet werden kann. Denn erfahrungsgemäß sind die anderen Eltern auch froh, wenn die Brut mal aus dem Haus ist und nutzen die Zeit für wichtige, entspannende Dinge wie Arztbesuche oder Überstunden.

Also bleibt die Belohnung. Und da bin ich sehr froh, daß der beste Erzieher der Welt das “Männlein” erfunden hat. Wenn also die Kinder beim Schlafengehen in der Kita brav sind, sich selbst umziehen, gut die Zähneputzen und so fort, dann bekommen sie nach der Mittagsruhe ein Strichmännchen auf den Finger gemalt. Der totale Erfolg.

“Maaaaaamaaaaaa, ich hab heute ein Männlein bekommen!” ist das erste, was ich nach einem erfolgreichen Tag am Tor zu hören bekomme.

Und was funktioniert wird übernommen. Gestern ist mein Sohn das erste Mal seit Wochen ruhig und ohne großes Getue eingeschlafen. Heute morgen forderte er dann sein wohlverdientes Männlein – denn *das* hat er behalten, im Gegensatz zu Konsequenzen. Ja, ich blicke jetzt rosiger in die abendliche Zukunft.

Ich hoffe, die Welt wird mir verzeihen, daß auch ich so ein leistungsorientiertes, materialistisches und manipulierbares Kind großziehe. Und wer genau das verurteilt – mein Angebot steht, meinen Sohn gerne mal für zwei Wochen oder so auszuleihen, um einen dringend notwendigen Ausflug in die Realität des Kinderhabens zu bekommen.

Published in: on 7. Juli 2010 at 07:03  Hinterlasse einen Kommentar  
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