Eine von denen

Nicht zum ersten Mal habe ich vergangenes Wochenende festgestellt, dass Wahrnehmungen von aussen betrachtet oft anders sind als von innen betrachtet. In diesem speziellen Fall war es ein Kind an einem späten Samstagabend in einem Restaurant. Und das kam so:

Kind Nummer Eins und ich waren auf einer Konzertveranstaltung von Frau Lostinabadbook, die im übrigen sehr beeindruckend war – also beide, Veranstaltung und Freundin. Und danach hatte mein Kind Hunger. Viel Hunger. Nach einigem Überlegen entschieden wir uns dann, dem lokalen Griechen noch einen Besuch abzustatten. Gesagt, getan.

Wir betraten also das sehr volle Restaurant und steuerten gleich den für Freunde des Hauses immer reservierten Tisch an – Kindergarten Vitamin B ist schließlich alles. Es kamen auch gleich alle auf uns zugestürmt, Kind Nummer Eins war die Prinzessin und unser Essen kam in Rekordzeit. Wofür ich dankbar war, denn ich spürte sie schon, diese Blicke, die da sagten:

“Also, muss das sein? Mit einem Kind um 22 Uhr noch ins Restaurant gehen. Wenn ich sowas will, dann muss ich mir keine Kinder anschaffen. Lottermutter!”

Und wenn ich ehrlich bin – so Blicke hab ich damals vor den eigenen Kindern auch schon geworfen. Allerdings waren die Kinder da sehr viel kleiner und haben sehr viel müder ausgesehen als meine aufgedrehte Neunjährige. Und es half auch nicht, dass ich mir vorgebetet habe, das in südlichen Ländern Kinder gerne mal bis tief in die Nacht in Lokalen rumspringen. Ich wollte schon mit eingezogenem Kopf schnell zahlen, als einer der Kellner zu mir meinte:

“Weißt Du, Du mußt Zeit mit Deinem Kind verbringen, egal wann. Und guck sie Dir an, Deine kleine Prinzessin, sie hat doch Spaß! Noch einen Wein?” Und wie sie den hatte, den Spaß, sie quasselte ununterbrochen, war wahnsinnig wohlerzogen allen Anwesenden gegenüber und versprühte gute Laune. Sie und ich hatten einfach eine gute Zeit.

Und deswegen tat ich das, was man in solchen Fällen immer tun sollte – ich ignorierte die Blicke, bereitete mich seelisch darauf vor, den Wagen erst am nächsten Morgen abzuholen, sagte Ja zu besagtem Wein und trank mit der Belegschaft noch einen Ouzo.

Jámas!

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Published in: on 15. März 2012 at 11:59  Kommentare (8)  

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8 KommentareHinterlasse einen Kommentar

  1. Das ist ein sehr deutsches Phänomen. Da wird ja immer gerne kontrolliert und aufgepasst. Ich kann mich auch noch sehr gut an die Blicke erinnern, wenn man mit einem Maxi-Cosy-Kind in ein Restaurant geht… Hauptsache das blärrt nicht gleich los.

    Hier in Portugal gehen die Leute mit ihren Kinder erst zwischen 22 und 23 Uhr los. Völlig egal wie alt. Auch der Zirkus z. B. fängt erst um 22 Uhr an. In Deutschland würde wohl das Jugendamt eingeschaltet werden.

  2. Ach, was andere von einem/über einen denken, is doch egal.
    Hauptsache ihr hattet einen schönen Abend. :)

  3. Hach, wie schön!

  4. Da sagst du was. Ich habe mehrere Feundeskinder, die immer erst sehr spät ins Bett gehen. Es kommt dann schonmal vor, dass auf einer Party nachts um elf noch eine putzmuntere 5-Jährige rumspringt.

    Aber – und das vergessen die wohlmeinenden Damen (es sind immer Frauen!), die dann ihre Meinung zu den Bettzeiten kundtun müssen, immer – die Kinder müssen früh nicht raus. Sei es, weil Ferien sind, sei es, weil die Eltern von zuhause arbeiten und auch erst um 8 aufstehen. Solange sie ihre 10-11 Stunden Schlaf bekommen, sehe ich auch nicht ein, warum Kinder um sieben im Bett liegen sollen. Nur damit sie mich früh um sechs raushauen, weil sie ausgeschlafen haben?

    Ihr hattet einen tollen Abend und das ist die Hauptsache. Und frei nach den Ärzten: Lass die Leute reden…

    Unerzogene Kinder in Gaststätten, das ist dann allerdings nochmal ein anderes Thema…

    • Da gebe ich Dir recht! Unerzogene Kinder in Gaststätten sind die Pest. Klar, mal haben sie einen guten, mal einen schlechten Tag und ruhig sind sie auch nicht immer.

      Aber sie haben andere Gäste nicht zu belästigen und sie haben höflich und freundlich zu den Bediensteten zu sein. Meine Kinder haben das von besagtem Maxi-Cosi an gelernt und kämen gar nicht auf die Idee. Was Ihnen mehr Eis, Lollies und süssen Saft beschert als mir lieb sein kann. Aber wer fragt mich schon:-)

  5. Wenn das kein gelungener Weiberabend war, weiß ich auch nicht ;)

    PS: Was ich allerdings auch nicht weiß… warum musste ich 3 Versuche starten, um hier zu kommentieren. Und warum hieß es, dass zu meiner E-Mail ein wordpress-Account besteht. Und warum konnte ich mich damit einloggen? Ich versteh Bahnhof. Alzheimer? *grübel*

    • Das habe ich bei Dir auch oft. Des Rätsels Lösung: Du bist dann nicht bei Dir eingeloggt. Jedenfalls ist das bei mir so.

  6. Hach schööön :-) Da beneide ich dich ja fast um deine Tochter. Hab zwei Söhne und ob die das mit 9 Jahren so cool finden würden mit Mama beim Griechen zu sitzen…??? Die Uhrzeit find ich übrigens auch eher zweitrangig – Hauptsache ne schöne Zeit gehabt ;-)


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