Morgenstund hat Gold im Mund

Ich bin ja nicht so der Nachtarbeiter. War ich noch nie. Schon im Studium hat mich auch der elendigste Zeitdruck nicht dazu gebracht, länger als 22 Uhr so zu lernen, dass auch noch was hängen blieb. Gleichzeitig liebe ich aber auch meinen Schlaf am Morgen, dieses sich noch mal umdrehen und an einen, je nach Kinderseelenlage, grossen oder kleinen Körper neben sich zu kuscheln.

Das hilft aber alles nichts, wenn man tagsüber einfach nicht zu dem kommt, zu dem man kommen sollte, weil weder Mail noch Telefon so lange still stehen, dass man mal konzentriert was tun kann. Die Tatsache, dass ich mich nur zu gerne ablenken lasse mag dem Tagwerk zugegebenermassen auch nicht ganz zuträglich sein.

Also hab ich mir heute gedacht, wenn der Autor aus dem Haus geht – Frühschicht, im 4:45 Uhr – steh ich mit auf. Und weil ich eine gute Ehefrau bin, wollte ich ihn auch gleich zur Bahn bringen, damit er nicht durch den Regen laufen muss. Ich hab ungelogen 5 Minuten gebraucht, bis ich den Wagen aus der Garage gebracht habe. Wieder zuhause hab ich mich gefragt, ob ich irre bin und mich wieder hin gelegt. Leider ist um 5:15 hier großes Morgenkonzert aller Vögel angesagt. So im Halbschlaf macht mir das nichts aus, aber einschlafen kann ich dabei nicht.

Also wieder raus aus dem Bett, Kaffee (doppelt stark) gebraut und vor den Rechner.

Und – wie soll ich das jetzt sagen – ich habe in der Stunde bis die Kinder aufgewacht sind, mehr geschafft als sonst in dreien tagsüber. Und wo der Tag so angefangen hatte, so ging das nachher weiter. In anderen Worten: Ich habe heute wirklich eine Menge vom Bildschirm bekommen. Und man fühlt sich schon der restlichen Menschheit gegenüber sehr überlegen, wenn man ohne Not und Zwang um eine Zeit aufsteht, die noch nicht mal eine fünf vorne hat. Ich darf nur nicht dran denken, wie ich mich heute abend fühlen werde.

Wobei das ja nun nur ein Tag war. Um das zu validieren, werde ich das morgen noch mal probieren. Minus dem Autofahren. Ja. Ganz sicher minus dem Autofahren.

Published in: on 3. Mai 2012 at 13:22  Kommentare (4)  
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