Von Firmen und Familienfallen

Ich hasse es ja nicht nur, wenn ich recht habe. Ich hasse es auch, wenn ich mich in einem von Fremden geschriebenen Artikel eins zu eins wiederfinde. So geschehen bei einem SPON-Artikel, den ich ursprünglich nur wegen der sympathischen, über zwei Ecken bekannten Frau Eventsofa gelesen habe. Und noch mehr hasse ich diese unglaublich unqualifizierten Kommentare, die sich unter dem Artikel sammeln.

Es ist doch so: Selbst in Familien, in denen beide Partner gleich gut ausgebildet sind, deren Familienleben entscheidungstechnisch durchaus als gleichberechtigt anzusehen ist und in denen Aufgaben aufgeteilt werden, passiert folgendes: Sobald etwas Aussergewöhnliches aufkommt, ist es die Frau, die es wuppt. Wobei Aussergewöhnliches alles von der rechtzeitigen Besorgung eine Geburtstagsgeschenkes für den Kindergartenfreund bis hin zur Nachlassverwaltung sein kann, wie Frau Lostinabadbook so trefflich anmerkte. Ich kenne nicht einen Vater, mag er noch so involviert in das Leben seiner Kinder sein, der auf die mitgebrachte Geburtstags-Einladung sagt

“Oh, prima. Kannst Du da? Laß uns mal schauen, ob Du da schon was vor hast. Und was wollen wir ihm/ihr denn schenken? Ich besorg das dann mal.” Rechtzeitig.

Kindertermine und deren Änderungen, unvorhergesehene Krankheiten von Mann und Kindern, ungeplante Einkaufsorgien aufgrund von Wachstumsschüben, Rumschlagen mit nicht zahlenden Versicherungen, Regelung von Heizungsausfälle, Behördengänge jeglicher Art für die eigene und die erweiterte Familie, kleine und mittlere Familienkatastrophen…die Liste von “Dingen, die die Frau regelt” ist auch im beginnenden 21 Jahrundert lang.

Und wenn man dann noch als Frau selbstständig ist und von zuhause aus arbeitet, dann ist man eigentlich fast eine reine Hausfrau und hat per Definition Zeit, man kann das bißchen Arbeit dann abends nachholen. Und spätestens da schließt sich der Kreis. Weil der selbstständige Teil, natürlich all diese Aufgaben übernimmt, was im Idealfalle durchaus abgesprochen und gemeinsam entschieden wurde, kann er Aufträge nicht so annehmen, wie er das gerne möchte. Wenn überhaupt welche da sind, weil mal wieder die Zeit zur Akquise fehlte. Dadurch verdient die Selbstständige selbstverständlich nur einen Bruchteil von dem, was der Angestellte der Familie bekommt, womit die Familie natürlich auf sein Einkommen angewiesen ist um zu überleben. Ergo wird diesem Hauptverdiener mehr “Arbeitszeitpriorität” eingeräumt, die einem selbst dann fehlt. Logisch, aber die harte Wahrheit, die die Familie am Leben erhält.

Ein zweiter Punkt, warum Frauen oft sehr viel weniger mit ihrer Eigenständigkeit verdienen, ist die Vernetzung – Frauen sind Meister im Aufbau sozialer Netzwerke, sobald es sich darum geht, für andere einzuspringen oder auch mal selbst einspringen zu lassen. Aber die meisten von uns scheuen sich tatsächlich noch, Kontakte auch beruflich, sprich monetär, zu nutzen. Da muß man ja auf sich aufmerksam machen und was, wenn man nicht gut genug ist und ob man das überhaupt kann? Viele überlegen noch, ob sie es denn jetzt wirklich wagen sollen, nach der Chance zu greifen, während Männer selbiges längst getan haben und hoffen, dass es schon irgendwie gut gehen wird. Es fehlt uns nicht nur das Selbstvertrauen in unsere Fähigkeiten, wir trauen uns oft nicht, einen privaten Kontakt auf die berufliche Ebene zu heben. Könnte ja schief gehen und dann ist die Freundschaft/Bekanntschaft hinne.

Und ein weiterer Punkt unterscheidet uns von männlichen Erfolgsgeschichten. Männer haben die Fähigkeit, sich total auf die Arbeit zu fokussieren und es ist ihnen egal, wenn um sie herum das Chaos tobt, solange ihr Schreibtisch davon verschont bleibt. Gerade selbstständige Frauen haben aber oft noch im Kopf, wieviel Zeit bleibt, bis das Kind geholt werden muss und wenn man das schon nicht selbst macht, ob es denn auch wirklich klappt. Und während Männer bei einem Anruf aus dem Kindergarten, wer denn jetzt das Kind holen kommt, gerne mal sagen “Ich kann jetzt nicht, ich habe einen wichtigen Abgabetermin” sind die meisten, gerade selbstständigen Frauen, zu einer solchen Aussage rein körperlich gar nicht in der Lage. Sie lassen alles fallen und rennen zum Kinde.

Nun ist die Frage: Wie läßt sich das ändern? Die einfache Antwort wäre: Den Karren gegen die Wand fahren zu lassen. Dann wird besagtes Geschenk eben nicht geholt. Einspruchs-Fristen werden verpaßt. Kinder laufen in zu kleinen Schuhen rum. Das passiert dann ein paar Mal wird auch der ignoranteste Vater merken, dass es so nicht geht.

Nur hat Mutter bis dahin dann das weinenede Kind am Hals, weil die Brut die Tendenz hat, bei Herzeleid immer zu Mama zu gehen. Durch verpaßte Fristen geht Geld verloren, das dann auf dem gemeinsamen Konto fehlt. Und die Zeit, die man mit einem Kind beim Orthopäden wegen verkrüppelter Füße verbringt, übersteigt ein Vielfaches der nichtgemachten, rechtzeitigen Shoppingtour durch die Schuhläden.

Das kann also die Lösung auch nicht sein. Meiner Meinung nach, liegt der Schlüssel – wieder mal – in beider Hände: Dem männlichen Part wird klar gemacht, dass nicht nur geplante Aufgaben geteilt werden, sondern unplanmäßige Ereignissen eigenständig gesehen und besetigt werden müssen und zwar unabhängig von der Art des Arbeitsverhältnisses. Was die Kinder ab einem gewissen Alter durchaus inkludiert, mit dem Nebeneffekt, dass sie gleich fürs Leben lernen, wie es richtig geht.
Dem Rest des Umfeldes muss verständlich gemacht werden, dass eine Selbstständige ihre Arbeit zwar oft selbst einteilen kann, aber das das nicht bedeutet, dass die Arbeits-Stundenanzahl zwingend abnimmt.
Und die Firmeninhaberin selbst muss lernen, dass andere familiäre Dinge genauso gut hinbekommen wie sie und sie einfach mal weiter arbeiten kann. Und das sie nicht nur gut ist in dem, was tut, sondern das gefälligst auch zeigen und kundtun muß.

Dann klappts auch mit dem Auftrag.

Published in: on 9. Mai 2012 at 13:54  Kommentare (13)  
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