Bekanntlich liebe ich ja Podcasts. Und gerade in letzter Zeit höre ich viel “Mensch, Otto” respektive “Mensch, Theile” die ca. eine halbe Stunde lang extrem unaufgeregt berühmte und nicht berühmte Menschen interviewen, die eine Geschichte haben.
Letztens war Harry Wijnvoord dran, die mittelalten Leser erinnern sich, das war der Moderator von “Der Preis ist heiß”, dem man, wenn man ihn nur von dort kennt, vielleicht nicht wirklich die Weisheit dieser Welt zutrauen mag.
Aber, wie so oft im Leben, man soll nicht vorschnell urteilen. Denn neben sehr vielen anderen, sehr interessanten Sachen, die Herr Wijnvoord gesagt hat, wurde er auch auf sein Lebensmotto angesprochen, das da lautet “Ich habe beschlossen, glücklich zu sein”. Yupp. Ein sehr guter Plan und wenn man drüber nachdenkt, dann kann er auch sehr gut aufgehen.
Denn er beinhaltet, was ich so nie auf den Punkt bringen konnte, aber sehr lange schon gedacht habe. Umfassendes Lebensglück ist nichts, was einem mal eben so zufliegt – man muß verflucht noch mal dafür arbeiten. Hört sich jetzt sehr unsexy an, aber die Tatsache, dass ich heute von mir sagen kann “Ich bin glücklich” beinhaltete viel Zeit, viel Arbeit und viel Verzicht. Und es hat sich gelohnt.
Moment, hallo? Verzicht und Glück als Zusammenspiel? JA, sehe ich so. Jeder Mensch hat Träume, je jünger man ist, desto hochfliegender sind sie. Und das ist gut so. Aber irgendwann sollte man vielleicht seine Lebensträume an die Realität anpassen. Was nicht bedeutet, dass man sich mit wahren Mißständen abfinden sollte – das ist dann das, wo die Arbeit in Spiel kommt. Sein Leben sollte man schon im Griff haben. Aber wenn man den Lebenstraum hat, eine wahnisnnig erfolgreiche Karrierefrau zu werden, dann sollte man sich vielleicht abschminken auch noch eine total toll funktionierende, mustergültige Familie in der alles wie geplant wuppt, haben zu wollen. Denn das klappt nicht. Auch, wenn uns gerne was anderes erzählt wird.
Anderes Beispiel: Wenn ich mir ein Haus kaufe, weil das eins meiner Träume war, dann kann es mir passieren, dass ich den anderen Lebenstraum vom vielen, vielen Reisen und das auch noch in gute bis sehr gute Hotels zumindest auf die fernere Zukunft verschieben muß. Tue ich das nicht, dann werde ich mit dem Haus, meinem Kontostand und meinem Leben nicht glücklich.
Was ich damit sagen will: Glück ist nichts Statisches, Glück ist verhandelbar. Und Glück ist immer etwas sehr Individuelles. Dafür macht es frei und es befriedigt. Und es hilft, mit den kleinen und großen Unwegsamkeiten des Lebens klar zu kommen. Es gab Zeiten in den letzten zwei Jahre, da war ich alles andere als glücklich. Das ist normal, das nennt sich Leben. Aber es hilft ganz ungemeint, wenn man weiß, dass auch wieder andere Zeiten kommen werden. Und es hilft noch mehr, wenn man nicht untätig da sitzt und darauf wartet, dass diese anderen Zeiten sich gnädig auf einen zubewegen. Es fühlt sich besser an und geht schneller, wenn man da raus geht und sich seine Glücksmomente schafft.
Sei es nun, dass man sich zwingt irgendwas mit den Kindern zu machen, was sie unbedingt wollen und woran sie Spaß haben, obwohl eigentlich gar keine Energie da ist. Sei es, dass man sich eine Kleinigkeit gönnt, die man sich zeitlich gar nicht leisten kann. Oder sei es nur, sich bewußt zu machen, wie gut es einem trotz der ganzen Schicksalsschläge immer noch geht. Glück hat auch immer was mit Demut und Dankbarkeit zu tun. Was ebenfalls nicht gerade sexy ist, zugegeben. Auf der anderen Seite habe ich aber noch nie einen glücklichen Menschen gesehen, der im Grunde seines Herzens einfach nur gierig ist und immer mehr will.
Ich glaube wirklich fest daran, dass Glück auch daraus, besteht zufrieden zu sein mit dem was man hat und gleichzeitig einen offenen Blick für Möglichkeiten hat, die sich einem bieten. Vielleicht wird man so nicht der erfolgreichste Mensch dieser Welt, das gebe ich gerne zu. Aber wenn persönlich zwischen Erfolg und Glück entscheiden darf, nehme ich Letzters.
Und deswegen werde ich nach oben gehen und glücklich sein, dass ich aufräumen darf. Oder mir zumindest vorstellen, dass andere noch ein viel größeres Chaos beseitigen müssen. Oder so.