Der feine Unterschied zwischen Alter und Wahnsinn

Ich weiß nicht, ob ich es erwähnte, aber ich gehe Ende des Monats zum Meat Loaf-Konzert. Und zu diesem Behufe höre ich mich noch mal durch seine Lieder. Auch durch die Rocky Horror Picture Show. Und da kommt man natürlich nicht am Time Warp vorbei, wenn man schon mal dabei ist. Und wenn man ein bestimmtes Alter erreicht hat, dann bleibt man dabei nicht sitzen. Nie.

Man stelle sich einen also 6jährigen vor, der sehr irritiert zwischen Computerbildschirm und Anfangsvierziger-Mutter in weißer Bluse und schwarzem Pencilskirt, die den Time Warp gibt, hin und her guckt. Besagte Mutter dann an die Hand nimmt und milde sagt:

“Du Mama, komm. Wir gehen einfach ins Bett. Ich glaube, Du bist müde.”

Nein, bin ich nicht. Nur gerade 20 Jahre jünger. Aber das versteht das junge Gemüse von heute nicht.

Published in: on 12. April 2013 at 20:23  Kommentare (4)  

Einfach glücklich

Bekanntlich liebe ich ja Podcasts. Und gerade in letzter Zeit höre ich viel “Mensch, Otto” respektive “Mensch, Theile” die ca. eine halbe Stunde lang extrem unaufgeregt berühmte und nicht berühmte Menschen interviewen, die eine Geschichte haben.

Letztens war Harry Wijnvoord dran, die mittelalten Leser erinnern sich, das war der Moderator von “Der Preis ist heiß”, dem man, wenn man ihn nur von dort kennt, vielleicht nicht wirklich die Weisheit dieser Welt zutrauen mag.

Aber, wie so oft im Leben, man soll nicht vorschnell urteilen. Denn neben sehr vielen anderen, sehr interessanten Sachen, die Herr Wijnvoord gesagt hat, wurde er auch auf sein Lebensmotto angesprochen, das da lautet “Ich habe beschlossen, glücklich zu sein”. Yupp. Ein sehr guter Plan und wenn man drüber nachdenkt, dann kann er auch sehr gut aufgehen.

Denn er beinhaltet, was ich so nie auf den Punkt bringen konnte, aber sehr lange schon gedacht habe. Umfassendes Lebensglück ist nichts, was einem mal eben so zufliegt – man muß verflucht noch mal dafür arbeiten. Hört sich jetzt sehr unsexy an,  aber die Tatsache, dass ich heute von mir sagen kann “Ich bin glücklich” beinhaltete viel Zeit, viel Arbeit und viel Verzicht. Und es hat sich gelohnt.

Moment, hallo? Verzicht und Glück als Zusammenspiel? JA, sehe ich so. Jeder Mensch hat Träume, je jünger man ist, desto hochfliegender sind sie. Und das ist gut so. Aber irgendwann sollte man vielleicht seine Lebensträume an die Realität anpassen. Was nicht bedeutet, dass man sich mit wahren Mißständen abfinden sollte – das ist dann das, wo die Arbeit in Spiel kommt. Sein Leben sollte man schon  im Griff haben. Aber wenn man den Lebenstraum hat, eine wahnisnnig erfolgreiche Karrierefrau zu werden, dann sollte man sich vielleicht abschminken auch noch eine total toll funktionierende, mustergültige Familie in der alles wie geplant wuppt, haben zu wollen. Denn das klappt nicht. Auch, wenn uns gerne was anderes erzählt wird.

Anderes Beispiel: Wenn ich mir ein Haus kaufe, weil das eins meiner Träume war, dann kann es mir passieren, dass ich den anderen Lebenstraum vom vielen, vielen Reisen und das auch noch in gute bis sehr gute Hotels zumindest auf die fernere Zukunft verschieben muß. Tue ich das nicht, dann werde ich mit dem Haus, meinem Kontostand und meinem Leben nicht glücklich.

Was ich damit sagen will: Glück ist nichts Statisches, Glück ist verhandelbar. Und Glück ist immer etwas sehr Individuelles. Dafür macht es frei und es befriedigt. Und es hilft, mit den kleinen und großen Unwegsamkeiten des Lebens klar zu kommen. Es gab Zeiten in den letzten zwei Jahre, da war ich alles andere als glücklich. Das ist normal, das nennt sich Leben. Aber es hilft ganz ungemeint, wenn man weiß, dass auch wieder andere Zeiten kommen werden. Und es hilft noch mehr, wenn man nicht untätig da sitzt und darauf wartet, dass diese anderen Zeiten sich gnädig auf einen zubewegen. Es fühlt sich besser an und geht schneller, wenn man da raus geht und sich seine Glücksmomente schafft.

Sei es nun, dass man sich zwingt irgendwas mit den Kindern zu machen, was sie unbedingt wollen und woran sie Spaß haben, obwohl eigentlich gar keine Energie da ist. Sei es, dass man sich eine Kleinigkeit gönnt, die man sich zeitlich gar nicht leisten kann. Oder sei es nur, sich bewußt zu machen, wie gut es einem trotz der ganzen Schicksalsschläge immer noch geht. Glück hat auch immer was mit Demut und Dankbarkeit zu tun. Was ebenfalls nicht gerade sexy ist, zugegeben. Auf der anderen Seite habe ich aber noch nie einen glücklichen Menschen gesehen, der im Grunde seines Herzens einfach nur gierig ist und immer mehr will.

Ich glaube wirklich fest daran, dass Glück auch daraus, besteht zufrieden zu sein mit dem was man hat und gleichzeitig einen offenen Blick für Möglichkeiten hat, die sich einem bieten. Vielleicht wird man so nicht der erfolgreichste Mensch dieser Welt, das gebe ich gerne zu. Aber wenn persönlich zwischen Erfolg und Glück entscheiden darf, nehme ich Letzters.

Und deswegen werde ich nach oben gehen und glücklich sein, dass ich aufräumen darf. Oder mir zumindest vorstellen, dass andere noch ein viel größeres Chaos beseitigen müssen. Oder so.

 

 

Published in: on 11. April 2013 at 10:39  Hinterlasse einen Kommentar  

Zitat des Tages

Wir waren gestern im Botanischen Garten. Auf dem Weg von der S-Bahn dahin kamen wir an einem Haus vorbei, auf dem  eine Gedenktafel für einen der Initiatoren des Attentats auf Hitler angebracht war.

Frau Serienjunkie und ich unterhielten uns gerade darüber, als wir merkten, wie Kind Nummer Zwei große Ohren bekommen hatte.

“Mama? Mama, wurde der etwa gemördert? Warum wurde der gemördert?”

Geschichtsstunde zweiter Weltkrieg für einen 6jährigen – Herr Knopp, bitte übernehmen Sie.

 

 

 

Published in: on 8. April 2013 at 16:14  Kommentare (1)  

Veganes Fast-Food

Jetzt ist es offiziell, ernährungstechnisch habe ich bei den Kindern total versagt. Die Tage gab es Nudeln mit Pak-Choi, Sojasprossen und Seiden-Tofu, dem einzigen Tofu, der seinen Weg in meinen Kochtopf schafft. Das aber dafür gerne.

Kind Nummer Zwei versucht verzweifelt den Seiden-Tofu zwischen die Stäbchen zu bekommen, schafft es, verzieht das Gesicht und fragt mit dieser Stimme, die Kinder bekommen, wenn sie meinen, man wolle sie vergiften

“Mama, was ist das denn?” Der Autor verbrigt schon mal sein Lachen. You are not helpiiiiiing.

“Das ist Tofu. Stell Dich nicht so an, Veganer und Vegetarier essen das dauernd und leben auch noch.” Sohn hört auf zu kauen und schaut mich an.

“Mama? Mama, wann essen wir eigentlich mal wieder endlich Essen aus Dosen?”

Die fleischlose Fraktion möge mir verzeihen, aber wenn einem die 5-Minuten Terrine, die es während des Großen Streichens vor zwei Jahren hier gab spontan beim Essen von Tofu einfällt, dann kann man wohl getrost sagen, dass das Kind das Zeug nicht mag. Und der Rest der Familie übrigens auch nur sehr eingeschränkt.

Aber man kann nicht sagen, ich hätte es nicht versucht

Published in: on 4. April 2013 at 07:49  Kommentare (9)  

Rückblick März 2013

Gelesen: “Modern Witch” von Debora Geary
Gesungen: Viele Geburtagslieder
Gehört: Viele “Mensch Otto”-Podcasts
Gesehen:  Mal wieder “Wild, Wild West”
Getrunken: Wein, New Orleans Rum Fizz und selbstgemachten Yogi-Tee
Geknipst: Viele kleine Kinder beim Schwimmen
Gegessen: Blaubeeren. Viele Blaubeeren. Und Himbeeren.
Gekocht: Richtig gute Rouladen.
Gefreut: Über die Kinder, wie sie im Schnee nach Eiern suchten.
Gelacht: Über Michael Mittermeierst Baby-Tour
Geärgert: Das das Auto wahrscheinlich doch wieder in die Werkstatt muss.
Gekauft: Leider keine Sommergarderobe.
Gespielt: “MonsterFalle”
Gefeiert: Geburtstage von Autor und Kind Nummer Eins
Gefühlt: Eine gewisse Sättigung, was Schnee angeht
Mehr Rückblicke gibt es wie immer beim Schäfchen!
Published in: on 1. April 2013 at 15:56  Kommentare (2)  

Zitat des Tages

Kind Nummer Zwei hat passend zu Karfreitag leicht morbide Züge angenommen. Wir besprachen gestern, dass wir zum Friedhof wollten, da fragt das Kind, beim Abendessen, wann sonst,

“Mama, ist Uroma noch Futter für die Würmer oder schon zu Kohle geworden?”

Ich habe keine Ahnung, wo er das mit der Kohle her hat, aber Würmer scheinen für kleine Jungs in dem Alter mehr als faszinierend zu sein

Noch jemand Spaghetti?

Published in: on 28. März 2013 at 14:33  Kommentare (1)  

So geht Frühling

Fruehling

Nur, damit man das nicht vergißt.

Published in: on 24. März 2013 at 10:01  Kommentare (1)  

Der Nudelsalat

Und wieder ein Novum. Ich habe hier noch nie Rezepte gepostet – man muss ja nicht jedes Klischee erfüllen. Aber nachdem ich so oft und so nett gebeten wurde. Also:

250gr Nudeln (was gerade da ist),
250gr Kirschtomaten, halbiert
50-70 gr Pinienkerne, zerstoßene Cashews gehen auch
2 Handvoll Ruccolasalat (wenn nicht zur Hand, funktioniert auch Pflücksalat)

Die Nudeln in Salzwasser kochen und abkühlen lassen, die Kerne kurz anrösten und alles, bis auf den Ruccolasalat, in eine Schüssel geben.

Die Marinade besteht aus:

2-3 Eßl Öl (gerne gemischt, Sonnenblumenöl mit Sesamöl zum Beispiel)
1-2 Eßl Essig (einen nicht zu intensiven)
1 Tel Senf, mittelscharf
Salz
1-2 Eßl Honig

Alles in ein altes Marmeladenglas geben, schütteln und über den Salat geben.

Den Ruccola erst kurz vor dem Servieren unter den Salat mischen. Fertig

Man kann den Salat auch sehr gut mit griechischen Reisnudeln machen. Oder mit Nudeln, die gerade übrig geblieben sind.

So, das war mein Ausflug in das Reich der Martha Steward. Danke, bitte weiter gehen, hier gibt es nichts zu sehen, bitte gehen sie weiter.

 

Published in: on 20. März 2013 at 07:57  Kommentare (5)  
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Pyjamaparties und Schokosplit

Es gibt eine Zeit im Leben eines Kindes, da sind Geburtstagsfeiern für die Eltern einfach schön. Das ist so die Zeit um die 9-11 Jahre.

Die Brut rennt nicht mehr mit ihren Freunden schreiend permanent durchs Haus, sie wollen nicht dauernd von Muttern beschäftigt werden, heulen nicht, wenn sie ein Spiel verloren haben und sind einfach nur froh, wenn man ihnen zu Essen, zu Trinken, viel Süsses gibt und sie ansonsten in Ruhe läßt. Sie wollen Limbo tanzen, Gläser bemalen, Filme gucken, Pyjama-Partys machen und fühlen sich ganz unglaublich gut, wenn sie bis halb zwölf alleine unten kichern können, weil Mutter sie ja oben im Bett nicht hört.

Sie sind definitiv noch nicht so weit, dass Jungs dabei sein müssen, der Alk in Massen fließt, man eine Sondertonne für organischen Müll für die Entsorgung der Partyreste braucht, die Nachbarn ob der Lärmbelästigung die Polizei rufen und man auch sonst Angst um Haus und Hof haben muss.

Ich hätte niemals gedacht, dass eine Kindergeburtstagsparty entspannend sein kann. Doch, ja, ich habe gerade entschieden, was Geburtstagsparties angeht bleibt meine Tochter solange 10, bis sie ihre eigene Bude hat und ihr Feten feiern kann. Ich hätte niemals gedacht, dass eine Kindergeburtstagsparty entspannend sein kann.

Published in: on 17. März 2013 at 16:40  Kommentare (2)  

Komplimente im Laufe eines Lebens

Ich weiß ja, man verändert sich im Leben. So soll, nein, so muß es sein, sonst ist man echt eine ganz arme Wurst. “Du hast Dich so gar nicht verändert!” ist für mich eher eine Beleidigung, denn ein Kompliment.

Aber vorhin ist mir aufgefallen, dass man vielleicht doch graduelle Unterschiede machen könnte.

Ich meine, dass ich zum Paradebeispiel der Spießervorstadtmami mutiert bin, ist nicht nur mir schon länger klar. Aber wenn man plötzlich Komplimente bekommt, die man in seiner früheren Zeit als Satire aufgefaßt hat – dann ist das schon hart.

Sonntag kam nämlich Kind Nummer Eins vom Spiel und sagte:

“Mama, Du sollst das nächste Mal auf jeden Fall das Rezept für den Nudelsalat mitgeben. Frau IchmachdasBuffet war ja so begeistert davon.”

Das letzte Mal, das ich so einen Satz bewußt gehört habe, war im Film Elvira, für einen Eintopf, der später eine Massenorgie ausgelöst hat. Und ich hatte mir damals geschworen, wenn ich mal soweit sein sollte, dass ich mit anderen MuttisMamisMamams Kochrezepte in einem solchen Rahmen austausche, dann erschieß ich mich.

Seufz, heute ich seh es einfach als weiteren Schritt ins Biedermeiertum.

Und nur für das Protokoll: Der Nudelsalat ist wirklich der Hammer!

 

 

 

Published in: on 13. März 2013 at 07:24  Kommentare (12)  
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