Reisegedanken

Ich bin ja ein Fan des Spruches “Reisen bildet” – und er bewahrheitet sich immer wieder. Bei unserem Trip nach Santa Cruz, Kalifornien, habe ich wieder einiges gelernt.

1. Niemals, wirklich niemals die Rechnung eines Autovermieters einfach einstecken, weil man davon ausgeht, dass nur weil man bei einer bisher vertrauenswürdigen Firma gebucht hat und alle Anfragen nach Zusätzen verneint hat, der doch recht hohe Betrag zum Großteil aus Kaution besteht. Vor allem dann, wenn man nach dem Abholen des Autos relativ weit weg vom Anmietort sein wird. Man kann so eine Dummheit zwar mit Erschöpfung einer sehr langen Reise erklären, allerdings hilft das nicht wirklich, die Kohle ist weg. Hmpf. Und wieder was gelernt.

2. Es ist alles eine Frage der Gewöhnung. Zum Beispiel, dass man in der Gegend nicht nur keine Plastiktüten beim Einkaufen von Lebensmitteln bekommt (“Did you think of your reusable bag?”) sondern auch in keinem anderen Laden. Sämtliche Shops, vom kleine T-Shirt-Laden über Bekleidungsgeschäfte bis hin zu Einkaufszentren – nirgendwo gab es ungefragt Tüten. Man mußte schon explizit nachfragen und die Dinger für teuer Geld kaufen, wofür man im Zweifel seltsame Blicke kassiert, also läßt man es bleiben. Und ja, es ist gewöhnungsbedürftig, mit seinen eben erstandenen Unterhosen über den Parkplatz zum Auto zu laufen, weil man nur ein kleines Handtäschchen hat. Ein Fehler, den man allerdings nur einmal macht. Wenn sie jetzt noch, die Plastiktüten in der Gemüseabteilung reduzieren würden – ich wäre begeistert!

3. Der Pazifik hat eine nicht zu verachtende Kälte und vor allem Unterströmung. Geil aus einem Kanu zu springen und weit, weit weg vom Strand im Nirgendwo zu schwimmen ist es aber allemal.

4. Flugzeugessen ist grausam. Und es wird nicht besser.

5. Zöllner sind überall gleich – egal wie die Bestimmungen der einzelnen Länder sind.

6. So wunderbar es in anderen Orten dieser Welt auch ist – ich liebe mein Zuhause. Himmel, bin ich spießig geworden.

Published in: on 3. August 2014 at 08:12  Comments (4)  

Ferienzeit. Hurra.

Wer hat sich gleich sechs Wochen Ferien ausgedacht? Das kann doch nicht gut sein für die Entwicklung der Kinder. Friert da das Hirn nicht ein?

Oder in anderen Worten: Wie soll ich die restliche Zeit überstehen?

Published in: on 29. Juli 2014 at 05:29  Comments (1)  

Wenn Kinder vernünftig werden

Das sind offensichtlich nicht meine Kinder. Meine Kinder sind irgendwo da draussen und warten darauf abgeholt zu werden.

Vor einiger Zeit, es mögen nunmehr zweieinhalb Wochen sein, haben sie mit mir einen Deal gemacht, wenn sie sich über eine Woche nicht streiten, dann würden sie ein bestimmtes Spiel bekommen. Die Zeiten waren stressig und ich habe habe nicht damit gerechnet, dass sie auch nur zwei Tage durchhalten.

Verrechnet, sie haben das Spiel bekommen. So.

Aber seit der Ankündigung, sie wollen sich nicht mehr streiten, ist weit mehr als die vereinbarte Zeit vergangen. Mir wurde das schon sehr unheimlich. Gestern endlich gab es dann wieder mal eine Diskussion, die dann wie folgt endete:

“Eh, warte mal, wollen wir uns jetzt eigentlich echt streiten?” Huh???

“Ehm, ne, hab ich eigentlich keine Lust drauf.” WTF?

“Ok, pass auf, erst Du 10 Minuten, dann ich, ok? Ich stell den Wecker.”

“Ok. Stückchen Schokolade?”

Manchmal bin ich als Mutter einfach überfordert.

Published in: on 22. Juli 2014 at 14:55  Comments (1)  

Lupenreines Einkaufen

Bei uns im Dorf hat eine neue Filiale einer bekannten Supermarktkette aufgemacht. Die Tage war ich dort mal schnuppern und fand, dass die sich gut aufs Dorf eingestellt haben. Viele Bioprodukte, viel regionales Gemüse und für die ältere Generation Einkaufswagen mit eingebauter Lupe. Gerade das fand ich wirklich sehr nett von Ihnen. Ich bin immer sehr dafür, den älteren Menschen Dinge zu erleichtern, wenn es mal nicht mehr so geht.

Bis ich dort einen neuen Yoghurt fand, der sehr gut aussah. Was nicht gut aussah waren die Inhaltsstoffe. Also nicht die als solches, sondern dass sie neuerdings sehr, sehr klein geschrieben sind. Ich bin sicher, dass das mal anders war. Und während ich die optische Feinjustierung per Armlänge durchführe, tippt mir ein Angestellter auf die Schulter und meint sehr freundlich, ich könne auch sehr gerne die Lupe im Einkaufswagen benutzen, damit würde es viel schneller gehen. Und gleich hinterher

“Sie sind nicht die erste Enddreißigerin, die sie nutzt!”

Da steht man dann gleich vor der schwierigen Entscheidung, ob man beleidigt sein soll, weil einem eine solche Ungeheuerlichkeit überhaupt vorgeschlagen wird oder geschmeichelt, weil man noch locker für Ende Dreißig durchgeht.

Übrigens hab ich den Joghurt der Blamage nicht gekauft. Waren zuviele Aromastoffe drin. Glaube ich jedenfalls.

Published in: on 18. Juli 2014 at 14:10  Hinterlasse einen Kommentar  

Weltmeister!!!

Nicht mehr. Aber auch nicht weniger!

Published in: on 14. Juli 2014 at 13:01  Hinterlasse einen Kommentar  

Mit Fußball fürs Leben lernen

Ich gebe zu, meine Begeisterung Fußball zu gucken spielt sich auf genau zwei Ebenen ab. Einmal während des Jahres in der F-Jugend (genauer F2) unserer Kreisliga. Und dann noch mal alle vier Jahre bei einer WM – sehr klassisch also. Da die Saison für unsere Jungs eher eine, nennen wir es mal Lernerfahrung für das Leben war, hatte ich nicht so viel Grund, darüber zu schreiben.

Auch die WM hat mich bisher nicht ganz so mitgerissen, wie es einige ihrer Vorgänger getan haben. Aber gestern (für unsere Nachkommen, die ihr dereinst dieses Blog aus den Überresten des Internets ziehen werdet: ich hab sie gesehen, die Begegnung, von denen ihr noch in den Geschichtsbüchern (oder was immer es dann geben mag) des Fußballs lesen werden, das 7:1 gegen Brasilien) – das war schon etwas ziemliches Geiles. Und lehrreich für die Brut war es ausserdem.

Man lernt beispielsweise:

- Wenn man seine Eltern sehr lieb bittet und die Woche über das Abziehbild des guten Benehmens war, dann haben selbige überhaupt gar keine anderen Wahl, einen bis in die Puppen aufbleiben zu lassen. Und nicht nur das Obst sondern auch die Chips und den Süsskram rauszurücken.

- Je mehr man vorher angibt, desto tiefer der Fall, wenn es dann nicht klappt (nicht wahr, Dante?)

- Auch große Spieler verlieren mal fast zweistellig – genau so wie zum Beispiel eine F2-Jugend *räusper*

- Selbst wenn man weit hinten liegt, man geht auch nach der Pause auf den Platz, gibt sein Bestes und rennt! Auch, wenn es schwer fällt.

- Man hackt nicht alles um was zwei Beine hat und auf dem Platz steht, nur weil man gerade hinten liegt.

- Wahre Männer weinen.

- Echte Champions reiben kein Salz in die Wunde, indem sie andere zusätzlich zu einem Erdrutschsieg noch durch übertriebene Siegesfreude demütigen (vor allem, wenn sie es selbst kaum fassen können). Echte Champions trösten.

- Große Verlierer gratulieren den Siegern, auch wenn sie noch so am Boden zerstört sind.

So sehr ich mich für unsere Mannschaft gefreut habe, so leid mir am Ende die Brasilianer taten und abgesehen von dem wahnsinnigen Ergebnis, finde ich es sehr bemerkenswert, dass sich beide Mannschaften ausnahmslos fair und wie echte Sportler verhalten haben. Ich hoffe sehr, dass auch das in die Analen des Fußball eingehen wird.

Und jetzt: Fiiiiiiiiiinaaaaaaaallllee, oooooohooooooo! Rio, wir kommen! SCHLAND!

Published in: on 9. Juli 2014 at 09:10  Comments (1)  

Wenn die Flüsse aufwärts fließen

Morgens 7:06, irgendwo im Speckgürtel Berlins. Das Handy geht.

“Mama, Mama, als der Bus gekommen ist, ist meine Busfahrkarte mit meinem Portemonaie zufällig auf das Busdach gefallen!” WTF?

Mutter: “…?”

“Ja, Mama, ich hab Kind Nummer Zwei mit dem Bus in die Schule geschickt, aber jetzt ist meine Karte immer noch auf dem Busdach!” WTF, Teil II.

“Auf dem Busdach. Das heißt, der Bus fährt jetzt damit spazieren?”

“Neeeeeiiiiiinnnnn, auf dem Busdach, da wo man drunter steht und wartet!”

“Aha. Ich komme.”

Fünf Minuten, einen gezerrten Rückenmuskel und viel Belustigung der Dorfbevölkerung mehr, war das Portemonaie wieder im Besitz von Kind Nummer Eins und Mutter war so gütig, sie wieder zur Schule zu bringen. Das Kind hat in der Zeit versucht, mir zu erklären, wie so eine Geldbörse zufällig auf ein 2,50m hohes, gewölbtes Dach fallen kann. Zu meiner Zeit sind Dinge immer runtergefallen, niemals hoch. Aber wer weiß, was die Jugend von heute alles kann, wozu wir noch zu doof waren.

Published in: on 8. Juli 2014 at 06:43  Comments (4)  

Rückblick Juni 2014

Ich bin spät, ich weiß…darf ich trotzdem noch? Danke.

Gelesen: Die gesamte “Born”-Triologie von, na?, genau, Nora Roberts

Gesungen: “Finale….ooohoooo” als “meine” Mädchen es ins Finale geschafft haben.

Gehört: Viele, viele, viele Volleyballteam- und anfeuerungsrufe. Man macht sich ja keinen Kopf, wie einfallsreich kleine Mädchen da sein können…

Gesehen:: Fußball, sehr viel Fußball. Und ein klitzeklein wenig Castle

Getrunken: Relativ viel Mädchen-Bier – passt für mich zum Sport. Ach ja, und trockenen Sekt mit frischen Erdbeeren – sehr gut.

Gegessen: Sehr viel mediterane Happen, so, als wollte man den Sommer herzwingen.

Gekocht: Nicht so gesund wie sonst, der Juni war einfach komplett überfüllt mit Terminen. Aber ich arbeite dran.

Gebacken:
Brote, Brownies, Cookies – das übliche.

Gefreut: Über so vieles. Den zweiten Platz von Kind Nummer Eins. Die durchweg positiven Dinge die Lehrer und Erzieher über Kind Nummer Zwei zu berichten haben. Und eigentlich über das Leben an sich, auch wenn es sehr voll war diesen Monat.

Gelacht: Über die Rafinesse der Kinder doch noch dieses eine Spiel gucken zu dürfen.

Geärgert: Hierüber. Immer noch.

Gerannt: Immer länger, es wird, es wird…

Gekauft: Eine Sonneninsel für den Garten – endlich!

Gespielt: Viel Volleyball.

Gefeiert: Siege, Geburtstage, Tuniere

Gefühlt: Ziemlich unter Strom, aber insgesamt richtig gut

Geknipst:
(fast) jeden Tag für die Aktion “100happydays” – und es macht immer noch Spaß.

Mehr über den Juni von anderen Leuten wie immer beim Schäfchen.

Published in: on 3. Juli 2014 at 07:19  Hinterlasse einen Kommentar  

Zitat des Tages

Achtelfinale Niederlande – Mexiko. Kind Nummer Eins fragt

“Warum sind wir eigentlich gegen die Holländer?” Aus ihrem Blick spricht reines Unverständnis.

Langer Blick zwischen dem Autor und mir. Das ist eines der Dinge, die ein Kind nicht lernt, wenn es zu weit im Osten der Republik zur Welt kommt. Seufz.

Published in: on 29. Juni 2014 at 18:44  Comments (3)  

Nach jedem Regen folgt Sonnenschein. Immer.

Wenn man so am Samstagmorgen um kurz nach sechs auf der Autobahn durch die Lande fährt, das Auto voll mit 11jährigen, die sich aufgeregt auf ein Tunier freuen, dann kommt man ja nicht umhin an die Zeit zu denken, in der man um diese Zeit gerade Richtung Heimat fuhr. Als Bloggerin verbringt man dann die halbe Fahrt damit, sich zu überlegen, was für einen schönen Eintrag man daraus machen kann und fängt im Kopf schon mal das Formulieren an.

Wie immer kommt es meist anders. In meinem Fall waren das sogenannte Fans einer gegenerischen Mannschaft. Ich bin ja selbst schon ein sehr emotionaler Mensch, wenn es um den Sport meiner Kinder geht (Stichwort:”Mamaaaa, Du bist peinlich, wenn Du weiter so machst — ich nehm Dich nicht mehr mit!”). Die eigenen Kinder anfeuern ist ein Muß. Und ja, ich gebe zu, auch ich habe schon mal in der Hitze des Gefechts geklatscht, wenn eine Aufgabe der Gegner ins Netz geht, auch wenn das nicht nett ist. Die Spielerinnen untereinander haben noch ganz andere Sprüche drauf – geschenkt.

Aber dass erwachsene Menschen sich an Rand stellen, sich gezielt auf eine Spielerin einschießen mit lauten Sprüchen im Sinne von “Eh, die ist doch fertig, die kann doch gar nichts!” und wenn diese Spielerin mich dann anfleht, sie vom Feld zu nehmen, weil sie nur noch zittert wie Espenlaub, dann ist das kein Spaß mehr. Richtig widerwärtig wird es, wenn dann die nächste Spielerin konstant ins Visier genommen wird mit Ausrufen wie “Die Lange da, die kriegt so gar keinen Aufschlag übers Netz, was macht die überhaupt auf dem Platz?” und somit ein normalerweise emotional sehr stabiles Kind den Satz zum Erbarmen weinend zu Ende bringt. Und die Sprüche hörten und hörten nicht auf bis das Spiel zu Ende war.

Leider war ich als Spielbetreuerin da und nicht als Mutter. Als Mutter “der Langen” war mein erster Gedanke “Ich hol den Kerl über die Absperrung und der rennt in meine Faust!”. Als Spielbetreuerin kann ich das nicht machen. Als Spielbetreuerin habe ich meine Mannschaft aufzubauen und ein gutes Vorbild zu sein. Ich kann mich nicht auf das Niveau runterlassen und tun, was mein Instinkt mir sagt. Damit ist keinem geholfen. Leider. Also habe ich nachher getröstet, drei Kinder in den Arm genommen, positive Stimmung verbreitet, mir mein Shirt durchnässen lassen und Eis gekauft. Und mich gefragt: Wie kann man so zu Kindern in einem Spiel sein, in dem es nur um ein Tunier und nichts anderes geht? Zu Kinder, die noch nicht mal 12 sind. Vor allem, wenn man ganz offensichtlich selbst Töchter hat, die auch spielen.

Faiererweise muss man sagen, dass der Trainer der gegnerischen Mannschaft nachher zu uns gekommen ist und sich bei uns und die Mädchen für seine Fans entschuldigt hat. Er hat die Kids gelobt und ihnen gesagt, dass sie sehr gut gespielt haben, was ihm von den Mädchen hoch angerechnet wurde. In nachfolgenden Spielen haben die “Fans” sich dann übrigens zurückgehalten, nachdem wir, obwohl auch wir Erwachsenen natürlich die Entschuldigung angenommen haben (die Kinder sollen schließlich was lernen), ihm sehr deutliche Worte mit auf den Weg gegeben haben.

Nun kann man natürlich sagen, die Brut und wir sollen uns nicht so anstellen,
solche Idioten gibt es nun mal und durch sowas würden die Kinder wachsen. Das mag alles sein. Aber ich finde, sie sollten das nicht schon in dem Alter auf einem Volleyballfest so brutal lernen müssen.

Wobei…wenn ich es mir recht überlege… Die Lange, die keinen Aufschlag übers Netz bekommt, die Andere, die nichts kann und die Dritte, die so klein ist, dass man sie nicht ernstnehmen muss – die haben in ihrer Altersklasse die Silbermedaille geholt. Weit vor der Mannschaft mit den seltsamen Fans.

Wenn man es so herum sieht, dann haben die Mädchen wohl tatsächlich einiges gelernt.

Published in: on 23. Juni 2014 at 10:34  Hinterlasse einen Kommentar  
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