Einmal Auswandern (und zurück), bitte!

Ich bin ja bekennender Auswanderer-Doku-Soap-Junkie. Und ich weiß nicht, ob es beruhigend oder beängstigend ist zu erfahren, daß sich der Menschenschlag, der auswandert, nicht wirklich verändert hat.

Da haben wir die intellektuelle Elite. Menschen, die es überall auf der Erde schaffen, schon alleine aufgrund ihres Wissens und ihrer Bildung. Heute sind das Ingenieure, Anwälte, Ärzte und sonstige Studierte. Früher waren das die Leute, die mal eben drei Sprachen Minimum auf dem Kasten hatten und quer über alte Handelsstraßen reisten oder aber in Sachen feine Künste die Welt bereisten.

Dann gibt es diejenigen, die zu Hause nichts mehr zu verlieren haben. Heute meist Hartz-IV-Empfänger oder ältere Arbeitnehmer, die hier aufgrund ihres Alters keiner haben will, die im Ausland aber ob ihrer Erfahrung oft mit Handkuss genommen werden. Das waren früher die Leibeigenen, die geflüchtet sind, die armen Bauern, die ihre Familie nicht ernähren konnten oder ganz einfach Opfer von Hungersnöten.

Und damals wie heute trennt sich die Spreu vom Weizen. Die einen sind bereit hart zu arbeiten, um ihre Chance zu nutzen und die anderen glänzen mit Sprüchen wie “Das hab ich in Deutschland so gemacht, das mach ich hier nicht anders”. Okeeeeeeeey. Sehr oft haben diese Auswanderer dann ein eher kurzes Gaststpiel, bevor sie heim in den vergleichsweise doch recht warmen sozialen Schoß des Vaterlandes kommen.

Und dann gibt es noch die Träumer und irgendwie realitätsfernen Abenteuerer. Damals waren das Bonvivants oder einfach Leute, die einfach nicht in der Schicht bleiben wollten, in die sie hineingeboren wurden. Heute, tja, heute würde ich sagen, es sind liebenswerte Irre. Komplett auswandern ins spanische Hinterland mit Spanisch, mit einem Wortschatz der bei Una cerveza, por farvor endet. Ein Fischer aus einem nordfriesischen Kaff, der in die Wüste Arizones zieht. Ein Einsiedler, den es nach Tokio verschlägt. Das Ganze natürlich relativ unvorbereitet und unausgegoren. Wird schon gut gehen. Und der allergrößte Witz: Oft geht es wirklich gut. Mit Glück und Fleiß und viel Individualismus.

So oder so – bei allem Fortschritt hat sich anscheinend soviel doch nicht verändert, was den Drang nach anderem, vielleicht höheren. Irgendwie doch beruhigend.

Published in: on 25. September 2007 at 20:59  Hinterlasse einen Kommentar  
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