Family, Life

Erhebung in den Adelsstand

Wenn man Kinder im kindergartenpflichtigen Alter hat, dann wird man ganz schnell und unbürokratisch in den Adelsstand erhoben. Ab dem spätestens vierten Tag ist man nur noch „Mama von setzehierdenNamendesKindesein“. Die Paparazzi werden gleich mitgeliefert, wenn man durch das Tor geht und die Kinder draußen spielen. Man geht durch ein Spalier von Zwergen, die einem lautstark mit Fragen und Informationen zuballern „Mama von Alicia, warum kommst Du heute so spääähäääät?“ „Mama von Josef, darf ich heute mit zu Euch kommen?“ „Mama von Isabella, die Isabella hat mich heute gehauen“ „Mama von Chayenne, die Chayenne hat heute wieder eingepullert“. Ja, man ist wichtig.

Bisweilen beschleicht einen aber auch nur der Verdacht, daß man einfach, wie böse Zungen vermuten, seine eigene Identität aufgibt. Gerade heute rief eine Bekannte an und ich ertappte mich dabei, wie ich fieberhaft überlegte, wer um alles in der Welt den nun Nicole sei … ah, Nicole, die Mutter von Christian – Oops!

Außerdem ertappe ich mich immer wieder dabei, daß ich bei Kindergartenbekannten mich selbst mit „Hallo, hier ist Sabine, die Mama von -“ melde. Vorbei die Zeiten, als ich für mich selbst stand, allenfalls mal einen Zusatz „…, die Du auf der Vernissage am Freitag kennengelernt hast“ oder auch „…, die aus der Cocktailbar in dem aufregenden, hautengen schwarzen Kleid“.

Auf der anderen Seite ist das immer eine Frage der Sichtweise. Bei der Grimme Preisverleihung bin ich auch mit „Ach, Du bist also die Schönste Germanin aus dem USA erklärt Blog“ anstatt mit meinem Namen begrüßt worden. Es liegt also nicht nur an den Kindern.

Ich glaub, ich ruf mal bei der Gala an.

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