Männer im Ausnahmezustand

Ich will wirklich nicht undankbar erscheinen – nicht, daß hier was falsch rüberkommt. Ich bin sehr, sehr dankbar dafür, daß ich in den Müttergenesungsurlaub gehen konnte. Allerdings hat er mir wiedermal gezeigt, wie es wirklich um die Gleichberechtigung bei der Kindererziehung in diesem Lande bestellt ist.

So gut wie jeder, dem ich von meiner familienfreien Zeit erzählt habe, fragte natürlich „Und was ist mit den Kindern?“ Die häng ich in der Zeit in den Baum, was denn sonst? Auf meine brave Antwort hin, daß es einen dazugehörigen Vater gäbe, der sich Urlaub nimmt, erntete ich Reaktionen, die von „Das macht Dein Mann?“ über „Meiner würde sowas nie tun“ bis hin zu „Meinst Du wirklich, der kann das?“ gingen. Letzters hat den Autoren zu Recht empört. Warum genau sollte er nicht mit zwei Kindern und einem Haushalt fertig werden? Das ist ja nun nicht zwingend das Privileg der Mütter. Gut, Kind Nummer 1 hat sich verplappert und sagte was von „Ich hab drei Mal Pommes gekriegt, Mama. Drei Mal!!! Warum krieg ich das bei Dir nicht?“ und auch die Kleiderwahl war auch eher interessant denn farblich und stofflich harmonierend zu nennen, als sie mich vom Flughafen abgeholt haben. Aber sie haben es nicht nur überlebt – soweit ich das beurteilen kann hatten sie einen Riesenspaß.

Wenn man allerdings umgekehrt mal fallen läßt, daß sich der Autor mal ein Auszeit von der Familie nimmt, in denen ich mich dann auch ganz alleine um Haus und Hof und Kind und Kegel kümmere, dann ist das für den Rest der Welt völlig normal und absolut nicht der Rede wert. Männer brauchen schließlich mal ihre Zeit für sich. Ne, ist klar! Da kommt nicht ein einziges „Ja sag mal, wie schaffst Du das denn?“. Wir Frauen scheinen da ein WuppDich-Gen zu haben und es wird angenommen, daß alle Männer zum Vergabezeitpunkt dieses Gens kollektiv auf dem Klo waren.

Frau von der Leyen – sie haben noch viel zu tun! Schlagen Sie ein Gesetz vor, das alle Männer verpflichtet, einmal im Jahr die Mütter ihrer Kinder alleine in den Urlaub zu schicken und sich dann selbst um die Pänze zu kümmern. Ich sage ihnen, das bringt mehr, als jede Gleichberechtigungsdebatte. Oder anders ausgedrückt: Es werden häufiger Sätze fallen, die in etwa so lauten „Also, ein Kind geht ja noch, aber zwei Kinder zusammen – und dann soll man noch was geschafft kriegen! Das ist ja schon anstrengend.“

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Published in: on 3. November 2007 at 22:33  Schreibe einen Kommentar  

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