Das Internet macht einsam

Ich war heute auf der Beerdigung eines kleinen Mädchens. Ich hatte es nie vorher gesehen. Auch ihre Familie kannte ich bis heute nur virtuell. Die Mutter war, wie wir heute festgestellt haben, „immer irgendwie zusammen mit mir zusammen schwanger“. Wir kennen uns aus einem Forum für Eltern und die Geimeinschaft dort ist über die Zeit zusammengewachen.  

 

Zusammen mit den Eltern dieses Mädchens haben wir alle ein knappes Jahr lang gehofft, gebangt und am Ende geweint. Und zur Beerdigung sind nicht nur Berliner Mütter gekommen. Frauen, mit denen ich nicht viel gemeinsam habe – außer die Teilnahme an einer virtuellen Gruppe, die sich grob aus dem zugegeben realtiv großen Begriff „Hilfe, ich habe ein Kind und nun?“ zusammen gefunden hat. 

 

Und weil wir so verschieden sind und außer der Tatsache, daß wir Kinder haben, nicht so wahnsinnig viel gemeinsam haben, zicken wir auch mal gerne, sticheln oder rollen über uns die Augen. Aber wenn es hart auf hart kommt, dann halten wir zusammen. Ich werde nie vergessen, wie mir ein paar Frauen mitten in der Nacht über den ersten Nachtschreck von Kind Nummer Eins geholfen haben. Daß es keine Frage war, Kind Eins mal eben spontan Herberge zu geben, damit ich wegen beginnender Lungenentzündung von Kind Nummer Zwei innerhalb von zwei Minuten zum Arzt konnte. Als ich überraschend ins Krankenhaus kam, wurden bis zur Entwarnung schon Fahr- und Kindaufpaßgemeinschaften gegründet. Meine Familie hat echte Freunde dort gefunden. Und das sind nur die Beispiele, die mir ohne Nachdenken in den Kopf kommen.

 

Und wenn ich dann höre, wie ach so einsam das Internet macht, daß Menschen vor dem Bildschirm verblöden und überhaupt so ein Computer per se aggressiv macht – dann möchte ich Euch Unkenrufern zurufen:

 

„Ihr habt sowas von keine Ahnung“

 

Eine Gemeinschaft besteht nun mal aus Menschen und sie ist immer so gut oder so schlecht wie diejenigen, die sie bilden. Und da macht es keinen Unterschied, ob diese Gruppe sich in einem Raum mit Wänden und Dach oder in einem virtuellen im Netz trifft. 

 

Ein kleines Mädchen ist nicht mehr bei uns, sie wird ein Loch in unserer Gemeinschaft hinterlassen. Aber sie hat vielen von uns etwas gezeigt – nämlich, daß wir eine sind.

 

Danke, Enni.

 

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Published in: on 17. Dezember 2007 at 20:27  Schreibe einen Kommentar  

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