Kulinarische Entdeckungen eines Einjährigen!

Ein weiteres, klassisches Beispiel dafür, wie sich Sichtweisen verändern.

 

In meiner b.K. Zeit hab ich mich ja über Leute lauthals empören können, die ihre 3jährigen mit zu McDonalds und Co. schleppen. Gut, das hatte sich dann nach einer gewissen Zeit erledigt *hüstel*. Aber Kleinstkinder? Die, die noch im Hochstuhl sitzen? Und dann noch mit dem Zeug füttern? No way.

 

Es begab sich aber zu der Zeit, als meine Tochter ob guter Führung eine Juniortüte versprochen bekam. Und sich „rein“ setzen wollte. Da ich eine definitive Verfechterin von positiver Verstärkung bin und sie wirklich lieb war, als der Autor in der Ferne weilte, willigte ich ein. Also, Kind Nummer Eins bekam die Juniortüte, Kind Nummer Zwei ein Salatblatt von Mutter in die Hand gedrückt. Kind spielt mit Salatblatt und steckt es probehalber in den Mund. Andere Mütter (alle nur mit einem Kind) schauen sehr interessiert. Sohn knabbert an Salatblatt, hält inne, bläht die Naseflügel, schnuppert, spuckt das lästige Grünzeug aus, zeigt mit dem kleinen Finger auf Schwesterleins Pommes und ruft laut und verständlich:

 

„Daaaaaaaaaaaaaaaa!!!“

 

in das volle Lokal. Mittlerweile schauen mich alle Anwesenden der umliegenden Tische an. Ich lächle und versuche meine Sohn mit Shrimps, deren Backteig ich abgeknibbelt habe abzulenken. Kind testet, schluckt und schreit – jetzt schon vehementer – indes er auf die Pommes zeigt

 

„Daaaaaaaaaaaaaaa!!!!“

 

Langsam macht sich Getuschel breit und Mutter macht einen letzten Versuch mit Apfelschorle abzulenken. Klappt genau 5 Sekunden

 

„Daaaaaaaaaaaaaa!!!!“

 

In einem Ton, der nichts Gutes verhieß. Natürlich bin ich hart geblieben … gegenüber den empörten Blicken der Einzelkindmütter, die alle keine Ahnung haben, wie es ist ein Zweitkind zu haben und hab meinem Kind eine Pommes in die Hand gedrückt. 

 

Und so ging unsere Mahlzeit sehr friedlich zu Ende. Tochter sprang im Spieledingeskirchen umher, Sohn mümmelte sehr hingebungsvoll an der Pommes und Mutter bat in Gedanken all den Frauen um Verzeihung, die sie für genau so eine Sache vor knapp 2 Jahren noch verurteilt hat.

 

Und das werden die Mütter in diesem Restaurant auch tun – wenn sie denn ein zweites Kind bekommen…

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Published in: on 20. Dezember 2007 at 10:44  Schreibe einen Kommentar  
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