Verschwörungen und Jugendschutz

Ich gestehe: Ich bin Ex-Raucherin. Naja, jedenfalls fast. Manchmal, zu besonderen Gelegenheiten wie Beerdigungen, extrem stressigen Situationen oder Weihnachten greife ich schon mal wieder zur Zigarette. Ja, ich weiß, ich bin ein willenloses, inkonsequentes Ding, was das angeht. Und ich stehe dazu.

 

Am ersten Weihnachtstag abends sassen wir in meiner alten Heimat, einer westfälischen Kleinstadt, in der einzigen Kneipe, in der man als Mitt- bis Enddreißiger noch sitzen kann, ohne das man sich wahlweise wie im Seniorenheim oder auf einer Abifeier fühlt. Und wie wir da so sassen, Leute guckten und auf etwaige Bekannte warteten, überkam mich der alte Drang nach einer Zichte. Unter dem mißbilligenden Blick des Autors ging ich also Richtung Zigarettenautomat. Ich werfe das Geld ein, drücke – und nichts passiert. Ich rüttele – nix. Ich gebe dem Automaten Tiernamen – umsonst. 

 

Eine mitleidige Raucherseele sieht das, kommt und meint, ich müsse meine Geldkarte einstecken, um zu verifizieren, daß ich 16 bin. 16! Ich! Aber bitte, was tut man nicht alles für den Jugendschutz. Leider, leider, leider habe ich keine Geldkarte und mit Kreditkarten funktioniert das nicht. 

 

Bevor der Autor eine Suchmeldung aufgeben konnte, stapfte ich sehr, sehr wütend wieder nach oben. Und reeeeeeegte mich auf. Der Autor kam aus dem Lachen nicht raus, während ich rumzeterte, ich sei jetzt knapp 40 Jahre alt und dürfte mir immer noch keine Zigaretten kaufen, wenn ich es wollte. Als dann die sehr nette (uns sehr junge) Bedienung rumkam und fragte, ob es noch was sein dürfte, meckerte ich immer noch. Worauf sie nur meinte „Ach, dafür haben wir eine Ziggicard“ 

 

Hocherfreut sprang ich hinter die Theke, griff mir die Ziggicard, raste runter und steckte hoffnungsfroh das Teil in die Maschine. Aber ich brauchte auch diesmal drei Versuche, damit ich diese dämliche Schachtel aus dem Ding kriegte.  Mit triumphierender Miene ging ich wieder hoch und steckte mir eine an – nicht, daß ich sie noch mochte, aber es war einfach eine Frage der Ehre.

 

Und außerdem bin ich der festen Überzeugung, daß der Jugendschutz nur als Tarnung herhalten muß und das Ganze eine perfide Art der Regierung, des BND und der Heilsarmee ist, damit Gelegenheitsrauchern  auch noch die letzte Zigarette zu vermiesen.

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Published in: on 26. Dezember 2007 at 10:07  Schreibe einen Kommentar  
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