Fastnacht, Karneval und Narrensprung

Am Samstag war ich in irgendeinem Dorf im Allgäu zum Narrensprung. Man hatte mir gesagt, das sei eine Art Karnevalsumzug auf süddeutsch. Gut, dachte ich, wird bestimmt lustig.

War es mit Sicherheit auch – für die Leute, die was verstanden haben. Es gab fast nur Fußgruppen, die sich dadurch auszeichneten, möglichst häßlich daher zu kommen. Gerne als Hexen (auch die Männer) oder Wildhunde. Und sie warfen auch keine Bonbons sondern verteilten sie sehr wählerisch. Und das auch nur, wenn man ihnen ihren Schlachtruf entgegen schallte. Der aber für jede Gruppe ein anderer war. Natürlich auf allgäuisch. Was zur Folge hatte, daß Kind Nummer Eins mich nach jeder Gruppe fragte

„Mama, was muß ich jetzt rufen?“

Mama guckte dann hilflos auf das Flugblatt, daß mit dem Eintritt (man mußte echt Eintritt zahlen!) kam, sah die Buchstaben, allein – sie verstand den Sinn nicht. Geschweige denn konnte sie die Worte aussprechen. Nur gut, daß es genug Einheimische gab, die hilfreich zur Seite standen. Die Prinzessinnentochter ist ja sprachbegabt und hat das nach nur zweimal rufen akzentfrei hinbekommen.

Mehr als einmal war ich ja in Versuchung laut „Helau“ oder zur Not auch „Alaaf“ zu schreien – aber dann wäre ich wahrscheinlich mit allen vorhandenen Wurzelstöcken dort aus dem Dorf gejagt worden.

Übrigens stellte sich raus, daß das Wort Narrensprung noch eine durchaus handfeste Bedeutung hat – die neben uns sitzenden, gutaussehenden „Schorle-Hexen“ wurden alle drei Minuten von einem Höllenhund oder einer Hexe angesprungen und fast erdrückt. Nun ja. Im Düsseldorfer Karnerval versucht man die Frauen mit Alk rumzukriegen – ob das unbedingt besser ist, sei dahingestellt.

Aber wenigstens versucht man sie rumzukriegen – hier in der Karnevalsdiaspora bei Berlin gibt es ja gar nix – kein Sprung, kein Alk, kein Zug – nix. Dabei würde ich mir nach 6 Jahren Brandenburg sogar den hiesigen Dialekt antun.

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Published in: on 30. Januar 2008 at 20:33  Schreibe einen Kommentar  

Der Berg ruft lauter

Es gibt ganzganz eindeutige Indizien, die anzeigen „Du bist wieder in Deutschland“. Eines der sichersten ist, wenn Du wieder in Tegel stehst, ein Kind auf dem Arm, das andere sitzt auf dem Kofferwagen in Reichweite und keine Sau kommt auch nur auf die Idee, Dir mal den Koffer vom Band zu hieven. Nein, nein, die Herren standen da in Grüppchen, Hände in den Taschen und schauten angestrengt weg. Leider hatte ich einen grippalen Infekt, sonst wäre mir vielleicht ein passender Kommentar eingefallen. So aber mußte ich zusehen, wie ich Kinder und Koffer und Tasche und Rucksack und MiniBen nicht nur im Auge sondern auch im Arm hatte.

Es ist unglaublich, man könnte mich auf irgendeinem Flughafen unter dem vollständigen Fehlen irgendwelcher Schilder der Welt aussetzen – ich würde jederzeit einen deutschen Flughafen herausfinden. Diese Unfreundlichkeit der Mitmenschen zeichnet uns wirklich aus. Und da schlag ich dann gleich mal den Bogen zu Österreich – dort haben sich die Leute quasi überschlagen mir den Schneejogger aus dem Bus zu hieven. Das kinderfreundliche Restaurant dort hatte diesen Namen zu Recht – mein Sohn hat dort jeden Tag zweimal ein Schlachtfeld hinterlassen, was mit einem „Des paßt scho“ abgetan wurde. Der Schneejogger war ebenso wie die Schlitten kostenfrei. Der Kindergarten nahm zwar offiziell nur Kinder ab 2 Jahren, aber „Ah, geh, geben´S`mia den Bua – mochans amoal an Urlaub füa zwoa Stund“. Jeden Abend durften sich die größeren Kinder an die Bar setzen und bekamen ein Eis – die Bar war dann für Erwachsene je nach Kinderaufkommen gesperrt. Und außerhalb des Hotels, am Berg, wurde auf eine Weise auf die Kinder eingegangen, das war eine Wonne. Wenn ich mit Kind Nummer Zwei da angewackelt kam, um auf Kind Nummer Eins zu warten (und die stolze Mutterbrust zu schwellen), haben sich die Sonnenterassenbesitzer sich fast überschlagen, mir schnell noch einen Liegestuhl so hinzustellen, damit ich den Kinderwagen gut abstellen konnte. Und dabei waren noch nicht mal Kinderskiwochen.

Man merkt, ich bin schwer begeistert und leiste unseren Nachbarn gerade Abbitte von hier bis zur Grenze für meine frühere Denke vom Wiener Gelackten. Klar, natürlich wurde das Hotel und auch die Region für diese Kinderfreundlichkeit bezahlt – aber das Geld würde ich an der Ost- oder Nordsee auch ausgeben. Und käme mir dort mit meinen noch sehr lieben Kindern oft nur geduldet vor.

Und bevor das wieder passiert werden der Autor und ich uns einfach mal einen Bergsee diesen Sommer ansehen – zur Nordsee kann ich immer noch, wenn die Kinder mal aus dem Haus sind. So in 20 Jahren.

Published in: on 28. Januar 2008 at 19:44  Schreibe einen Kommentar  

Genetik am Skihang

Gestern war unser letzter Tag am Arlberg. Da meine Tochter brav ihren Skikurs durchgehalten hatte, durfte sie am Wettrennen teilnehmen (von der Tatsache abgesehen, daß sie ebenfalls gestern mal eben die rote Abfahrt ohne Sturz runtergefahren ist).

Jedenfalls haben die Skilehrer einen Pacours auf gebaut und die Ströppkes sind da runter. Auf Zeit. Und was soll ich sagen?

MEINE TOCHTER WURDE ERSTE!!!!

So, nämlich. Ich hab zwar keine Ahnung, aus welcher Erblinie sie das hat, denn weder der Autor noch bekanntermaßen ich können die Anlagen weitergegeben haben, aber sie war die Schnellste. Hah, meine Tochter!

So, Angeberposting Ende,      

Published in: on 26. Januar 2008 at 16:41  Schreibe einen Kommentar  

Das nächste Mauseloch – unten links

Hier im Hotel ist eine Gruppe Versehrter. Und im Skikeller kam es, wie es kommen mußte.

„Maaaaaamaaaaaaa, der hat ja nur ein Bein“

„Ehmm, ja“

„Duuuuuuuuuuuu, warum hast Du nur ein Bein, bist Du ein Alien?“

Nach einem kurzen, netten Gespräch, das Mutter mit hochrotem Kopf verfolgt hat, ging der gute Mann Skifahren. Die Tür ging auf, ein weiterer einbeiniger Mann kam herein

„Maaaaaaaamaaaaaaaaa, noch einer – Du hier sind ganz viele Aliens!!!“

Da tröstet mich nur die Konversation eines lauten, kleinen Mädchens beim Abendessen, die ich mit anhören durfte

„Ich weiß genau, warum Du nur ein Bein hast, Du hattest einen Unfall und der war böse. Warst Du auch böse?“

Die Hautfarbe der Mutter erreichte in etwa die Rote Grütze der Nachspeise. Gut, daß mein Kind doch nicht das Allerschlimmste ist….

Published in: on 24. Januar 2008 at 14:14  Schreibe einen Kommentar  

Der Berg ruft – wo sind die Ohrenschützer?

Das mit der Kinderfreundlichkeit verschieben wir dann noch mal, da ich denke, es sollte mal wieder was zum Lachen auf der Seite stehen. Schlagen wir also ein neues Kapitel der Peinlichkeiten in meinem Leben auf und das heißt: Skifahren.

Also, wir sind ja eigentlich hier, weil mein Herr Vater der Meinung war, wenn er es schon bei seinen Kindern verpaßt hat, sie frühzeitig auf die Ski zu bringen, dann will er diesen Fehler bei seiner Enkeltochter nicht wiederholen. Und da Kind Nummer Eins aufgrund von akuter Mamafixierung nicht ohne mich fährt, bin ich mit hier am schönen Arlbergland.

Und wo ich schon mal da bin und meinen eigenen Babysitter mit habe für Kind Nummer Zwei, mach ich auch einen Skikurs mit. Dachte ich mir so. Vor 10 Jahren hab ich das letzte Mal auf den Brettern gestanden – und auch da mehr schlecht als recht. Trotzdem hat man mich zu den „wenig Erfahrenen“ gepackt und nicht zu den absoluten Anfängern. Und dann hab ich auch noch die Hälfte des ersten Tages wegen Junior versäumt. Trotzdem hat der sehr energetische, dynamische und mit schier übermenschlicher Geduld ausgestattete Ski-Lehrer mich auf den Berg mit nach ganzganzganz oben mit raufgenommen. Da ist nämlich ein tolles Übungsgebiet (für Ortskundige – die blaue 19). Hat auch alles wirklich gut geklappt.

Dummerweise muß man, um ins Tal hinunter zu kommen, dann die blaue 4 nehmen. Und das ist eigentlich eine verkappte rote, also eine mittelschwere Abfahrt. Beim ersten Mal bin ich da ganz unbefangen rein und hab mich so oft auf die Schnauze gelegt, es war unglaublich. Beim zweiten Mal nachmitags wollte ich schon freiwillig den Lift nach unten nehmen. Nun sind Skilehrer nicht nur mit einem Geduldgen ausgestattet sondern sie müssen auch irgendwelche Wetten laufen haben, daß kein Schüler mit dem Lift sondern auf Skiern runter kommt. Keine Ahnung, ob sie dann einen ausgeben müssen oder mit Spott überhäuft werden. Auf jeden Fall wurde ich „überredet“ nochmal die 4 mit runter zu gehen.

Gut, ich hab mich überstimmen lassen und bin zumindest teilweise auf Skiern runter. Den Rest dann auf Skischuhen, weil es einfach zu steil war für mich und ich mich nur noch langgelegt habe. Und dann nicht mehr draufgekommen bin. Sehr sehenswert muß auch meine Stunteinlage gewesen sein, als ich die Kurve nicht bekommen habe und geradewegs auf eine schwarze Abfahrt (das sind dann die, die man immer im Fernsehen bei den Skirennen sieht) zugeschlittert bin. Da hab ich mich dann einfach irgendwie fallen lassen. Gerade noch rechtzeitig übrigens, die Spitzen der Ski hingen nämlich schon über dem Hang. Hätte ich nicht so eine Panik gehabt – ich hätte mich totgelacht. Was die übrigen Kursteilnehmer dann auch getan haben. Ich hab dann, nachdem ich mir außer meinem Stolz nix gebrochen hab, wieder im Tal war auf die restliche halbe Stunde des Kurses verzichtet, michauf die Sonnenterrasse gesetzt und mir einen Latte gegönnt.

Muß ich übrigens erwähnen, daß Kind Nummer Eins mit Feuereifer dabei ist und heute wohl das erste Mal mit dem Sessellift hochfährt? Und nicht nur im popligen Schneeflug wie Mutter dem Berg runterkommt sondern schon parallel fährt? Und Angst hat sie auch nicht, weder vor der Höhe (nur wer schon mal da oben war, der weiß, *wie* steil es von da oben wirklich aussieht) noch vor der Geschwindigkeit (gut, da ist sie dann schon meine Tochter). Ich geh dann mal gleich gucken.

Ski heil!

Published in: on 22. Januar 2008 at 17:29  Schreibe einen Kommentar  

Wer nie sein Brot im Bette aß…

Oder anders: Wer nie sein Kind in einer 737-300 wickelte, der weiß nicht, was Platznot ist. Ich bin ja, snobistisch wie ich bin, mit den Kindern in den Skiurlaub geflogen. Also bis nach Memmingen und von da wurde ich von meinem Privatchauffeur in Persona meines Vaters abgeholt und befinde mich gerade in einem Familien-Ski-Gebiet.

Blauer Himmel, Sonne und ich hab mich nur einmal langgelegt – was will man mehr? Kann ich Euch sagen: Man will, daß sich die Flugzeugbauer mal Gedanken drüber machen, daß ein normales 15monatiges Kind gemeinhin noch Windeln braucht. Normalerweise ist so ein Kind aber größer als 60cm. Also, falls hier ein Flugzeug-Toiletten-Designer zuliest: Vielleicht könnte man – bitte – die sogenannten Wickeltische irgendwie anders konzipieren, daß ein durchschnittliches Eineinhalbjähriges draufpaßt, ohne das es sich das Gnick verrengt.

Ich danke es auch mit ganz vielen Flügen. Bestimmt.

Und der nächste Eintrag geht dann zum Theme Familienfreundlichkeit in Österreich.

Published in: on 20. Januar 2008 at 19:56  Schreibe einen Kommentar  

Wie schmecken Sie?

Die Taubenhaucherin hat mich mal wieder auf einen Test gebracht: Wie schmeckt Ihre Persönlichkeit.

Leider funktioniert der Link gerade nicht, aber ich bin Zimt. Ich mag Zimt, wirklich. Aber so ein bräunliches eher nichtssagendes Pulver zu sein? Ich weiß nicht – aber gut, schaun mer mal:

Hm, Zimt! In Ihnen liegt ein feuriger Geschmack, wie man ihn von mexikanischem Essen kennt.

Mexikanisches Essen assoziere ich immer mit Bohnenmus. Ich bin also ein matschiger Brei. Aha. Danke. Zimt hingegen hab ich in der mexikanischen Küche eher selten gesehen.

Nicht umsonst bezeichnet man diese Geschmacksrichtung als scharf!

Das scharf hab ich nicht kursiv gesetzt, sondern die Testschreiber. Was scharf allerdings mit Zimt zu tun haben soll, erschließt sich mir noch nicht so ganz. Aber es geht ja weiter.

Sie sind ein leidenschaftlich und impulsiv, und wenn Sie kreativ tätig sein können, dann sind Sie mit voller Begeisterung dabei!

Leidenschaft und Impulsivität – das lass ich mir doch gern gefallen. Und kreativ bin ich…oh, ich bin so kreativ, daß im Kindergarten beim Adventsbasteln alle hektische rote Flecken im Gesicht bekommen und die Kindergartenerzieherin mich fragt:“Ach, eh…Sabine….ehm…sag, magst Du uns nicht einen Kaffee kochen gehen?“

Mit Ihrer Spontaneität wittern Sie überall ein Abenteuer, und mal ehrlich – wie man Spaß haben kann, das braucht Ihnen niemand zu erzählen!

Ohhhhh, nein, ich hab dauernd und immer Spaß. Der letzte spontane Flug zum Beispiel war nur 4 Monate geplant und meine Sitznachbarin hatte totalen Spaß als Kind Nummer Eins sich auf ihrer Jacke übergeben hat.

Mit Ihrer Meinung halten Sie niemals hinter dem Berg. Wenn Ihnen etwas unter den Nägeln brennt, raus damit, denn Sie gehen stets nach Ihren Gefühlen und leben im Hier und Jetzt.

Wann genau sollte ich auch sonst leben? Selbst wenn ich in andere, höhere Spähren entschweben wollte, würde mich nach schier endlosen 2 Sekunden ein „Maaaaamaaaaaaaaa! Daaaaaaaaaaaaaaa!“ aus meinem Wolkenkuckucksheim holen. In der Zeit bin ich da noch nicht mal angekommen.

Sie schmecken so berauschend und intensiv, dass viele davon gar nicht genug bekommen können!

Ja, danke, ich werd es dem Autor sagen, wenn wir ob des Tagwerkes wieder mal gleichzeitig nebeneinander (wenn wir Glück haben) erschöpft einschlafen.

Aber ich hab immer wieder Spaß, diese Tests zu machen. Doch. Wirklich. Sie sind so erheiternd und zeigen, wie das Leben sein könnte, wenn es nicht so wäre wie es ist.

Published in: on 18. Januar 2008 at 20:46  Schreibe einen Kommentar  

Der Seuchen kein Ende

Eigentlich sollte heute Kind Nummer Eins im Kindergarten und Kind Nummer Zwei bei der Tagesomi sein. Der Autor und seine Schwester wollten ins Kino und ich hätte Zeit zu arbeiten und mich mal wieder dem verwaisten Blog zu widmen.

Stattdessen liegt Tochter hochfiebrig auf dem LoveSac und ihr ist alles egal, die Familie der Tagesomi von Krabbelmaxe hat die gelbe Fahne ob eigener Seuchen rausgehängt und die Schwester des Autors hat heute Nacht den Thron angebetet.

Ich melde mich dann, wenn ich den Krankenschwesterwimpel wieder abgegeben habe.

Published in: on 16. Januar 2008 at 07:21  Schreibe einen Kommentar  
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Kakerlaken als Entspannung

Ich bin ja bekennende Supernanny-, Frauentausch-, Talkshow-, Gerichtsshow- und sonstige Ichmachmichwissentlichoderauchunwissentlichlächerlich-Dokusoap-verweigerin. Ich einfach Besseres zu tun, als mir anzuschauen, wie sich geistig minderbemittelte Menschen zum Affen machen lassen. Aber seit gestern abend betreibe ich wieder soziologische Studien am heimischen Fernseher: Das Dschungelcamp ist wieder da.

Ich kann nichts dafür – schon von der ersten Folge an (ich hatte eigentlich nur wegen Dirk Bach eingeschaltet) sass ich wie ein hypnotisiertes Kaninchen vor der Glotze und war schlicht unfähig umzuschalten. Der Autor war rechtschaffen empört, wie seine intellektuell nicht ganz unanspruchsvolle Frau so ihre Zeit verschleudern konnte. Am nächsten Abend wollte er durchgreifen und den Fernseher ausmachen – ca. 20 Minuten sass er neben mir, die Fernbedienung in der Hand, nicht in der Lage den Knopf zu drücken.

Seitdem verbringen wir also jede einzelne Folge mit Popcorn und sonstigem Knabberkram auf der Couch und amüsieren uns köstlich. Die dreieinhalb Jahre Pause hat uns zwar nicht wehgetan, aber so alle paar Monate haben wir uns schon gefragt, wann eine neue Staffel gedreht wird.

Dass die sogenannte Prominenz kein Mensch (mehr) kennt, spielt dabei keine Rolle. Mitleid hat man auch nicht, weil die wenigstens wissen, auf was sie sich einlassen – und dass aufgrund dubioser Karriereförderung auch sehr bewußt tun. Hach, und man kann lääääääääääästern. Denn zumeist sind die Damen ungeschminkt (was einiges wieder gerade rückt) und bei den mutigen Herren der Schöpfung fällt ab dem 4 Tag die Maske. Und spätestens ab dem 2 Tag fängt bei anderen der kalte Entzug von frachmichwasfürPillen an.

Ja, das Showbiz ist hart. Und ein jedes Ding im Leben hat seinen Sinn – ich weiß wieder, warum ich langweilig BWL studiert habe, statt die schnelle Karriere beim Fernsehen zu machen – obwohl man ja weiland zu meiner Zeit noch wirklich was können oder leisten mußte, um da rein zu kommen. *Ich* bin jetzt wenigstens kein abgehalfterter, arbeitsloser Möchtegernewieder-Promi, der alles tut um wieder ins Geschäft zu kommen. Ich bin nur eine panische Spätgebärende mit Ringen unter den Augen – hätte auch nicht gedacht, dafür einmal dankbar zu sein.

Published in: on 12. Januar 2008 at 20:57  Schreibe einen Kommentar  

Weil das Leben eben so ist

Wenn man das erste Mal schwanger ist, dann ist man im Normalfall sicher, daß das alles kein Problem ist. Man hat eine problemlose Schwangerschaft (und sieht dabei stets und ständig blendend aus), eine wunderbare, leichte Geburt (PDA ist was für Weicheier) und das süsseste, gesundeste Baby (Wer war noch gleich Suri Cruise? Hah, Lieschen Müller gegen mein Kind!) dieser Welt.

Beim zweiten Kind sieht das oft schon anders aus. Man hat die leidvolle Erfahrung gemacht, daß schwanger sein nicht ständig so ist, wie uns die Hochglanzmagazine mit Bilder von Prominenten, die mindestens drei Stunden in der Maske gesessen haben, glauben machen wollen. Die Geburt – reden wir einfach nicht drüber! Und das mit dem süssesten Baby – nun ja, Babys sehen direkt nach der Geburt schon mal sehr verknautscht aus und kleinen Aliens oft ähnlicher als kleinen Menschen.

Und gesund…wenn man ein Kind hat, lernt man fast zwangsläufig andere Mütter kennen. Andere Mütter haben andere Geschichten. Und die sind nicht immer schön. Und oft, zu oft, kommen kranke, behinderte oder auch verstorbene Kinder darin vor.

Und dann bekommst Du Angst – bittere Angst. Jedes Stirnrunzeln des Arztes wird gedeutet, eine Bemerkung wie „Oh, der ist aber klein“ ließ mich nächtelang nicht schlafen. Und nur Mütter – und diesmal nehme ich die Väter ganz bewußt aus – können dieses Gefühl nachvollziehen, wenn sich nicht nur das Herz, sondern auch die Plazenta zusammenzieht beim Gedanken, mit dem Wurm könnte etwas nicht stimmen. Darum ist das Gefühl der Erleichterung beim zweiten Kind auch wesentlich größer als beim Ersten – denn da war es ja noch Naturgesetz, daß alles gut ist.

Und warum erzähle ich das alles? Weil es jetzt das Blog von Sandra gibt, bei der es eben nicht so glatt gelaufen ist und die sehr eindrucksvoll schildert, wie es ist, ein behindertes Kind zur Welt zu bringen und daran nicht zu verzweifeln. Sie erzählt Geschichten aus dem Leben – und nicht aus der Krankenakte. Und außerdem sind diese Geschichten noch gut geschrieben.

Und trotzdem sie nicht auf die Tränendrüse drückt, werd ich dann jetzt doch noch mal schnell hoch rennen und schauen, ob meine beiden, die heute wirklich die letzte Großpackung NervenwieDrahtseile ihrer Mutter abgearbeitet haben, ruhig und friedlich schlafen. Manchmal kann man einfach nicht gegen seinen Instinkt.

Published in: on 10. Januar 2008 at 20:16  Schreibe einen Kommentar