Weil das Leben eben so ist

Wenn man das erste Mal schwanger ist, dann ist man im Normalfall sicher, daß das alles kein Problem ist. Man hat eine problemlose Schwangerschaft (und sieht dabei stets und ständig blendend aus), eine wunderbare, leichte Geburt (PDA ist was für Weicheier) und das süsseste, gesundeste Baby (Wer war noch gleich Suri Cruise? Hah, Lieschen Müller gegen mein Kind!) dieser Welt.

Beim zweiten Kind sieht das oft schon anders aus. Man hat die leidvolle Erfahrung gemacht, daß schwanger sein nicht ständig so ist, wie uns die Hochglanzmagazine mit Bilder von Prominenten, die mindestens drei Stunden in der Maske gesessen haben, glauben machen wollen. Die Geburt – reden wir einfach nicht drüber! Und das mit dem süssesten Baby – nun ja, Babys sehen direkt nach der Geburt schon mal sehr verknautscht aus und kleinen Aliens oft ähnlicher als kleinen Menschen.

Und gesund…wenn man ein Kind hat, lernt man fast zwangsläufig andere Mütter kennen. Andere Mütter haben andere Geschichten. Und die sind nicht immer schön. Und oft, zu oft, kommen kranke, behinderte oder auch verstorbene Kinder darin vor.

Und dann bekommst Du Angst – bittere Angst. Jedes Stirnrunzeln des Arztes wird gedeutet, eine Bemerkung wie „Oh, der ist aber klein“ ließ mich nächtelang nicht schlafen. Und nur Mütter – und diesmal nehme ich die Väter ganz bewußt aus – können dieses Gefühl nachvollziehen, wenn sich nicht nur das Herz, sondern auch die Plazenta zusammenzieht beim Gedanken, mit dem Wurm könnte etwas nicht stimmen. Darum ist das Gefühl der Erleichterung beim zweiten Kind auch wesentlich größer als beim Ersten – denn da war es ja noch Naturgesetz, daß alles gut ist.

Und warum erzähle ich das alles? Weil es jetzt das Blog von Sandra gibt, bei der es eben nicht so glatt gelaufen ist und die sehr eindrucksvoll schildert, wie es ist, ein behindertes Kind zur Welt zu bringen und daran nicht zu verzweifeln. Sie erzählt Geschichten aus dem Leben – und nicht aus der Krankenakte. Und außerdem sind diese Geschichten noch gut geschrieben.

Und trotzdem sie nicht auf die Tränendrüse drückt, werd ich dann jetzt doch noch mal schnell hoch rennen und schauen, ob meine beiden, die heute wirklich die letzte Großpackung NervenwieDrahtseile ihrer Mutter abgearbeitet haben, ruhig und friedlich schlafen. Manchmal kann man einfach nicht gegen seinen Instinkt.

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Published in: on 10. Januar 2008 at 20:16  Schreibe einen Kommentar