Kakerlaken als Entspannung

Ich bin ja bekennende Supernanny-, Frauentausch-, Talkshow-, Gerichtsshow- und sonstige Ichmachmichwissentlichoderauchunwissentlichlächerlich-Dokusoap-verweigerin. Ich einfach Besseres zu tun, als mir anzuschauen, wie sich geistig minderbemittelte Menschen zum Affen machen lassen. Aber seit gestern abend betreibe ich wieder soziologische Studien am heimischen Fernseher: Das Dschungelcamp ist wieder da.

Ich kann nichts dafür – schon von der ersten Folge an (ich hatte eigentlich nur wegen Dirk Bach eingeschaltet) sass ich wie ein hypnotisiertes Kaninchen vor der Glotze und war schlicht unfähig umzuschalten. Der Autor war rechtschaffen empört, wie seine intellektuell nicht ganz unanspruchsvolle Frau so ihre Zeit verschleudern konnte. Am nächsten Abend wollte er durchgreifen und den Fernseher ausmachen – ca. 20 Minuten sass er neben mir, die Fernbedienung in der Hand, nicht in der Lage den Knopf zu drücken.

Seitdem verbringen wir also jede einzelne Folge mit Popcorn und sonstigem Knabberkram auf der Couch und amüsieren uns köstlich. Die dreieinhalb Jahre Pause hat uns zwar nicht wehgetan, aber so alle paar Monate haben wir uns schon gefragt, wann eine neue Staffel gedreht wird.

Dass die sogenannte Prominenz kein Mensch (mehr) kennt, spielt dabei keine Rolle. Mitleid hat man auch nicht, weil die wenigstens wissen, auf was sie sich einlassen – und dass aufgrund dubioser Karriereförderung auch sehr bewußt tun. Hach, und man kann lääääääääääästern. Denn zumeist sind die Damen ungeschminkt (was einiges wieder gerade rückt) und bei den mutigen Herren der Schöpfung fällt ab dem 4 Tag die Maske. Und spätestens ab dem 2 Tag fängt bei anderen der kalte Entzug von frachmichwasfürPillen an.

Ja, das Showbiz ist hart. Und ein jedes Ding im Leben hat seinen Sinn – ich weiß wieder, warum ich langweilig BWL studiert habe, statt die schnelle Karriere beim Fernsehen zu machen – obwohl man ja weiland zu meiner Zeit noch wirklich was können oder leisten mußte, um da rein zu kommen. *Ich* bin jetzt wenigstens kein abgehalfterter, arbeitsloser Möchtegernewieder-Promi, der alles tut um wieder ins Geschäft zu kommen. Ich bin nur eine panische Spätgebärende mit Ringen unter den Augen – hätte auch nicht gedacht, dafür einmal dankbar zu sein.

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Published in: on 12. Januar 2008 at 20:57  Schreibe einen Kommentar