One of those days

Manche Tage sind besser als andere. Dieser heute war schlechter.

Ich wollte heute in die große Stadt. Nicht irgendwo in die große Stadt – nein, nach Steglitz. Dort wohnen zwar nicht die elegantesten Menschen der Hauptstadt, aber doch schon Teile des oberen Viertels. Da will man sich nicht gleich als Landpomeranze outen, also wandet man sich nett, entscheidet sich für Linsen statt Brille und natürlich wird sich geschminkt. Das heißt, ich wollte das tun. Aber wer zwei Kinder hat, die ebenfalls morgens fertig gemacht werden wollen und einen Mann, der bis tief in die Nacht gearbeitet hat – der versteht, was ich mit „die Unvollendete“ meine. Nachdem ich also ungelogen in jeder Bekleidungsstufe einmal rausgeschossen kam, um die Kinder vor dem gegenseitigen Massakrierungstod und den Autor vor dem Aufwachen zu retten, beließ ich es beim alltäglichen Nullachtfuffzehn Programm.

Bei der Eingewöhnung bei der Tagesmutter, zeigte Kind Nummer Eins, sonst die Liebe in Person, den anderen Kindern erstmal wo der Hammer hängt. Rein körperlich seltsamerweise der zierlichste, wurde den anderen Kids eindrucksvoll gezeigt, wer hier der neue Boss ist – was die sich auch gefallen ließen (Kunststück, er hat ja eine große Schwester, an der er übt). Die Tagesmutter deutete dann auch sehr vorsichtig an, daß er doch vielleicht das Wort „Nein“ noch verinnerlichen müsse. Wem sagt sie das?!

Dann nach Hause, Sohn beim Autor abgeliefert, in die – hochhackigen – Stiefel rein und ab zur Bahn. Im Zeitungsshop ist mir dann aufgefallen, daß ich leider meine Geldbörse zu Hause hab liegen lassen.
Mit Geld, Kreditkarten und Fahrkarte drin. Also Kommando zurück und wieder heim laufen, weil ich ja das Auto für Autor und Kinder gelassen hatte. Weil es dann aber mehr als knapp wurde, bin ich mit dem Rad zur S-Bahn gefahren. Ganz schlechte Idee, wenn man einen Mantel an hat. Den ich dann morgen gleich mal in die Reinigung bringen darf, weil er es mir übelgenommen hat, zwischen Reifen und Schutzblech zu kommen – unnötig zu sagen, daß es gerade geregnet hatte und dementsprechend meine Reifen und jetzt sieht der Mantel dementsprechend aus.

Auf dem Bahnsteig sprach mich dann ein pubertärer Jüngling an „Haben Sie mal Feuer?“ Sie. Sie! Gemeinhin bin ich ja sehr für gute Manieren, aber wenn schon rebellische Dorfjugendliche anfangen mich zu siezen, dann seh ich so alt aus, wie ich nie werden kann.

Also bin ich in Steglitz in eine Parfümerie und wollte neben der Tagespflege noch eine spezielle Augen-Antifalten-Creme.
„Ja, da hätten wir einmal die mit vorbeugender Wirkung und diese hier, die schon vorhandene Fältchen reduziert – warum probieren Sie die nicht mal aus?“ Ich hab sie gekauft.

Und bevor noch irgendetwas anderes passieren kann, bin ich danach dann sofort nach Hause und hab mich ins Bett gelegt. An manchen Tagen sollte man einfach nicht aufstehen. Und wenn sich das schon nicht verhindern läßt, dann sollte man wenigstens zu sehen, daß man sehr schnell wieder da rein kommt.

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Published in: on 17. März 2008 at 20:47  Schreibe einen Kommentar  

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