Neulich im Supermarkt

Als ich noch dachte, ich wäre Ostern in anderen Gefilden und der Autor allein zuhaus, kaufte ich gegen 11 Uhr des Vormittags viel, viel gefrorenes Fertigessen und noch mehr Ostersüsses. Das dauerte etwas länger, weil es einfach so voll war, daß ich mich in Kriegszeiten zurückversetzt sah. Kind Nummer Zwei hielt nicht durch. Er schaut mich kurz vor der Kasse mit glasigen Augen an und knallte unschön mit dem Kopf auf den Handlauf vom Einkaufswagen.

Also schnell zur Kasse, damit das Kind noch schneller ins Auto kommt. Hinter mir ein älteres Ehepaar, dahinter eine Riesenschlange. Ob des mit dem Kopf hin und her schwankenden Kindes, ging es bei mir nicht wirklich schnell. Zumal er dann auch aufwachte und bitterlich schrie. Woran denkt man automatisch in so einer Situation? Kurz vor den Feiertagen, Riesenschlange hinter mir, schreinendes Kleinkind und Mutter dadurch mehr als langsam? Genau – man erwartet quasi giftige Blicke und ätzende Kommentare. Ich begann schon zu schwitzen, in Erwartung dessen, was denn da gleich kommen sollte.

Mitnichten. Der ältere Herr hinter mir versuchte erst den Kleinen zu trösten und als das nicht fruchtete, nahm er mir kurzerhand die Waren vom Band und meinte

„Darf ich kurz helfen?“

und packte mir meinen Wagen. Seine Frau machte hilfreiche Bemerkungen. Die Kassierin murmelte etwas von

„Lassen Sie sich Zeit“

Und die wachsende Schlange hinter uns überschlug sich mit Bekundungen wie

„Ach, ist ja auch viel für so einen Kleinen“
„Haben Sie gesehen, wie süss er geschlafen hat“
„Ach schön, daß es sowas noch gibt“

Ich war total verwirrt. Sowas geht normalerweise in Deutschland gar nicht und schon mal überhaupt nicht vor einem Feiertag. Die Leute hatten eindeutig nicht den Verhaltenskodex gelesen.

Aber vielleicht tut sich einfach was in diesem Land. Vielleicht begreifen die Menschen auch, daß Kinder zwar oft nervig sind, aber zum Leben dazugehören. Ich jedenfalls habe mich nach allen Seiten bedankt und als wir die Kasse verließen, stellte mein Sohn das Gebrülle ein und winkte den Leuten sein einmaliges „Bye-Bye“ zu. Und ich schwöre, alle Leute dort hatten ein Lächeln auf dem Gesicht.

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Published in: on 22. März 2008 at 07:40  Schreibe einen Kommentar  

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