Neues Kind – gleiches Drama

Natürlich wollte ich, daß Kind Nummer Zwei zur Tagesmutter geht, damit ich mal wieder was für mich tun kann zum arbeiten komme. Ich weiß auch, daß ich mich aufgeregt habe, daß es keine freien, guten Tagesmütter zu dieser Jahreszeit ist. Und mir ist wie jedem anderen, der mein sehr dominantes Kerlchen kennt, klar, daß er die Sozialisation in einer Gruppe Gleichaltriger braucht. Und ich kenne alle Studien zum Thema „Fremdkinderbetreuung und warum wir mehr Krippenplätze in Deutschland brauchen“. Solange das alles theoretisch ist und nicht mich selbst betrifft, ist das alles richtig, gut und wichtig.

Aber: Es hilft alles nix! Ich fühlte mich wie die letzte Rabenmutter, als ich mein Kind zu der weltbesten (was sonst?) Tagesmutter gab. Und ich fühlte mich paradoxerweise noch schlechter, daß er dort seit heute (also nach genau einem Tag) auch noch anstandslos schläft – guuuuuuuut, wir haben ein paar Tricks angewandt, aber prinzipiell ist er ohne jegliches Weinen und ohne Probleme eingepennt. Nicht davon zu reden, daß er mir dann nachmittags strahlend und übersprudelnd in die Arme gelaufen ist.

Anstatt mir selbst zu sagen, was ich für gute Arbeit in Sachen Urvertrauen geleistet habe, hab ich ein schlechtes Gewissen. Hrmpf!

Aber wenigstens ist es das zweite Kind. Das Nachgeborene hat für die Mutter immer einen Vorteil: Ich weiß, daß das schlechte Gewissen nicht komplett schwinden wird. Aber ich weiß, daß eine partielle Betreuung durch eine andere Person diesem Kind, dem anderen Kind und deren Eltern sehr, sehr gut tun wird.

Und damit kann ich sehr gut leben.

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Published in: on 2. April 2008 at 19:40  Schreibe einen Kommentar  

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