Food, Life, Reise

Wickelwüste McDonalds

Nicht nur Elektronikteile mögen mich nicht. Nein, auch McDonalds hat mich zu seinem persönlichen Feind erklärt. Sei es nun, daß ich immer in der Filiale lande, die gerade extreme Probleme mit der Personalplanung und/oder der Heizung haben oder aber ich die wirklich Einzige bin, die ihren Burger nicht bekommt. Gerne warte ich auch im Drive in mal 10 Minuten auf meine Bestellung, was dann sogar schon dem Mann von der Parkbank aufgefallen ist, der mal mit mir 9:50 Minuten gewartet hat.

Nun könnte man mir sagen, ich solle doch einfach nicht mehr hingehen. Ein guter Einwand, dem ich auch gerne folgen würde. Allein, ich habe ein Kind im kindergartenpflichtigen Alter und einen Mann, der es als seine Pflicht als amerikanischer Staatsbürger ansieht, seinen Kindern, die hier, gemessen an den USA in der fastfoodtechnischen Diaspora leben, bestimmte patrotische Lebensweisen beizubringen. Und ich gebe zu, es gab eine Zeit, in der man mit Kindern auch mehr als gut in der Restaurant zum Goldenen Bogen gehen konnte – immer kinderfreundlich, die Pänze können dort spielen und ein Wickeltisch gehörte zur Einrichtung.

Nun, ich war ja in der alten Heimat, im Westfalenland, östliches Münsterland, Stadt mit 50000 Einwohnern, ein McDonalds – pardon, McCafé. Da wir nicht mit den Kindern kurz vor einer knapp fünfstündigen Fahrt in ein Restaurant wollten, wo sie still sitzen müssen, entschieden wir uns für eben jenes Essen. Wobei mein Vater ja von jeher bezweifelt, daß man es dort Essen nennen kann. Ich hingegen nahm die Kette in Schutz und meinte nur:

„Naja, hier kann ich wenigstens sicher sein, daß ich einen Wickeltisch habe“

So sprach ich also, nahm Kind Nummer Zwei aus seinem Stuhl und ging Richtung Toiletten. Keine Tür mit Wickelraumzeichen. Egal, ich hab schon mal ein Restaurant erlebt, in dem ich um das Gebäude gehen mußte, um meinen Sohn zu wickeln. Also hab ich die nette Mitarbeiterin gefragt:

„Entschuldigung, wo ist denn bitte der Wickelraum“

„Den haben wir schon seit einem Jahr nicht mehr, seit dem Umbau zum McCafé“

„Wie bitte??? Das ist nicht ihr Ernst“

„Doch, doch, tut mir wirklich sehr leid“

„Und wo bitte soll ich jetzt meinen Sohn wickeln?“

An dieser Stelle, warf der Autor später ein, hätte ich einfach einen Tisch mitten im Restaurant wählen und das Kind wickeln sollen – ich bin zwar ein sehr offener Mensch, aber bestimmte Dinge finde selbst ich eklig. Für mich, mein Kind und den Rest der Gäste. Ne, sowas tu ich nicht. Aber vielleicht hätte es Wirkung gezeigt.

So machte ich noch ein zwei empörte Bemerkungen und die nette Mitarbeiterin wandte sich an den auch sehr netten Schichtleiter. Der entschuldigte sich wortreich und bot mir ein kleines Kabuff an, in dem sonst die Essensreste sortiert werden. Er desinfizierte die Arbeitsfläche, entschuldigte sich noch mehr („Wir haben uns schon zweimal bei der Direktion beschwert“), fragte, ob es denn gehen würde und empfahl sich. Nun habe ich meine Kinder schon an vielen seltsamen Orten gewickelt und das ist eben einer mehr in meiner Sammlung – jedenfalls weiß ich jetzt, nach welchem System dort der Müll sortiert wird. Auch eine Erfahrung, die nicht jeder macht.

Lieber McDonalds-Pressesprecher/in, wenn Sie das hier lesen, es wäre nett, wenn Sie mir mal einen Grund geben könnten, warum ich jetzt noch Ihr Restaurant aufsuchen sollte. Aufgrund der Kinderfreundlichkeit? Mein Grieche um die Ecke und so in etwa jede Autobahnraststätte entlang der A2 (ich weiß das, ich hatte sie alle!) ist mindestens genauso kinderfreundlich wie Ihre Restaurants – und die anderen haben Wickeltische. Weil es günstig ist? Da gibt es preiswertere Alternativen, jeder türkische Imbiß zum Beispiel. Weil Fast Food so gut schmeckt? Selbst wenn man das denken würde (und erwähnte ich die amerikanische Seite dieser Familie?), die Alternativen namens BurgerKing oder KFC sind nicht wirklich schlechter.

Ich gebe zu, wirklich fassen kann ich es aber immer noch nicht – jahrelang ist die Kette Vorreiter was Restaurants und Kinder angeht. Kaum tut sich was in deutschen Landen und die Besitzer selbst von Gourmettempeln begreifen langsam, daß auch Menschen, die sich auswärts essen leisten Kinder haben können, beschließt der Pionier, daß Eltern mit Kindern nicht mehr die Zielgruppe sind.

Ich hoffe inständig, daß das nicht der neueste Trend wird.

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Life

Die Matrix lebt

Elektronische Geräte mögen mich nicht. Also gar nicht. So überhaupt nicht. Es gibt keinen Computer, den ich nicht zum Absturz bringe – gebt mir eine Woche und ich bringe die ISS unplanmäßig und in Einzelteilen auf die Erde zurück. Ohne den Umweg des Verglühens in der Erdatmosphäre versteht sich – das würde mich ja der Entsorgung entheben.

Deswegen hab ich auch den Meister aller elektronischen Teile gebeten, mir beim Kauf des Geburtstagsgeschenkes für den Autor (einen LCD-Fernseher) behilflich zu sein. Und nach nur 5 Wochen sehr geduldigen Erklärens seinerseits, Gesuche und Gerödele hab ich auch einen bestellt.

Zwei Tage nach der Bestellung ging die Fernbedienung unseres SAT-Receivers kaputt – ein Ersatz hätte die Hälfte von dem gekostet, was das Teil im letzten Jahrtausend mal gekostet hat. Nun bringt mal einem Mann bei, warum man einen irre tollen (der Elektronikmeister war wieder hilfreich) Reciever braucht, wo man doch nur eine alte Möhre von Fernseher hat, der quasi noch mit der Handkurbel betrieben wird. Das Lügennetz, das ich gesponnen hatte umfaßte halb Brandenburg. Gut, aber ich habe mich durchgesetzt und einen neuen gekauft. Das war vor drei Wochen.

Heute kam dann endlich der Fernseher – ein Traum aus glänzendem Schwarz und gestochen scharfem Bild. Der Autor beschäftigte sich den ganzen Nachmittag damit, ich hingegen vertrieb mir betont gelangweilt mit Trash-Literatur die Zeit, damit das neue Ding nur bloß nicht mitkriegte, das ich im Raum bin. Das ging auch soweit gut – bis der Autor eine DVD ausprobieren wollte. Und hier gehen die Meinungen jetzt auseinander, ob Kind Nummer Zwei die Fernbedienung geschreddert oder sie freiwillig ihren Geist aufgegeben hat. Ich tendiere aus Erfahrung zu Letzterem.

Ein Anruf beim Kundenservice nach einer neuen Fernbedienung brachte nur mühsam unter Kontrolle gebrachtes Prusten und den Hinweis

„Versuchen Sie es mal bei ebay“

ein. Weswegen wir uns entschlossen in die Stadt zu fahren und uns entweder a) einen blue ray recorder, b) einen DVD-Player oder c) eine Playstation 3 zu kaufen. Aufgrund der Vorkommnisse der letzten Wochen waren mir die Möglichkeiten a und c schlicht zu teuer – wer weiß, wann die Strähne hier aufhört. Ob der nicht ganz so geringfügigen Ausgaben von Fernseher und kaputtem Auto der letzten Wochen entschieden wir uns für ein kleines, sehr billiges No-Name Produkt von dem wir jetzt sicher sein können, daß das Teil sich wahrscheinlich standhaft weigern wird kaputt zu gehen, wenn wir gerne mal wieder was Neues hätten

Aber das wäre vielleicht mal eine Marktlücke – für alle Männer, die gerne ein neues elektronisches Spielzeug, deren Frau/Freundin/Gewissen aber sagt, man brauche es nicht, ich bin Eure Lösung. Laßt mich einfach nur ein paar Minuten im selben Raum wie das betreffende – elektronische – Gerät, bei schwierigen Fällen spiele ich ein wenig mit der Fernbedienung. Spätestens nach fünf Tastenkombinationen ist das Ding hin. Versprochen.

Da ich aber an die kollektive Vernetzung von Geräten glaube, werde ich jetzt mal meinen Laptop schließen – nur für den Fall, daß er liest, was ich schreibe und auf dumme Ideen kommt.

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Life

Ich geb Gas, ich will Spaß

Nachdem mir kryptisches Geschreibsel im letzten Post vorgeworfen wurde hier also meine letzte Abenteuerfahrt in die alte Heimat.

Donnerstagmittag hatte ich also Kinder und den halben Hausstand in meinen an sich sehr verläßlichen Kombi gepackt und bin den Weg 500km nach Westen angetreten. Kaum war ich eine Stunde von zuhause entfernt und will einen LKW überholen, tuckert der Wagen mit 100, 101, 102, 103, 104, 104,5, 104,58km/h auf der linken Spur und will und will nicht schneller als 130 fahren – und das auch nur nach 2 Minuten auf dem Gas stehen. Eine nicht ganz ungefährliche Angelegenheit, wenn hinter mir einer mit 180 angerauscht kommt und dann kurz hinter mir abbremsen muß. Also den Kindsopa angerufen, damit der einen Termin beim örtlichen Vertragshändler macht. Und während wir noch reden, tut der Wagen plötzlich einen Ruck, schnurrt der Tiger im Tank und zzzzzzzzt sind wir am LKW vorbei.

In der Annahme, daß da wohl nur was freigepustet werden mußte, fuhr ich also bester Laune weiter. Um beim Überholmanöver 15 Minuten später wieder eine Gefahr für alle dynamischen Fahrer dieser Welt darzustellen. Also wieder Vattern angerufen. Das Ganze wiederholte sich dann des öfteren, beim fünften Mal hab ich aufgehört zu zählen. Dazu hatte ich auch gar keine Zeit mehr, ich hatte alle Hände voll damit zu tun, über die Berge mit einem unzuverlässigen Auto zu kommen und gleichzeitig meine Tochter dazu zu motivieren, den Affen für meinen Sohn zu machen, damit der wiederum bei Laune bleibt. Denn eine Pause war nicht drin, ich wußte ja nicht, ob das Abstellen des Motors selbigen vielleicht dazu veranlaßt, nur noch auf 80km/h hochzugehen. Nur gut, daß Kind Nummer Zwei leicht zu beeinflussen und Kind Nummer Eins noch leichter zu bestechen sehr verständig ist.

Nachdem der Wagen dann am nächsten Tag „an diversen Schläuchen“ (O-Ton gewisser Beobachter – *ich* dachte ja immer, ein Mechaniker würde die Motorhaube aufmachen, „Hmhm, soso, aha“ sagen und dann sofort wissen, was los ist, aber das war wohl mal) hing, war klar, das irgendso ein dämliches Ventil defekt war. Ist dann für einen exklusiven Wochenendtrip mal eben erledigt worden. Aber was tut man nicht alles für ein glückliches Auto.

Und das Gefühl wieder mit einem sicheren Wagen zu fahren hat auch was für sich.

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Life, Reise

Die Stilldemenz hält diesmal lang an

Ich bin nämlich in der alten Heimat, habe zwar meinen Laptop mit aber leider nicht mein Neztteil – das hängt am Strom (ohne Laptop) etwa 500 km weiter nordöstlich.

Ich melde mich dann wieder, wenn ich Sonntag wieder bei Autor und Netzteil bin. Und dann erzähle ich Euch die Story über ein kaputtes Auto, zwei Kinder auf der Rückbank, Bergen und vielen, vielen LKW…

Drückt mir mal die Daumen, daß ich überhaupt je meine neue Heimat wiedersehe – in einer vertretbaren Fahrtzeit

 

 

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Family, Life

Neues Kind – gleiches Drama

Natürlich wollte ich, daß Kind Nummer Zwei zur Tagesmutter geht, damit ich mal wieder was für mich tun kann zum arbeiten komme. Ich weiß auch, daß ich mich aufgeregt habe, daß es keine freien, guten Tagesmütter zu dieser Jahreszeit ist. Und mir ist wie jedem anderen, der mein sehr dominantes Kerlchen kennt, klar, daß er die Sozialisation in einer Gruppe Gleichaltriger braucht. Und ich kenne alle Studien zum Thema „Fremdkinderbetreuung und warum wir mehr Krippenplätze in Deutschland brauchen“. Solange das alles theoretisch ist und nicht mich selbst betrifft, ist das alles richtig, gut und wichtig.

Aber: Es hilft alles nix! Ich fühlte mich wie die letzte Rabenmutter, als ich mein Kind zu der weltbesten (was sonst?) Tagesmutter gab. Und ich fühlte mich paradoxerweise noch schlechter, daß er dort seit heute (also nach genau einem Tag) auch noch anstandslos schläft – guuuuuuuut, wir haben ein paar Tricks angewandt, aber prinzipiell ist er ohne jegliches Weinen und ohne Probleme eingepennt. Nicht davon zu reden, daß er mir dann nachmittags strahlend und übersprudelnd in die Arme gelaufen ist.

Anstatt mir selbst zu sagen, was ich für gute Arbeit in Sachen Urvertrauen geleistet habe, hab ich ein schlechtes Gewissen. Hrmpf!

Aber wenigstens ist es das zweite Kind. Das Nachgeborene hat für die Mutter immer einen Vorteil: Ich weiß, daß das schlechte Gewissen nicht komplett schwinden wird. Aber ich weiß, daß eine partielle Betreuung durch eine andere Person diesem Kind, dem anderen Kind und deren Eltern sehr, sehr gut tun wird.

Und damit kann ich sehr gut leben.

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