Deutsche in Spanien

Das nächste Mal, wenn ich mich über die deutsche Bürokratie aufrege, dann werde ich mich damit trösten, dass andere Länder auch nicht besser dran sind.

Ort: Spanien
Zeit: so gegen 10 Uhr
Gelegenheit: Sektfrühstück

Zeitgleich klingeln des Vaters und mein Handy. Auf meinem ist mein Bruder, der mir sagt, daß die spanische Bank was irre Wichtiges von meinem Vater will. Auf dem von meinem Vater besagte Bank, die die Nummer von meinem Bruder bekommen hat (kommt noch wer mit?). Auf jeden Fall sagte die sehr nette, deutsch sprechende Angestellte, es täte ihr furchtbar leid, aber sie müsse die Konten sperren, sie hätte Bescheid von der Polizei bekommen, mein Vater wäre jetzt Resident. Das war es. Keine Erklärung, kein warum, wieso, weshalb. Die Polizei hätte das dann mal so entschieden und eine CD geschickt, auf der alle neuen Residents drauf waren.

Ich also meinen Sekt warm werden lassen und mit meinem Vater die 30km zur Bank. Dort stellte sich raus, daß das Ministerium für frachmichwas in Auftrag gegeben hat, Ausländer aufzuspüren, die eigentlich in Spanien leben, dort aber nicht mit Hauptwohnsitz gemeldet sind (und dort somit auch keine Steuern zahlen). Soweit, so nachvollziehbar. Aber mein Vater war letztes Jahr ganze drei Mal da – und jeweils nicht viel länger als eineinhalb Wochen. Er kann das anhand der Tickets auch beweisen. Allein – das half nicht. Auf der CD der Ausländerpolizei war er Resident und deswegen ging gar nichts mehr. Punkt.

Nach einigem Hin und Her und Versicherungen, ganz bestimmt nicht hier zu wohnen, hat sie bei der Zentrale angerufen – und siehe da: Die Behörde hatte sich schon gemeldet, es seien „Fehler unterlaufen“ und in zwei bis spätestens drei Tagen wäre alles wieder gut. Bis dahin – Perdón!

Nun sind die südeuropäischen Länder für ihre entspannte Lebensart bekannt. Stichwort: manana (die Welle über dem ersten n find ich grade nicht). Übersetzung: Komm ich heut nicht, komm ich morgen.
Und so hat niemand, niemand damit gerechnet, daß die Konten wieder in der Zeit freigeschaltet werden, in der ich zumindest noch da bin. Und so planten wir für alle Eventualitäten – sehr Deutsch eben. Wir haben sogar den schlimmsten Fall durchgekaut – ob wir Vattern aus dem Gefängnis auslösen sollen oder ob Carepakete reichen, falls er bei der Ausreise hopps genommen werden sollte.

Aber Wunder geschehen immer wieder immer wieder. Als ich am Montag ohne große Hoffnung anrief, war alles wieder in Ordnung und man versicherte mir, dass nichts mehr nach kommen würde. Bis zum nächsten Mal.

Es wird Zeit, dass ein ordentlicher deutscher Bürokrat denen da unten mal beibringt, wie man solche Sachen ordentlich zeitlich verschleppt.

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Published in: on 16. Mai 2008 at 19:54  Schreibe einen Kommentar  
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