Aufgabenteilung

In jeder Beziehung gibt es ja immer eine gewisse Aufgabenteilung. Bei uns sind die klar definiert. Ich bin für die psychologische Kriegsführung zuständig, der Autor für die praktische Durchführung der Schlacht. So auch heute. Meine Tochter war die einzige 5-Jährige diesseits der Spree, die noch kein Fahrrad fahren konnte. So sportlich sie sonst ist, da hat sie sich angestellt wie ein Affe auf den Schleifstein.

Heute hatte ich genug, ich mag nicht immer mit dem Wagen erst Tochterkind und dann Sohnemann wegbringen, nur weil sie kein Rad fahren kann. Mit dem Roller haben wir nämlich mehr als unbefriedigende Ergebnisse erzielt auf die Distanz.

Also hab ich Kind Nummer Zwei heute auf den Kindersitz gesetzt und Kind Nummer Eins mußte nebenher laufen. Bei jedem Kind in ihrem Alter, das uns auf dem Fahrrad entgegen kam hat die böse Rabenmutter Sätze gesagt wie

„Schau, ein Kind auf einem Fahrrad“

Und kurz vor dem Kindergarten kam dann

„Sag mal, bist Du eigentlich die einzige aus Deiner Gruppe, die kein Rad fahren kann?“

„Ja“

„Und die Kinder aus den Strolche-Gruppe [die Gruppe unter ihr, Anm.d.A]? Da kommen doch auch schon viele mit dem Rad, oder?“

An diesem Zeitpunkt lief sie dann vor und war nicht mehr für mich zu sprechen.

Zeitsprung: Nachmittag, gegen 16.30 Uhr, Kind fängt an zu meckern, wenn keiner mit ihr übt, dann könne sie das auch nicht lernen (womit sie unbestreitbar recht hat, das kluge Kind). Also mußte der Autor ran. Er nahm das Kind und das Rad und verschwand Richtung Parkplatz unseres Dorffußballplatzes. Und kam nicht wieder. Und kam nicht wieder. Und kam immer noch nicht wieder. Als beide auch eine dreiviertel Stunde später immer noch nicht wieder da waren, nahm ich den Unter-ein-Meter-Vertreter der Familie auf die Hüfte und ging zum Übungsplatz, das Handy hatte ich vorsichtshalber mit, falls ein Notarzt von Nöten gewensen wäre. Und stand im wahrsten Sinne des Wortes im Staub, den meine Tochter durch plötzliche Geschwindigkeitsaufnahme erzeugte. Sie fuhr, schnell und sicher und war total begeistert.

Als sie mich sah, sprang sie ab, rammte die Beine in die Erde und rief

„Guck mal Mama, ich kann Fahrrad fahren, bist Du stolz auf mich?“

Und weil sie meine Tochter ist, kam gleich ein

„Krieg ich ein Eis?“

Sowas nennt man maximale Gewinnausschlachtung oder so ähnlich.

Natürlich hat sie das Eis bekommen und natürlich will sie morgen in den KiGa mit dem Rad fahren. Ich hab zwar noch nicht die geringste Ahnung, wie wir ihr beibringen, daß Bremsen eine gute Sache ist (sie kommt da etwas nach meiner Seite der Familie), aber wenigstens haben wir bewiesen, daß eine sinnvolle Arbeitsteilung eine gute Sache ist.

Jetzt muß ich nur noch dem Autor beibringen, wie irre pragmatisch es wäre, wenn ich koche und er dafür dann das Schlachtfeld in der Küche beseitigt.

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Published in: on 21. Mai 2008 at 20:03  Schreibe einen Kommentar  

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