Internet, Life

Was hast Du denn gerade an?

Ich bin ja nun offensichtlich ein Kind der Internet-Generation. Und ich liebe es. Ich kann mit Freunden in Seoul Kontakt halten, ohne ein Vermögen zu vertelefonieren. Ich lerne neue, interessante Leute kennen, ohne durch die Republik – ach was sage ich, die Welt – reisen zu müssen. Ich kann von zuhause aus arbeiten und trotzdem meinen Kindern gerecht werden – naja, irgendwie zumindest. Und die Großeltern im entfernten großen Land können quasi täglich an den Entwicklungssprüngen ihrer Enkel teilhaben – Videochat sei Dank.

Aber da ist leider auch die Krux – Kunden geben sich heute nicht mehr mit einem Telefonat zufrieden – oh nein…Es muß eine Videokonferenz sein, damit man sich „auch mal in die Augen gucken kann“

An sich eine gute Sache. Nur leider halte ich sonst meine Telefonate während ich gerade die Spülmaschine ausräume. Ich schreibe Mails, während nebenher die Waschmaschine läuft. Und ich suche mir relevante Informationen, während ich auch auf privaten Seiten surfe.

Tja, das ist dann wohl vorbei. Das Internet gibt uns die Freiheit, zu arbeiten von wo und wann wir wollen. Leider aber nicht, wie wir wollen.

Ich geh mich dann mal aufbrezeln – mit Haare machen, Kostümchen (zumindest obenrum) und Schminke. Wetten, daran hat Tim Berners-Lee dereinst nicht gedacht?

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Family, Life

Ja ist denn schon Karneval

Und wieder einer, den Kind Nummer Eins rausgehauen hat:

Wir kommen von einer Grill-Party wieder, es ist kurz vor neun und der Autor und ich sinnieren darüber, daß wir in einer anderen Zeit uns jetzt gerade erstmal fertig gemacht haben, um auf die Rolle zu gehen. Wie auf Bestellung taucht auf dem Bürgersteig ein Gothpaar auf – das Mädchen hat kleidungs- und schminktechnisch mehr als starke Ähnlichkeiten mit mir vor etwa 15 Jahren. Von schräg hinten kommt aufgeregt:

„Guck mal Mama, die glauben es ist Fasching, die haben sich verkleidet!!!“

Sowas in der Art hat mein Vater meiner Zeit auch immer gesagt. Wetten, dieses Kind wird Popper?

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Family, Life, Reise

Das bißchen Arbeit

Gestern bei der rein kindertechnisch besten Tagesmutter der Welt. Sie brauche nächste Woche drei Tage frei – aus gesundheitlichen Gründen. Ich war nicht begeistert, vor allem weil Kind Nummer Eins ab übernächster Woche für drei ganze Wochen Urlaub hat. Und darauf der Kurze auch noch eine Woche, weil sich Kinder- und Tagesmutterurlaub um eine Woche überschneiden, aber gut, wenn es denn gesundheitlich sein muß, dann…worauf mich die Tagesmutter unterbricht mit den Worten, sie hätte doch ihren Urlaub verschieben müssen um eine Woche, weil zwei Eltern nicht konnten. Und zwar nach hinten. Und ups, sie hätte total vergessen, mir das zu sagen, weil ich zu dem Zeitpunkt ja im Urlaub war (das war vor vier (!!!) Wochen) und eigentlich hätte sie auch nicht gedacht, daß das ein Problem sei, schließlich würde ich ja von zuhause aus arbeiten.

WAH! Ja, das entscheidende Wort heißt hier arbeiten.

Ich war wirklich nur sehr mühsam beherrscht, als ich ihr erklärte, daß nur, weil ich von zuhause aus arbeite, es nicht heißt, daß ich nicht Abgabetermine oder aber Außenmeetings habe. Langsam komm ich mir vor, wie ein Teil der arbeitenden Bevölkerung zweiter Klasse. Nachbarn fragen, was ich eigentlich den ganzen Tag zuhause mache (den Garten ja ganz offensichtlich nicht), Großeltern sind der Meinung, man könne frei nehmen, wann man will (ich arbeite ja nur so ein wenig rum zum Spaß) und Auftraggeber denken, man kann ihre Sachen sofort bearbeiten, weil man ja nur drauf wartet (und sonst als Mutter total unterfordert ist und somit dankbar für jede Nicht-Kinder-Arbeit ist). Von daher ist das jetzt wohl die logische Konsequenz.

So mit einem Tag Abstand schwanke ich gerade zwischen immer noch überschäumender Wut und fassungslosem, hysterischem Lachen. Vor allem, weil die Aussage diesmal von einer Frau kommt, die schließlich auch zuhause arbeitet. Eine Freundin meinte, ich solle ihr demnächst ohne Vorwarnung meinen Sohn um 18 Uhr abends bringen, wenn ich einen Abendtermin habe, mit den Worten, sie sei doch eh zuhause, dann könne sie auch eben mal meinen Sohn sitten.

Da das nicht geht und wir alle irre gesittet sind, werde ich also zusehen, wie ich Auftraggeber vertröste, ein extensives Kinderbespaßungsprogramm aufbauen, damit die Gören nach dem Abendessen totmüde ins Bett fallen, damit ich wenigstens ein paar Stunden am Abend habe und ansonsten die Tagesoma wieder aktiviere.

So als selbstständige Mutter, die von zuhause aus arbeitet habe ich ja sonst nichts zu tun und bin ja so froh, daß endlich die Leere ausgefüllt wird, die hier sonst den ganzen Tag herrscht.

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Life, Wii

Schummeln gilt nicht

Gerade bei der Wii. Nach drei Wochen nehme ich allen Mut zusammen und lasse zu Kontrollzwecken meinen BMI neu bestimmen.

Ich stehe also auf dem Brett, gebe die erforderlichen Daten ein und höre nach dem

„One.Two.Three. Measuring. Measuring. Measuring.“

Kind Nummer Eins von schräg hinter mir sagen:

„Maaamaaaaa, Du hast der Wii gesagt, daß Du heavy clothes anhast. Du hast aber nur ein T-Shirt an. Du schummelst!“

Diese Art von Ehrlichkeit hat das Kind eindeutig vom Vater. Eindeutig.

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Family, Life

Tätowierungen kann jeder

Unser Bruchpilot hat uns ein ganz besonderes Geschenk zum 4. Juli gemacht. Und zwar erst ganz am Ende des Tages, als wir schon mit unseren Gästen schon fast in den letzten Zügen lagen. Kind Nummer Zwei wurde gerade bettfertig gemacht, war immer noch total aufgedreht, legte den Kopf in den Nacken, schwang sich mit Elan die amerikanische Flagge über das Gesicht und rannte los.

Direkt auf die Kante der Anrichte zu.

Sohn sah nichts und die Anrichte stand auf dem Standpunkt, daß sie schon immer da stand und wich auch nicht aus. Kind knallt mit der Stirn voll auf die Ecke, prallt zurück und schreit wie am Spieß (logisch, hätte ich auch). Nun hilft Mamas Arm und viel Eis von innen und aussen Wunder. Eingetrübt war er nicht und auch das brechen wurde uns erspart, also haben wir drauf verzichtet, der Notaufnahme den zweiten Besuch innerhalb von einem Monat zu machen.

Nun ist mein Sohn recht hellhäutig – genau wie die gesamte Possumfamilie – aber der Schreck hat ihn richtig weiß werden lassen. Die Beule verfärbte sich aber recht schnell blau und in der Mitte, da wo die Kante das Kind gehauen hat, verläuft ein kleiner, roter Strich. Von Kind Nummer Eins weiß ich zwar noch, daß es durchaus kompliziert sein kann, die amerikanische Staatsbürgerschaft zu erlangen – aber soweit ich weiß wurden Körperzeichnungen in den Landesfarben noch nicht verlangt.

Wir werden die Sache mit dem Patriotismus noch mal besprechen müssen, glaub ich.

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Life

Im Osten nichts Neues

Es ist heiß. Sehr heiß. Die Kinder können nicht schlafen. Die Mutter kann nicht arbeiten und denken auch nicht. Und Saftschorlen kann hier schon lange keiner mehr sehen.

Doch pünktlich zu Freitag soll es dann endlich auch hier regnen. Ne, ist klar. An dem Tag, an dem ich hier eine Party zum 4. Juli gebe – wozu ist man schließlich binational verheiratet, wenn man nicht wenigstens die Feiertage mit den dazugehörigen Feten verdoppeln kann.

Jetzt kann ich mich im Netz rumtreiben und rausfinden, welche Strafen darauf stehen, wenn man a) kein Feuerwerk in die Luft kriegt, b) statt BBQ die Spare-ribs in der Pfanne brät und c) die amerikanische Flagge wissentlich in den Regen hängt. Typisch!

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