Life

Ich habe ein Brot getragen

Bekanntlich war der Autor ja gestern hier. Und er war als Experte geladen und war der beste Mann da. Ich darf das sagen, ich bin seine Frau. Wenn ich auch meist die Klappe gehalten habe, weil im Moment eh nur Worte wie durch ein Reibeisen gezogen rauskommen. Irgendwann mußte ich aber was sagen und die armen Menschen dort haben sehr verschreckt geguckt.

Ich hatte nämlich auf dem Weg dorthin im backwerk Halt gemacht, um mir einen Bagel zu kaufen und dabei Paderborner entdeckt. Echtes Paderborner Landbrot. Sowas ist dieseits der Elbe so gut wie gar nicht zu bekommen. Also hab ich zugeschlagen. Leider hatte ich keine größere Tasche mit. Aber – so dachte ich – der Autor hat ja einen Rucksack. Ich als mit dem noch warmen Brot auf ins Amerika Haus. Wo alle schon sehr fein angezogen im Foyer warteten. Und niemand hatte ein Brot dabei. Und der Autor war nirgends zu entdecken.

Als ich das fünfte Mal suchend an jemand Offiziellem vorbeikam, erbarmte sich die Dame und fragte, ob sie mir helfen könne. Also sagte ich, ich würde meinen Mann suchen, der gleich auf der Bühne wäre. Ich glaube, sie hatte Mitleid mit einer Frau, die eine Stimme hat, die nur ein ergebener Mann lieben kann. Jedenfalls lächelte sie und meinte, ich solle mit in den VIP-Raum kommen. Dort durfte ich mich dann mit lauter netten und sehr interessanten Menschen hinsetzen, lecker Nüsschen knabbern und zuhören, was sie sagten. Selbst reden hab ich mir lieber aus Rücksicht auf andere Menschen mehr geschenkt. Und natürlich das Brot in des Autors Rucksack versenken.

Aber wenn das so einfach ist, backstage zu kommen, dann geh ich zum nächsten Robbie Williams Konzert nur noch mit einem warmen Brot.

Advertisements
Standard
Life

Echte Wahlversprechen

Nicht nur in Bayern sind Wahlen, es ist leider auch etwas untergegangen, daß Brandenburg Kommunalwahlen hat. Und die Parteien haben ihre Bemühungen wie immer in den letzten Zügen intensiviert. So auch dieses Mal.

Diesmal stand der politische Feind die CDU am Samstag sogar vor meinem Supermakt, vor dem man bis dato immer sehr sicher war. Der dynamische Jungpolitiker stürmte auch gleich auf mich zu, ich aber zeigte auf zwei Kinder und meinte, ich hätte schon mein Kreuz zu tragen, mit zwei kleinen Kindern an einem Samstag einkaufen zu müssen, er möge mich bitte verschonen. Da der Mann entweder Intuition oder aber eine gute Wahlkampfschule durchlaufen hat, ließ er mich auch in Ruhe, fragte aber, ob er denn den Kindern etwas schenken dürfe. Auf die Gefahr hin, enterbt zu werden, stimmte ich zu. Er gab Kind Nummer Eins dann eine CD. Mit Volksmärchen.

Das nenn ich mal eine ehrliche Wahlwerbung – die Jungs geben wenigstens zu, daß sie nix als Märchen erzählen.

Das böse Erwachen kam dann im Auto, als Tochterkind die Märchen hören wollte – und ich war ja zugegebenermaßen auch gespannt. Aber: Die CD funktionierte nicht. Gar nicht. Und das Display zeigte nur Error an – was mich mein Auto fast in den nächsten Graben hat lenken lassen.

Wir fassen also zusammen, die deutsche Parteienlandschaft gibt also zu, daß sie Märchen erzählt – und noch nicht mal die CD glaubt ihnen und weigert sich, sowas abzuspielen. Da wundert es mich dann auch gar nicht mehr, daß ich zum wählen in den Kindergarten mußte.

Standard
Family, Life

Umgangssprachliche Entwicklung eines Zweijährigen

Neulich vor dem Hause Possum. Wir gehen von der Nachbarin nach Hause, Kind Nummer Zwei rast auf krummen Beinen auf die Straße. Mutter ruft ohne große Hoffnung und schon auf dem Sprung

„Nicht auf die Straße“

Kind stoppt zum Erstaunen aller ab, geht auf die Grasnarbe zurück und läßt laut und vernehmlich ein

„Oh Mann“

hören.

Und so geht das jetzt ständig. Man verbietet das Rumschmieren bei Tisch

„Oh, Mann“

Man sagt, es sei genug mit dem 256 Abspielen einer Melodie

„Oh Mann“ – dabei werden dann die Schultern und der Kopf hängen gelassen und ein schlurfender Schritt eingenommen.

„Mama, kommt kuscheln“
„Gleich Schatz, Mama muß eben noch diesen Blogeintrag schreiben“
„Oh, Mann“

Hier werden schon Wetten abgeschlossen, wann ein „ey“ hinzugefügt wird. Was eher als mir lieb ist passieren wird, wenn ich jetzt nicht flugs seiner Aufforderung nachkomme.

Standard
Internet

Ich hab auch einen!

Jaja, ich weiß, Blogawards werden inflationär vergeben mittlerweile. Ich mache mich da auch gerne mal drüber lustig. Aber nicht so über diesen hier. Den hab nämlich *ich* bekommen und deswegen ist er natürlich was ganz, ganz anderes.

So, da isser

und bekommen habe ich ihn von ninik, meiner Cocktailschuldnerin aus dem anderen Teil Amerikas. Danke, Du bist ein Schatz – und dieses Jahr sehen wir uns! Ganz bestimmt!

Standard
Family, Life

Und siehe, er ließ mich durch das Wasser gehen

Nach dem gestrigen anstrengenden Tag hatten der Autor und ich beschlossen, einen ruhigen Tag zu machen. Und was liegt da näher, als nach dem Mittagsschlaf die Kinder zu packen und zum nahegelegenen See zu fahren, spazieren zu gehen, um danach im dazugehörigen Café sehr deutsch unseren Sonntagskaffee zu nehmen.

Auf dem Weg zum See erklärte der Autor Kind Nummer Eins irgendetwas mit Religion – im Nachhinein haben wir rekapituliert, daß Kind Nummer Zwei mittlerweile im Zuhören weiter ist, als wir bisher angenommen haben.

Kaum waren wir nämlich 15 Minuten da, stellte er sich sehr pragmatisch die Frage, wie es denn möglich sein soll, über das Wasser zu gehen.

Das er mangels Gummistiefel (es gibt noch keine in seiner Größe irgendwie) dabei nasse Füsse bekam, hat ihn nicht wirklich interessiert. Er ging weiter –

und weiter –

bis er sehr unsanft von einer höheren Macht – die ebenfalls keine Gummistiefel trug – aus dem Wasser geholt wurde.

Und erst da realisierte das Kind: „Oh, nass!“

„Bye, bye Wasser – ich komme wieder. Wir sind noch nicht fertig miteinander!“

Und so in etwa sahen seine Schuhe aus.

Seine einzigen Schuhe, da die Sandalen schon auf dem Dachboden sind und das Zweitpaar Herbstschuhe noch im Laden steht. Dafür wärmt sich das Erstpaar jetzt mit Zeitungen ausgestopft vor dem Kamin und wird hoffentlich bis morgen trocken. Holz genug zum Heizen haben wir jetzt ja.

Standard
Family, Garten, Life

Früher war alles…schwerer

Ich hab heute Holz geschleppt. Viereinhalb Raummeter. Schüttraummeter. Selbst eingebrockt. Vorgestern abend war ich nämlich virtuell unterwegs, um uns Holz für den Winter zu sichern, das uns nicht arm macht. Und da man manchmal zum rechten Zeitpunkt am rechten Ort ist, wurden mir viereinhalb Raummeter Holz, gelagert, zu einem sehr annehmbaren Preis angeboten. Lieferung frei Einfahrt. Also hab ich zugeschlagen. Nicht ohne vorher den Autor konsultiert zu haben, der ein „Aaaach, das kriegen wir schon gelagert. Bestell, alles kein Thema!“

Weiß jemand, wieviel viereinhalb Raummeter sind? Das ist eine LKW-Ladefläche. Mein Sohn ist auf des Autors Arm freudig auf und ab gehüpft, als der Kipplaster kippte. Und kippte. Und kippte. Der Berg wurde immer höher und größer, ich guckte der Autor an und der Autor guckte mich an. Dann zogen wir die Kinder an, krempelten die Ärmel hoch und fingen an, den Berg von Hand zu bewegen.

Irgendwann zwischen der 14 und 15 Schubkarre kam mir der Gedanke, daß das was von der Art hat, wie die Leute früher gelebt haben. Die Heizkraft mit den eigenen Händen zu bewegen – und unsere war immerhin schon gespalten! Dazwischen muß ein Kind gewickelt werden (und ich habe Pampers und muß mich nicht mit Waschwindeln auseinandersetzen), wieder ein wenig Holz gewuchten, das andere hat Huuuuuuunger (gut, daß noch Äpfel am Baum sind), Holz will gestapelt werden, Wäsche gewaschen (und im Garten aufgehängt – da hängt sie jetzt noch), dann etwas Holz geschichtet, es muß Mittagessen aufs Holzbrett gebracht werden, gleich nachdem ich Holz einmal quer durch den Garten gefahren habe, zwischedurch wollte ein Pferd gemistet und gefüttert werden, dann weiter Holz karren, schnell noch einen Kuchen gebacken (und siehe, es war gut getan – um 16 Uhr waren alle am verhungern, again), Holz in Schubkarren laden, Abendessen vorbereiten und in den Topf werfen (ohne Maggifx – sowas kommt mir nicht mehr ins Haus), noch mehr Holz karren, Splitter aus knapp zweijährigen Fingern entfernen, weiter Holz schieben…

Ja, meinen Tag kann man unsprünglich nennen – und jeder der jetzt einen verklärten Geichtsausdruck bekommt, der hat nicht meine Muskelschmerzen. Ja, das Holz ist irgendwie in jedem Winkel dieses Gartens verstaut, der Hof ist gefegt und sauber und die Wärme für kalte Winterabende ist gesichert. Und ich bin total fertig. Und ich werde mich jetzt unter eine heiße, neumodische Dusche stellen – so mit heißes Wasser aus Wand. Und werde dabei ein Dankgebet sprechen, daß ich im Hier und Jetzt lebe und solche Tage nur recht selten habe.

Standard
Family, Life

Die Mode des kleinen Mannes

Ein weiteres einschneidendes Erlebnis einer Mutter ist der erste Haarschnitt ihres Kindes. Ich bin da ja sehr zwiegespalten. Einerseits tut sowas immer weh – vor allem, wenn man Kinder hat wie ich, die ohne Haare auf die Welt kommen und sich dann schlicht weigern, ihrem Kopf mit sowas Unnützdem wie weichem Flaum bedecken zu lassen.

Andererseits wächst es aber dann doch irgendwann und ich mag diesen Wildwuchs nirgendwo – und Jungs mit langen Haaren – oh näääääää!

Da paßte es gut, daß die Tagesmutter fragte, ob sie des Sohnes Haare schneiden dürfe, sie mache das so gerne. Also hab ich eingewilligt und er hat wohl glücklich und stolz stille gehalten und war ganz begeisert. Er kämmt sich auch gerne und sucht sich seine Sachen selbst aus („Ne, das“ und reißt vehement alles aus dem Schrank, was auch nur ansatzweise kariert und ein Hemd ist. Alles andere wird verschmäht – außer es ist orange). Ich will einfach nicht drüber nachdenken, was das nun wieder heißen mag…

Standard