Die Sache mit der Wirklichkeit

Ich bin ja noch einen Artikel zu Frau Palin schuldig. Eigentlich wäre der in einem Satz abgetan:

Ich mag die Frau nicht.

Sie hat geschafft, was ganz wenige vor ihr geschafft haben: Innerhalb von 5 Minuten habe ich mich so über die Dame aufgeregt, daß ich mich so wirklich immer noch nicht beruhigt habe. Diese 5 Minuten waren die ersten, die von ihr international ausgestrahlt wurden. Es war an dem Tag, an dem McCain bekannt gab, daß sie seine Vize wird. Und sie stand dann da, bedankte sich wie es sich gehört, schwärmte von ihrem Ehemann (ok), erklärte wortreich den Stolz auf ihren Sohn (der – wie strategiepassend – die Tage in den Irak einzieht), dann wurden die Töchter kurz beim Namen genannt und als die Rede auf ihr jüngstes Kind, einen Sohn kam, wurde sie gleich wieder schwärmerisch und holte aus.

Merkt ausser mir noch jemand was? Für mich hörte sich das stark an, nach „Der große starke Held….und seiner Frau, die ihm tapfer zur Seite steht“. Hrmpf. Da kann ich ja gar nicht drauf.

Nun hat ja bekanntlichermaßen eine der Töchter schon vor Monaten alles getan, um aus dem Schatten ihrer Brüder heraus zu treten – was ihr absolut gelungen ist. Vom Irak-Bruder redet kein Mensch mehr, von Bristol schon – was Muttern nicht paßt, sagte sie doch, man möge ihre Familie bitte in Ruhe lassen. Und im nächsten Satz wies sie noch mal darauf hin, daß die Medien aber gerne über den kämpfenden Sohn im Irak….und so weiter. Leider spielen die da nicht mit und bestehen auf Berichterstattung von allen Kindern – oder keinem. Aber ich verliere mich…

Dat Bristolsche is also 17 und schwanger. Gut, passiert und ist gemeinhin kein Weltuntergang. Wenn, ja wenn Frau Palin nicht Enthaltsamkeit vor der Ehe gebetsmühlenartig runterrattern würde. Gepaart mit dem Verbot (wenn man sie denn verbieten lassen würde), in der Schule Aufklärungsunterricht zu geben. Hat ja gut geklappt. Jetzt mal bitte ehrlich, noch nicht mal der Papst glaubt ernsthaft daran, daß Teenies die Pfoten voneinander lassen können – das ist einfach so. Da machste nichts dran. Und ebenjenen dann die notwendigen Informationen vorzuenthalten, wie genau man sich vor den Folgen eines jeden Geschlechtsverkehres schützen kann, ist mehr als fahrlässig. Es sei denn, man kalkuliert genau das ein und will die Frauen ans Haus binden – ohne nennenswerte Ausbildung (wegen Kind). Löst das Arbeitslosenproblem. Außerdem weiß dann jeder, wo sein Platz ist. Und es spart kostbare Redezeit, wenn man zum Running Mate ernannt wird und 5 Kinder hat.

Denn natürlich wird geheiratet, natürich ist man überglücklich und natürlich wird der passende Vater stolz auf dem Parteitag der republikanischen Basis präsentiert – soviel zum Thema „Laßt meine Kinder in Ruhe“, sie reißt jetzt schon Teenies mit rein, die noch nicht mal mit ihr verwandt sind, aber wahrscheinlich keine andere Chance („It´s no choice, it´s a child“) haben. Was wiederum eine Sache ist, die Victoria schon sehr nett beschrieben hat.

Bis hierhin könnte man noch sagen, daß das alles Privatsache ist, nix mit der Mutter als Politikerin zu tun hat und auch hier weder bewiesen wurde (again), daß die Realität gnadenlos jeden bekommt. Was mir aber ernsthaft Angst macht, ist die Tatsache, daß diese Frau jetzt am eigenen Leib erfahren hat, was passiert, wenn Kinder nicht aufgeklärt werden. Und anstatt die Größe zu besitzen und zu sagen:

„Hey, Leute ich freu mich, Großmutter zu werden. Ehm, können wir noch mal schnell über das Thema Verhütung im Unterricht reden? Ich hätte da ein paar ganz neue Vorschläge“

hält sie stur an ihren Prinzipien fest. Und jetzt stell ich mir vor, sie geht genau so in wichtigen außenpolitischen Fragen vor – Fragen, die auch mich betreffen können. Obwohl sie es besser weiß. Da bin ich dann der Kolleteralschaden – und nicht ihre Tochter. Na, ich danke bestens.

Und das ist nur die Spitze des Eisberges, warum ich die Frau nicht mag.

Wobei ich damit recht alleine stehe, den Umfragen zur Folge ist sie wohl beliebter, als Obama, McCain und Biden. Nun ja. Jedes Volk bekommt die politische Elite, die es verdient. Und ich muß das wissen, ich bin Deutsche. Wir hatten 16 Jahre lang Kohl.

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Published in: on 6. September 2008 at 19:32  Schreibe einen Kommentar  
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