Das Schwerste im Leben einer Mutter

Ich habe heute eines der schwersten Dinge in meinem bisherigen Leben getan. Ich habe mein schon völlig weggetretenes Kind in die Hände fremder Leute gegeben. Bis zur OP-Schleuse durfte ich mit, danach sollte sie auf die OP-Liege krabbeln, was ihr schon mehr als schwer fiel. Zu gehen, als sich die Schleuse schloss war wirklich heftig.

Noch schlimmer war allerdings die Zeit im Aufwachraum – für Kinder gibt es in der Klinik einen eigenen Raum, in dem die Eltern Zutritt haben. Ich hatte mir vorgestellt, daß ich dort sitze und mein Kind sanft aus der Narkose hinausbegleite. Nicht vorbereitet war ich darauf, daß sie schreiend und weinend in Bett lag, als ich durch die Tür geschossen kam. Und sie war so gut wie nicht zu beruhigen, weder durch Schmerzmittel noch durch liebe Worte oder in den Arm nehmen. Selbst Bibi und Tina haben versagt. Aus Rücksicht auf die zarteren Gemüter verzichte ich hier auf nähere Beschreibungen – aber es hat keinen Spaß gemacht.

Was mir die Sache ein wenig erleichterte, waren die wirklich lieben Leute in Grün und/oder Weiß. Ausnahmslos alle, die mit meinem Kind oder mir zu tun hatten waren nett, lieb und freundlich. Ich kenne aus eigener Erfahrung noch die Schwesterndrachen, die Halbgötter in Weiß und die arroganten OP-Pfleger. Nicht so hier. Selbst die Ärztin, die die Voruntersuchung gemacht hat, keine Kinder- sondern Augenärztin ist, war ausnehmend gut im Umgang mit Kind Nummer Eins. Und noch nicht mal beim Essen gab es etwas zu meckern.

Und trotzdem, ich hoffe inständig, daß diese Erfahrung eine einmalige bleibt. Wie Eltern von schwerkranken Kinder das durchstehen, ist mir ein Rätsel, daß ich bete niemals lösen zu müssen.

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