Früher war alles…schwerer

Ich hab heute Holz geschleppt. Viereinhalb Raummeter. Schüttraummeter. Selbst eingebrockt. Vorgestern abend war ich nämlich virtuell unterwegs, um uns Holz für den Winter zu sichern, das uns nicht arm macht. Und da man manchmal zum rechten Zeitpunkt am rechten Ort ist, wurden mir viereinhalb Raummeter Holz, gelagert, zu einem sehr annehmbaren Preis angeboten. Lieferung frei Einfahrt. Also hab ich zugeschlagen. Nicht ohne vorher den Autor konsultiert zu haben, der ein „Aaaach, das kriegen wir schon gelagert. Bestell, alles kein Thema!“

Weiß jemand, wieviel viereinhalb Raummeter sind? Das ist eine LKW-Ladefläche. Mein Sohn ist auf des Autors Arm freudig auf und ab gehüpft, als der Kipplaster kippte. Und kippte. Und kippte. Der Berg wurde immer höher und größer, ich guckte der Autor an und der Autor guckte mich an. Dann zogen wir die Kinder an, krempelten die Ärmel hoch und fingen an, den Berg von Hand zu bewegen.

Irgendwann zwischen der 14 und 15 Schubkarre kam mir der Gedanke, daß das was von der Art hat, wie die Leute früher gelebt haben. Die Heizkraft mit den eigenen Händen zu bewegen – und unsere war immerhin schon gespalten! Dazwischen muß ein Kind gewickelt werden (und ich habe Pampers und muß mich nicht mit Waschwindeln auseinandersetzen), wieder ein wenig Holz gewuchten, das andere hat Huuuuuuunger (gut, daß noch Äpfel am Baum sind), Holz will gestapelt werden, Wäsche gewaschen (und im Garten aufgehängt – da hängt sie jetzt noch), dann etwas Holz geschichtet, es muß Mittagessen aufs Holzbrett gebracht werden, gleich nachdem ich Holz einmal quer durch den Garten gefahren habe, zwischedurch wollte ein Pferd gemistet und gefüttert werden, dann weiter Holz karren, schnell noch einen Kuchen gebacken (und siehe, es war gut getan – um 16 Uhr waren alle am verhungern, again), Holz in Schubkarren laden, Abendessen vorbereiten und in den Topf werfen (ohne Maggifx – sowas kommt mir nicht mehr ins Haus), noch mehr Holz karren, Splitter aus knapp zweijährigen Fingern entfernen, weiter Holz schieben…

Ja, meinen Tag kann man unsprünglich nennen – und jeder der jetzt einen verklärten Geichtsausdruck bekommt, der hat nicht meine Muskelschmerzen. Ja, das Holz ist irgendwie in jedem Winkel dieses Gartens verstaut, der Hof ist gefegt und sauber und die Wärme für kalte Winterabende ist gesichert. Und ich bin total fertig. Und ich werde mich jetzt unter eine heiße, neumodische Dusche stellen – so mit heißes Wasser aus Wand. Und werde dabei ein Dankgebet sprechen, daß ich im Hier und Jetzt lebe und solche Tage nur recht selten habe.

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Published in: on 20. September 2008 at 19:14  Schreibe einen Kommentar  
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