Ich habe ein Brot getragen

Bekanntlich war der Autor ja gestern hier. Und er war als Experte geladen und war der beste Mann da. Ich darf das sagen, ich bin seine Frau. Wenn ich auch meist die Klappe gehalten habe, weil im Moment eh nur Worte wie durch ein Reibeisen gezogen rauskommen. Irgendwann mußte ich aber was sagen und die armen Menschen dort haben sehr verschreckt geguckt.

Ich hatte nämlich auf dem Weg dorthin im backwerk Halt gemacht, um mir einen Bagel zu kaufen und dabei Paderborner entdeckt. Echtes Paderborner Landbrot. Sowas ist dieseits der Elbe so gut wie gar nicht zu bekommen. Also hab ich zugeschlagen. Leider hatte ich keine größere Tasche mit. Aber – so dachte ich – der Autor hat ja einen Rucksack. Ich als mit dem noch warmen Brot auf ins Amerika Haus. Wo alle schon sehr fein angezogen im Foyer warteten. Und niemand hatte ein Brot dabei. Und der Autor war nirgends zu entdecken.

Als ich das fünfte Mal suchend an jemand Offiziellem vorbeikam, erbarmte sich die Dame und fragte, ob sie mir helfen könne. Also sagte ich, ich würde meinen Mann suchen, der gleich auf der Bühne wäre. Ich glaube, sie hatte Mitleid mit einer Frau, die eine Stimme hat, die nur ein ergebener Mann lieben kann. Jedenfalls lächelte sie und meinte, ich solle mit in den VIP-Raum kommen. Dort durfte ich mich dann mit lauter netten und sehr interessanten Menschen hinsetzen, lecker Nüsschen knabbern und zuhören, was sie sagten. Selbst reden hab ich mir lieber aus Rücksicht auf andere Menschen mehr geschenkt. Und natürlich das Brot in des Autors Rucksack versenken.

Aber wenn das so einfach ist, backstage zu kommen, dann geh ich zum nächsten Robbie Williams Konzert nur noch mit einem warmen Brot.

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Published in: on 30. September 2008 at 18:23  Schreibe einen Kommentar  
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