Geteilt durch die gleiche Sprache

Samstag abend habe ich mich mit einem sehr lieben, alten Schulfreund getroffen. Er lebt seit Jahren in London und hat wohl nie so ganz verwunden, daß ich ausgerechnet einen Amerikaner zum Manne genommen habe. Also nicht, daß ich einen anderen geheiratet habe – nicht das da falsche Eindrücke aufkommen, sondern einen Amerikaner.

Und dieser Mann hat sich einen Traum erfüllt, um den ich ihn sehr beneide – wirklich beneide, denn es ist auch mein Traum. Eine Auszeit in einem schnuckligen B&B in einer englischen Grafschaft ohne Laptop, ohne Handy und ohne Kinder (gut, er hat keine, ich schon, aber das ändert ja nicht das Prinzip des Traumes). Ich bin echt grün vor auchhabenwollen geworden. Aber weil ich gönnen kann, hab ich im Laufe des Abends gefragt, wie es denn in Devonshire war. Worauf ein Ruck durch mein Gegenüber ging und er meinte

„Das heißt Devon. Devonshire sagen nur die Amis.“

Das nun wieder ist ein Sache, von der ich nie dachte, daß ich sie mal erlebe. Mir war zwar von Engländern schon ein „interessanter deutsch-amerikanischer Dialekt“ bescheinigt worden, aber daß ich mich mal als Amibraut mit nur einem Wort outen werde – das gibt mir nun doch zu denken. Ich glaube, ich werde bei unserem nächsten USA-Aufenthalt häufiger mal Sätze sagen müssen wie

„Oh look, a lorry“

oder auch hin und wieder das Wort bollocks einstreuen, wenn mir etwas nicht gefällt. Und im Supermarkt werde ich unginiert nach crisps fragen. Nur damit das sprachliche Gleichgewicht wieder hergestellt ist.

Übrigens – ich hab es gegoogelt, Devon wurde historisch eben auch Devonshire genannt. Wahrscheinlich zu der Zeit, als die heutigen Amerikaner alle das englische Mutterland verlassen haben. Woher sollen sie es also besser wissen?

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Published in: on 10. November 2008 at 21:37  Schreibe einen Kommentar  

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