Wie man Literatur in Worte fasst

So, ich wäre dann mal wieder da. Nein, nein, ich war nicht krank, ich habe lediglich endlich das vierte Buch der Twillight-Serie glücklich hinter mich gebracht und nehme seit gestern dann wieder an einem geregelten Familien- und Arbeitsleben teil.

Nun hatte ich ja schon mal über meine Sicht, der Literatur geredet und mir dabei ziemliche Kritik eingefangen. Und ich gebe zu, sowas läßt mich ja nicht los. Also hab ich den Autor (kurz vor den Wahlen, er war schier begeistert) in Diskussionen wie „Wer bestimmt eigentlich, was gute und was schlechte Literatur ist? Gibt es da eine Kommission oder so?“ verwickelt.

Das Komitee für den Literaturnobelpreis hat natürlich zwei unumstößliche Kriterien: Der Autor muß aus einem eher nicht englisch oder deutschprechenden Land kommen und keiner darf ihn kennen. Gut. Den diesjährigen kann man sogar aussprechen – wenn man ihn nicht nach zwei Minuten sofort wieder vergessen hat. Aber gibt es noch weitere Kriterien?

Es hilft, wenn der Autor tot ist. Und am allerbesten zu Lebzeiten noch verkannt war – aber das ist nicht zwingend notwendig. Wahrscheinlich hat das den Zweck, daß sich alle möglichen Kritiker sich dann berufen fühlen können, in dem Werk deutungsschwanger herumfuschen zu können, ohne daß sich der Verfasser noch wehren kann. Denn wenn man sich wehrt, hat man verloren – man könnte ja was sagen, was der Kritikergilde nicht gefällt. Und wenn dem dann so ist, dann kann man ja keine Hochliteratur mehr schreiben, denn ein wahres Genie gibt sich ja mit sowas Profanem wie dier Verteidung seines mißgedeuteten Textes nicht ab.

Dann hilft es natürlich, wenn man kein Geld damit macht. Ein Autor, der von seiner Arbeit heute leben kann, verkauft Milionen an Büchern. Das aber wiederum bedeutet, daß Millionen die Bücher verstehen. Und dann kann es schon gar keine hochwertiger Lesestoff sein, da die Masse (sprich: der Käufer) ja bekanntermaßen dumm ist.

Dann wäre da noch der Ansatz, daß der Inhalt des Buches die Welt verändern soll. Oder zumindest die Sichtweise des Lesers auf die Welt. Gut, das kann ich nachvollziehen. Aber bitte mal ganz ehrlich, diese Vorstellung stammt aus einem Jahrhundert, in der wir noch keine Informationsberflutung hatten. Sie stammt aus einer Zeit, in der Bücher neben Theater und Zeitung eine ganz zentrale Rolle in dem Bewußtsein der Menschen gespielt haben. Sie haben erwartet, neue Erkenntnisse zu erlangen. Diese Erwartungshaltung hat sich größtenteils geändert. Will man Meinungen, so schaltet man Fernseher, Radio oder Computer an. Der Zweck der Literatur hat sich komplett geändert – meiner Meinung nach jedenfalls. Nehme ich jedoch ein Buch zur Hand, so will ich unterhalten werden in der einen oder anderen Form.

Jaaaaaaaaaaa, wird es jetzt wieder schallen, viele der Klassiker sind doch pure Unterhaltung. Stimmt. Aber muß ich sie deswegen der Unterhaltung meiner Zeit vorziehen? Literatur hat nämlich noch eine Funktion: Kommunikation. Alleine über diese durchaus streitbare Twillight-Saga habe ich schon Stunden mit meiner Freundin diskutiert (vom Austausch in diversen Foren ganz zu schweigen), nur um danach nahtlos zu Roberts Alter Ego J.D.Robb überzugehen in der Beleuchtung der Darstellung der Frau. Oder einfacher ausgedrückt, ich hätte lieber, wenn meine Tochter Meyer erst mit 30 liest, wenn sie eine gestandene Frau mit genug Selbstbewußtsein ist, als mit 14, wenn das Frauenbild noch sehr formbar ist.

Nichts desto Trotz stellt sich mir die Frage, ob Massenliteratur geschrieben von einer lebenden Person immer nur Schund ist – was durch Rowling eigentlich schon widerlegt ist. Und umgekehrt, ob alles gut ist, nur weil es ein Klassiker ist – für mich persönlich ist Wallenstein der absolute Langeweile-Horror.

Wie auch immer, diese Fragen wird wohl jeder für sich selbst beantworten müssen. Ich jedenfalls habe mir vorgenommen, mir durch die Reich-Ranitzkis dieser Welt mir meinen ganz persönlichen Lesespaß nicht mehr nehmen zu lassen. Der nächste Gabldon kommt bestimmt.

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Published in: on 19. November 2008 at 09:29  Schreibe einen Kommentar  
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