Indianergeschichten

Gestern war ja Thanksgiving. Wir hatten Freunde da, das Essen hat – wenn ich mich mal selbst loben darf – diesmal richtig gut geschmeckt und es war ein rundrum schöner Abend.

Aber vor dem Schmausen hatten die Götter den Schweiß gesetzt. Ich war für die Essensherstellung zuständig und der Autor hatte der Part der Volksaufklärung inne. Im besten Kindergarten von allen hatte man nämlich nachgefragt, ob einer von uns den Kurzen Thanksgiving erklären könnte. Und vielleicht als praktisches Beispiel diesen Nationalkuchen

„Wie hieß er noch gleich? Ach ja, AppleCake oder so. Davon haben die Kinder letztes Mal keinen Krümmel übrig gelassen.“…

So saß also der Autor, der letztens erst einen Vortrag vor 500 Leute ohne mit der Wimper gehalten hat, im Auto sehr still und in sich gekehrt neben mir. Auf dem Schoß einen Globus und eine Schüssel mit Kartoffel, Mais und Tomate als Anschauungsmaterial.

„Sag mal, bist Du nervös?“

„Ja“

„Wieso bist Du nervös, Du sprichst adhoc vor hochrangigen Professoren. Das sind Kinder!“

„Eben. Hast Du nicht den Kindergartencop geguckt? Und jetzt sei ruhig, ich muß mich konzentrieren“

„Okeeeeeeeee“

Nach Aussagen von Kind Nummer Zwei waren alle begeistert, zwar sah man echte Probleme mit der Zuordnung von Ländern wie „England?? Amerika???“ in den ratlosen, kleinen Gesichtern, die sich aber abeschlagartig bei dem Wort „Indianer!!!! Die kennen wir!! Yakari und kleiner Donner! Schneller Bogen! Kleine Wolke! “ in Freude wandelten.

Ja, Kulturimperialismus fängt schon bei den Kleinsten an. Mit Indianern und ApplePie. Wenn das Karl May wüßte.

Advertisements
Published in: on 28. November 2008 at 08:51  Schreibe einen Kommentar  
Tags:

The URI to TrackBack this entry is: https://possumswelt.wordpress.com/2008/11/28/indianergeschichten/trackback/

%d Bloggern gefällt das: