„Hier ist das Heliosklinikum.

Hier ist Berlin.

Wir melden uns mit einem aktuellen Situationsbericht aus dem Krankenzimmer von Kind Nummer Zwei.

Nachdem sich gestern Abend sein Gesundheitszustand rapide verschlechtert hatte, haben seine beiden Erziehungsberechtigten aufgrund der Nähe der Ambulanz entschieden, nicht auf den Notartzwagen zu warten, sondern ihn sofort unter Mißachtung aller Geschwindigkeitsvorschriften selbst bei 2 Grad mit allen Fenstern offen zu fahren.

In der Notaufnahme hat man sich gar nicht erst mit sowas wie der Chipkarte befaßt sondern ihn sofort und quasi noch im Mantel an den Sauerstoff angeschlossen (seine Sättigung war nur noch 77%) und ihm ein Notfallzäpfchen appliziert. Danach Adrenalin und diverse andere Medikamente. Die Notärztin beschloß dann, das Kind per Rettungswagen auf die Kinderstation zu verbringen. Dort wartete schon der Arzt auf uns.

Diagnose: Schwerer Kruppanfall, mit allem Drum und Dran. Lange habe er nicht mehr so einen schweren Fall gesehen, meinte der Mediziner.

Das Kind verbrachte unter Aufsicht von Mutter, Schwestern und Sauerstoffmeßgerät eine unruhige Nacht, welche aber im Verlauf Linderung brachte. Voraussichtlich muß der Junge noch eine Nacht in der Klinik verbringen und darf dann mit seiner Mutter heimgehen.“

Soweit der „Bericht“. Die Angst, die ich alleine bei der dreiminütigen Fahrt ausgestanden habe, kann sich niemand auch nur annähernd vorstellen. Dieses Kind verkürzt mein Leben um Jahrzehnte.

Wenn das Sprichwort: Kleine Kinder, kleine Sorgen. Große Kinder große Sorgen stimmt, dann trete ich hiermit als Mutter zurück. Noch mehr Sorgen, als ein Kind, daß einen mit großen Augen anschaut und dabei verzweifelt nach Luft ringt, kann ich mir im Moment gerade nicht vorstellen.

Advertisements
Published in: on 1. Dezember 2008 at 19:07  Schreibe einen Kommentar  
Tags:

The URI to TrackBack this entry is: https://possumswelt.wordpress.com/2008/12/01/hier-ist-das-heliosklinikum/trackback/

%d Bloggern gefällt das: