Lebensphilosophie eines Zweijährigen

Sollte jemand mehr als zwei Kinder haben, so kennt er das – sibling rivalry oder auf Deutsch: Geschwisterneid. Kind Nummer Eins kommt damit erstaunlich gut klar, aber da sie die größere ist, bekommt sie auch Privilegien, die der Kleine aufgrund seines Alters noch nicht bekommt (wie zum Beispiel einen iPod zum Nikolaus).

Der liebste Ausspruch von Kind Nummer Zwei ist gerade:

„Ich auch“

Und das gebetsmühlenartig. Die Kurze hat einen Apfel? „Ich auch, Auch Appa“
Das große Kind hat einen Stift und malt ruhig vor sich hin? „Ich auch. Auch Tift haben“
Tochterkind spielt friedlich mit ihren Puppen „Auch. Auch spielen doll“
Da macht man nix dran, das ist eine Phase, da muß man durch. Auch es einem zum Wahnsinn treibt.

Es hat aber auch seine guten Seiten. Zum Beispiel, wenn sich das Kind mit Händen und Füßen wehrt, zu inhalieren. Dann zwinkert man seiner Tochter verschwörerisch zu, sie schnappt sich den Inhaltor und ruft theatralisch

„Oh, Ich will inhalieren. Oh, wie toll. Oh, ist das schön“

Spätestens dann zerrt Sohnemann an ihrem Bein

„Ich auch. Ich auch haliern“

Und schon atmet das Kind fröhlich und anhaltend die gute Emser-Lösung ein. Gut, es fragt sich, wie lange der Kleine sich noch so lange an der Nase herumführen läßt, aber so lange es geht, wird das durchgezogen. Manche Dinge machen das Leben eben einfach etwas leichter. Und wer bin ich sowas nicht auszunutzen.

So, und ich wette, diese „Auch“-Phase wird abgelöst durch die „Selbst“- oder auch „Allein“-Phase genannt. Ich spar schon mal auf Fleckenlöser, neue Gebrauchsgegenständer und alles, was sonst noch so durch zweijährigen Hände zerstört werden kann.

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Published in: on 10. Dezember 2008 at 05:27  Schreibe einen Kommentar  

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