Ein Lichtelein im Fensterschein

Es ist wieder soweit. Weihnachten naht. In unserem binationalen Haushalt bedeutet das, daß Adventskalender und Countdown-Calender einträchtig nebeneinander hängen, es duften Spritzgebäck und Sugarcookies um die Wette und bunte Teller wie auch Stockings werden von Speicher geholt. Dazu spielt „White Christmas“ und „Morgen, Kinder wirds was geben“ (Kind Nummer Eins hat es sehr mit Weihnachtsmusik). Ja, alles könnte sehr traut und heimelig sein.

Wäre da nicht der alljährliche Streit um die Weihnachtsbeleuchtung jeglicher Art. Da kann der Autor seine amerikanischen Wurzeln respektive Kindheitserinnerungen nicht verleugnen. Bunt muß es sein. Und blinken wäre toll. Und ein aufblasbarer, bunter Santa würde sich in unserem Vorgarten total gut machen.

Ich hingegen mag unsere Nachbarn und bin mit der guten puristischen Tradition von weißen Lichtern groß geworden. Ich mag geschmackvolle Sterne und Lichtergitter in purem Weiß. Innerhalb und außerhalb des Hauses. Und da sich der Herr des Hauses den Rest des Jahres nicht um die Dekoration von Heim, Hof und Garten kümmert (und ich bin sehr dankbar dafür), muß er das im letzten Zwölftel des Jahres auch nicht tun.

Es bleibt also auch dieses Jahr dabei – keine bunten Lichter! Punkt.

Mit einer Ausnahme. Ganz zu Anfang unserer Beziehung war ich noch der Meinung, ich müßte seinen angelsächsischen Wurzeln Rechnung tragen und habe einen klitzekleinen Weihnachtsbaum mit bunten, blinkenden Lichtern für ihn gekauft. Mit der Maßgabe, ihn irgendwo aufzustellen, wo ich ihn nicht sehen muß. Und so packt er das mittlerweile sehr alterschwache Teilchen jedes Jahr wieder sehr liebevoll aus und stellt ihn neben seinen Computer im Arbeitszimmer. Dorthin zieht er sich dann in seinen Kindheitserinnerungsmomenten zurück. Womit ich gut leben kann.

Leider haben die Kinder diese Erinnerungen auch entdeckt und ziehen sich mit zurück. Und es kamen auch schon Anmerkungen, wie

„Findest Du nicht auch, daß bunte Licher sehr schön sein können, Mama?“

oder direkter

„Oh, light bunt“

Das hat man nun davon, daß man seinen Kindern eine binationale Erziehung angedeihen lassen will.

Advertisements
Published in: on 14. Dezember 2008 at 16:40  Schreibe einen Kommentar  

The URI to TrackBack this entry is: https://possumswelt.wordpress.com/2008/12/14/ein-lichtelein-im-fensterschein/trackback/

%d Bloggern gefällt das: