Wundersame Heilung in der S-Bahn

Manche Dinge, die mir widerfahren, geschehen mit Sicherheit nur, damit ich meinen längst fälligen Blogeintrag bekomme. Heute zum Beispiel, als ich mich mit meiner ehemals in Südkorea ansässigen Freundin traf und wir beschlossen, ein paar Stationen weiter in ein Bibimbap-Restaurant zu fahren (erwähnte ich, daß ich die große Stadt für solche kulinarische Abenteuer liebe?).

Wir fuhren also in einer semivollen Straßenbahn und kauten die Ereignisse der Woche durch sprachen über die realen und virtuellen Dinge, die uns so beschäftigten. Unter anderem auch über eine gute Netzbekannte, die sich aufgrund von Knieathrose jetzt einen Rollstuhl zugelegt hat. Als sich plötzlich eine ältere, freundliche Dame zu uns rüberbeugt.

„Entschuldigen Sie, Sie reden über Knieprobleme? Also, mein Mann, der stand ja vor drei Jahren vor einer Operation, weil er nicht mehr laufen konnte. Und dann ist er in Kur bekommen. Und da hat er von einer ganz jungen Physiotherapeutin hat er ein Mittel bekommen. Und ein Jahr später hat er einen 4000er bestiegen und dieses Jahr ist er von München nach Venedig zu Fuß gelaufen!“

Mal abgesehen von der Tatsache, daß ich mit perfekt gesunden und unathrösen Knien weder auf einen 4000er noch auf einen Marsch mit 20000m Höhenunterschied gehen würde, waren wir beide mehr als baff. Meine Freundin war wenigstens noch so geistesgegenwärtig und zügte Stift und Büchlein und schrieb mit. Wie das Mittel auf Deutsch heißt, wie auf Polnisch, wie der Wirkstoff, welche Dosierung man über welchen Zeitraum braucht und wie teuer das Mittel in Polen sowie in Deutschland ist. Und wie teuer eine Bahnfahrt von hier nach Polen ist, aber man könne auch gut radeln – sagt der Mann mit den vormals nicht mehr gebrauchsfähigen Knien.

Wahrscheinlich hätte sie uns noch mehr erzählt, aber da waren die vier Stationen auch schon vorbei. Ich schaffte es gerade noch, mich für die Informationsfülle zu bedanken und zu fragen, wie alt denn ihr Herr Gemahl sei.

„Och, 75“

Worauf wir unsere schmerzenden Kreuze streckten, an unsere Männer dachten und uns schworen sie demnächst nach Polen in die Kur zu schicken. Zu der netten, jungen Physiotherapeutin. Vielleicht hilft es ja.

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Published in: on 10. Januar 2009 at 20:56  Schreibe einen Kommentar  

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