Die Sache mit der selbsterfüllenden Prophezeiung

Ehrlich gesagt, ich kann es nicht mehr hören. Finanzkrise hier, Weltuntergangsstimmung da – man hört nichts anders mehr. Es ist das alles beherrschende Thema, daneben schafft es gerade nur noch der Fehltritt des Papstes, was auch nicht gerade eine Sternstunde der Leichtigkeit des Seins ist.

Ja, liebe Medienleute, Regierungsveranwortliche und Wirtschaftsbosse – und was kann ich dafür? Ich kann es ja nun nicht ändern. Hab ich Bilanzen gefälscht, in nicht existierende Hedge-Fonds investiert oder anderweitig Millionen zum Fenster rausgeschmissen? Ist es nicht genug, daß Ihr es verbockt habt? Reicht es denn wirklich nicht aus, daß Ihr die Blase immer weiter aufgepumpt habt und jetzt jammert, daß sie geplatzt ist? Tut es denn wirklich not, daß Ihr jetzt auch noch Experten auf uns hetzt, die tagein-tagaus Weltuntergangsstimmung predigen?

Im übrigen die gleichen Experten, die noch vor einem Jahr „Gewinne, Rendite und Dividende satt“ gejubelt haben. Und vor allem – warum schreien jetzt genau die Leute nach staatlicher Hilfe, die noch vor kurzem über die überbordende Reglementierung gewettert haben? Und es aller Vorraussicht nach in drei Jahren wieder tun werden.

Ich denke, wir haben nun mittlerweile alle begriffen, daß Arbeitsplätze gleichermaßen wie Geld vernichtet wurden und werden, daß wir alle den Gürtel – mal wieder – ein wenig enger schnallen und den Arsch Hintern zusammen kneifen und durch müssen.

Und es hilft wirklich nicht, weitere Horrorszenarien an die Wand zu malen. Was helfen würde, wären funktionierende Ideen für den Weg aus der wahrscheinlich noch nicht erreichten Talsohle. Es wäre nett, wenn mal ein paar Zeichen des Optimismus kämen – nichts Überbordendes sondern kleine Pflänzchen der Hoffnung. Natürlich wird eine Krise nicht besser, wenn man sie schön redet. Aber wenn man sie alle Farben ausser Grau und Schwarz aus jeglicher Berichterstattung verbannt hilft das mit Sicherheit auch nicht, das Glas statt halb leer halb voll erscheinen zu lassen.

Um eine lange Rede kurz zu machen. Jau, die Wirtschaft geht gerade den Bach runter. Yupp, die ganze Sache ist hausgemacht von ein gewissenlosen Zockern, Bankern und Managern. Und nein, die Welt wird davon nicht untergehen. Es wird sich viel ändern, das Leben wird nicht unbedingt leichter werden und hoffentlich werden ein paar Köpfe rollen, aber das Leben wird weitergehen und die Menschheit hat schon Schlimmeres überstanden.

Aber vor allem berechtigt der ganze Schlamassel nicht dazu, uns die Lust am Leben und den Optimismus zu vergällen.

So, und jetzt hab ich 30 Minuten versucht, einen witzigen, versöhnlichen Abschluß für diesen Eintrag zu finden und es klappt nicht. Das nehm ich Euch jetzt wirklich übel.

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Published in: on 4. Februar 2009 at 21:12  Schreibe einen Kommentar  
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