Gaumenfreuden im Bunker

Der Autor hatte ja bekanntlich letzte Woche Geburtstag. Und was schenkt man einem Mann, der sich einen neuen Monitor wünscht? Richtig, man schenkt ihm eine romantische Nacht im Burghotel mit Candle-Light-Dinner. Und um die Romantik perfekt zu machen noch eine Führung durch einen Atombunker.

Und so luden wir beide Kinder schlechten Gewissens bei Freunden ab – schlechten Gewissens deshalb, weil Kind Nummer Zwei ja noch nicht durchschläft, was aber aber natürlich diese Nacht ausnahmsweise mal getan hat, was ich wiederum einfach mal nicht persönlich nehme – und fuhren dahin. So richtig mit 4-Gang-Menü und Wellness und so. Ich hab den Autor aus der Erlebnisdusche gar nicht mehr rausbekommen und mir zusammen mit den restlichen Besuchern seine Begeisterungsstürme bezüglich des „Tropical rains“ und des „Caribian Dream“ anhören dürfen. Stürmelang.

Ja, und heute waren wir dann im logistischen Atombunker der Deutschen Demokratischen Republik. Und weil ich eine liebende Ehegattin bin, bin ich mitgegangen. Ich hab vielleicht gefroren – in dem Ding herrschen gerade mal 12 Grad, eine Heizung gibt es nicht – logisch, wär das Ding mit über 400 Leuten voll besetzt und alle Maschinen an, wäre da auch so rubbeldiekatz 30 Grad drin. Abgesehen von der Tatsache, daß der Autor und ich in unseren dünnen Fähnchen um die Wette gebibbert haben, war es super interessant und wirklich aufschlußreich. Zwar sind einige Witze an uns Wessis schlicht vorbei gegangen – so konnten wir mit der Erwähnung von blauweißkarierter Bettwäsche jetzt wenig anfangen, die umstehenden Mitbesucher hingegen wollten sich fast ausschütten vor Lachen – aber alles in allem war es schon klasse. Und heftig zu sehen, daß 20 Jahre eine Ewigkeit sein können, was die Technologie und Einrichtung angeht. 1976 war das Ding das Modernste an Bunker, was es gab. Schon 13 Jahre später lohnte das technische Equipment schon nicht mehr die Arbeit, es aus 29 Meter nach oben zu holen, so veraltet war es. Was uns heute ein eindrucksvolles Museum beschert. Trotzdem war ich froh als ich wieder hoch in den Wald krabbeln konnte.

Und jetzt sollte ich sowas sagen wie

„Ach, aber ich war froh, als ich meine Kinder wieder in den Arm schließen konnte“

Um ehrlich zu sein, hat das noch etwas gedauert, denn die hatten sich mit den Nachbarskindern und eigenem Nachwuchs der Sitter leider gerade zu einer Zirkustruppe zusammen getan und konnten die Eltern leider gerade gar nicht brauchen.

Und so hatten nicht nur der Autor und ich unsere lange notwendige Auszeit, sondern auch unsere Kinder, wie sie uns sehr eindrucksvoll klarmachten.

Erwähnte ich, daß wir bei sowas gerne glauben möchten, daß wir gravierernd etwas richtig gemacht haben?

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Published in: on 5. April 2009 at 19:31  Schreibe einen Kommentar  
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