An ihren Taten sollt Ihr sie messen!

Erwähnte ich, daß ich die Rabenmutter vor dem Herrn bin?

Kind Nummer Eins hat sich nämlich seit Monaten nichts sehnlicher gewünscht, als alleine in den Kindergarten laufen zu dürfen. Nun ist das an sich kein Problem. Die Verwahranstalt ist keine 500m von uns entfernt, es liegt keine vielbefahrene Straße dazwischen, sie muß nur um zwei Ecken rum und morgens ist auf dem Weg auch richtig viel los. Und hallo, das Kind ist 6 – in dem Alter bin ich mit dem Bus in den 2 Kilometer entfernten Kindergarten alleine gefahren. Also, alles kein Problem.

Dachte ich.

„Du kannst doch das Kind nicht alleine….“ Hyperventilation bei anderen Müttern und dem Autor.

„Das ist doch gar nicht erlaubt!!!“ He? Doch.

„Wo doch soviel passiert – das Kind wird doch weggekascht“ Danke, den Gedanken brauche ich nicht.

Nachdem mich also so gut wie alle anderen Mütter real und virtuell für komplett verrückt erklärt haben, bin ich total verunsichert zu den Profis – lies Erzieherinnen – gegangen und habe um Rat gefragt. Und siehe da, sie waren meiner Meinung.

Kinder brauchen Erfolgserlebnisse und sie müssen kalkulierbare Risiken eingehen dürfen. Sie müssen das Gefühl haben, etwa ganz, ganz alleine gemacht zu haben, ohne Mamis Hilfe. Nur so können sie an Erfolgserlebnissen wachsen und sich abnabeln, damit sie eben nicht irgendwann mit 23 immer noch im Hotel Mama leben, die ihnen die Wäsche macht. Denn das ist dann die andere Seite – alle regen sich darüber auf, daß die „Jugend von heute“ ja soooo unselbstständig ist und nix selbst auf die Reihe kriegt. Aber beizeiten losgelassen werden die armen Kinder auch. Ja, wie sollen sie es denn dann lernen?

Und deswegen darf mein Kind jetzt ab und an eben alleine zum Kindergarten laufen, immer wenn es gerade ins allgemeine Tageskonzept paßt. Und sie ist so stolz darauf, das zu schaffen. Und sie sonnt sich in der Bewunderung der anderen Kinder. Ihr Selbstvertrauen hat dadurch einen weiteren Schub bekommen, das ist schon fast unheimlich.

Und das ich heimlich hinter der ersten Ecke stehe, bis sie hinter der zweiten verschwunden ist und danach nur schnell telefonisch checke, ob sie auch wirklich sicher im KiGa angekommen ist – das ist keine Unsicherheit meiner eigenen Entscheidung gegenüber, sondern das brauche ich einfach für mein Seelenheil.

Ich bin doch auch nur eine ganz normale Mutter.

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Published in: on 22. April 2009 at 09:15  Schreibe einen Kommentar  

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