Plan B

Pläne sind eine gute Sache. Ohne Pläne würden Flugzeuge fliegen, wie sie wollen – was sie eh meist tun. Züge würden einem vor der Nase wegfahren – was sie auch meist tun. Überhaupt regeln Pläne unser Leben und bringen eine gewisse Ordnung ins Chaos.

Anders sieht das mit privaten Plänen aus. Die kann man machen. Das schadet normalerweise nicht. Und wenn man sie dann ausgearbeitet hat, kommt ein Anruf und das war es dann. Und das ist so sicher wie das Amen in der Kirche. Gestern war wieder ein Paradebeispiel.

Ich wollte erst arbeiten, dann mit der anderen Tochter meiner anderen Cousine, die hier auf Klassenfahrt ist, lunchen gehen, nach Hause hetzen, Kinder abholen, Kind Nummer Eins zum Tanzen bringen, Einkaufen gehen, Abendessen machen und dann das Memorial schauen.

Es fing damit an, daß Cousinentochter Zwei um kurz nach neun anrief und meinte, sie käme dann jetzt mal vom Arzt, Mückenstich und allergische Reaktion, ob wir uns vielleicht schon eher…Ok, konnten wir. Also Cousinentochter Eins in das Auto von einem befreundeten Unglücksvogel geapackt, für den ich eigentlich – laut Plan – Donnerstag einen Rollstuhl hier in der Gegend abholen sollte, der aber abgesagt wurde und der, also der Unglücksrabe, nicht der Rollstuhl, in der Nähe des Cousinentochtertreffpunkts lag.

Der Wagen wurde geparkt, kurz beim Unglücksraben reingeschaut, Order für Besorgungen eingesammelt und mit den Mädels ein verfrühtes Lunch eingenommen. Danach ewig an der Kaiser´s Kasse für eine Ananas angestanden und noch länger beim Vietnamesen für des Unglücksraben Mittag – spontane Eingebungen meinerseits sind der Tod für jeden Plan.

Das Essen also schnell rübergebracht, dabei festgestellt, daß es nicht dicht verpackt war und den Flur unter Sosse gesetzt, der dann noch schnell gewischt werden mußte. Nach kleineren Handreichungen schnellschnell mit der Bahn heim, wobei zwei von zwei Bahnen mir vor der Nase wegfuhren. Gerade noch eben rechtzeitig bei der Tagesmutter das Kind Nummer Zwei geholt und schwuppsdiwupps zum KiGa, wo Kind Nummer Eins plus Freundin auf das Taxi zum tanzen warteten.

Dort angekommen auf eine gerade im Migräneanfall befindliche Tanzlehrerin und Freundin getroffen, für die ich als allererstes die restlichen Kurse (mit nicht unter 10 Kindern) individuell abtelefoniert und abgesagt habe. Gleich nachdem ich die schon anwesenden Kinder umgezogen und eingenordet habe, sie sollen die Lehrerin einfach in der Ecke sitzen und in Ruhe zu lassen und ihren gaaaaaaaaaaaaanz neuen Phantasietanz zu üben. Dann ihre Tochter – die Kind Nummer Zwei Freundin – genommen und mit ihr und Kind Nummer Zwei Eisessen gegangen.

Wieder im Studio angekommen, Lehrerin mit Tee versorgt, Kind Nummer Zwei plus Freundin plus Kind Nummer Eins plus Freundin ins Auto gepackt und in den Garten verfrachtet. Abendessen für alle gekocht, die Kleinen gefüttert, alle mit einem weiteren Eis versorgt und sie vor KiGa gesetzt, während ich selbst auf dem Livestream verzweifelt versucht habe, ein wenig MJ zu erhaschen.

Nachdem die aushäusigen Kinder abgeholt wurden, kamen die immer noch in Berlin weilenden Teenager aus der großen Stadt. Es kam auf Nachfragen ob des gequälten Gesichtsausdruckes raus, daß Cousinentochter Eins wahrscheinlich unter einer sich neu entzündeten Blindarmnarbe leidet, was Telefonkonferenzen mit ihrer Mutter und Debatten über den Zeitpunkt eines Arztbesuches zur Folge hatte. MJ lief irgendwo am Rande mit. Dazwischen hatten sich meine Kinder genau diesen Abend ausgesucht, um ihrer Schlaflosigkeit lautstark zu frönen.

Gegen Mitternacht lag ich komatös im Bett.

Und wie sind Eure Pläne für heute so?

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Published in: on 8. Juli 2009 at 10:31  Schreibe einen Kommentar  

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