Life

Wenn einer einen Fehler tut

Bekanntermaßen bin ich ja podcastsüchtig. Und da gerne die gesammelten Werke von WDR5. Einmal aus reiner Nostalgie und dann finde ich aber auch deren Servicesendungen einfach gut. Und ohne Zeitzeichen kann ich gar nicht joggen.

Jedenfalls, es gibt da eine Sendung namens „Gans und gar“ in der es um essen, kochen und trinken im Allgemeinen und im Speziellen geht. Wirklich gut gemacht. Bis auf die Sendung zum koreanischen kochen. Die war nicht nur schlecht recherchiert sondern auch noch falsch. Und ich hatte mich so drauf gefreut. Aber wozu gibt es das Kontaktformular auf der sendungszugehörigen Webseite. Also wacker hingesetzt und einen Leserbrief geschrieben und auch gleich danach wieder vergessen, weil auch so gar nichts an Antwort kam.

Bis Samstagabend. Da stöpsele ich mich ein um noch die neueste Sendung zu asiatischem Kochen zu hören und höre plötzlich meinen Namen – oder jedenfalls sowas ähnliches. Im Zusammenhang mit Zuschauerschelte, die das Moderatoren-Team bekommen habe. Und sie gelobten Besserung. Das war dann exakt der Zeitpunkt, an dem ich aus dem Bett gefallen bin und leicht hyperventiliert habe.

Damit hab ich nun nicht gerechnet – es ist einfach mehr als selten geworden ist, daß sich Medienleute, die Mist gebaut haben, öffentlich entschuldigen. Ich weiß schon, warum ich Herrn Hackenberg so mag.

Vielleicht klappt das ja in der Politik, die ja ähnlich fehlereinsehresistent ist wie die Medienlandschaft, auch. Ich geh dann mal einen Brief an die alte Koalition schreiben und melde mich, wenn die sich gemeldet haben. Aber wahrscheinlich ist deren Mailbox schon seit Monaten übervoll, so daß die Mail gar nicht erst durchkommt und sie die Abarbeitung eh auf gegeben haben.

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Life

Wie die Briten den Englischunterricht sabotieren

Erste große Lernkrise im Hause Possum. Erst im Allgemeinen und dann – ausgerechnet – in Englisch.

„Und ich konnte noch nicht mal die Farben von der Fahne sagen.“ Gefolgt von einem neuerlichen Weinanfall.

„Was für eine Fahne?“ Ah, Landeskunde.

„Na, die von Großbritannien“ Kind verzieht das Gesicht.

„Haben die anderen das denn gewußt?“ Mutter versteht wieder mal gar nichts.

„Nein, aber was hat das denn mit Englisch zu tun?“ Verwirrtheit beim Kind.

„Schatz, Großbritannien wird auch England genannt und da spricht man Englisch, Englisch wird in vielen Ländern gesprochen!“ Es folgt eine Aufzählung englischsprachiger Länder seitens der Mutter.

„Aber Mama! Großbritannien! In Englisch! Können wir nicht ganz normal da sein und über Amerika reden?“

Ich, eh, red dann noch mal mit der Englischlehrerin drüber.

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Family, Life

Tränen am Morgen

Ich war tapfer.

Ich habe nicht geheult, als meine Tochter das erste Mal im Arm hielt.

Ich habe nicht geheult, als sie in den Kindergarten kam.

Ich habe nicht geheult, als sie alleine in den Urlaub gefahren ist.

Himmel, ich habe noch nicht mal nenneswert geheult, als sie eingeschult wurde.

Aber gerade eben hab ich sie zur Schule gebracht und sie meinte nur trocken:

„Mama, lass mich nur raus, Du brauchst mich nicht zum Tor bringen.“

Nach einiger Diskussion bestand ich weiterhin drauf, sie wenigstens bis zur Ampel zu begleiten – da geht immerhin eine Bundesstraße durch die Landschaft.

Und so hielt sie mir nur nach einem

„Maaaaaaaaamaaaaaaaaaaa!“

den Kopf zu Kusse hin, schüttelte unwillig selbigen und ging selbstbewußt und -sicher über die Straße, durch das Tor bis hin zur Schule. Ohne sich auch nur einmal noch umzuschauen.

Da hab ich dann geheult. Sie wird sooooooooooo schnell sooooooooooo groß. Und nein, ich will jetzt nicht diskutieren, daß ich es bin, die sich gerade kindisch benimmt.

Ich geh jetzt ein Taschentuch suchen.

Nachtrag: Die schon erwähnte Frau Lostinabadbook schickte mir eben dieses

Und jetzt brauch ich eine ganze Taschentücher-Box.

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Internet, Life

Das Wort zum Abend

Eben, als wir so auf der Couch einträchtig nebeneinander saßen und ich vor mich hinchattete meinte der Autor nach einem Blick auf den Bildschirm

„Dir ist schon bewußt, daß Du vom ersten Kaffee morgens bis abends, bevor Du ins Bett gehst, mit Frau Lostinabadbook chattest?“

Männer! Das stimmt überhaupt gar nicht.

Zwischendurch telefonieren wir auch.

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Life

Back to party

Wir werden besser, der Autor und ich. Die obsessive „Wir sind Eltern“-Phase wird langsam aber sicher schwächer.

So verkauften wir nun schon das dritte Mal in einem halben Jahr beide Kinder – diesmal sogar getrennt – über Nacht und gingen auf eine Party. Die Male zuvor war es ein langes Essen bzw. eine Nacht in einem Romantikhotel, zumindest letzteres kann noch unter „Besonders“ abgelegt werden. Ein Abend auf einer Fete jedoch gehört für die meisten Leute ja in die Kategorie „Normal“.

So wurde also Kind Nummer Zwei zu seiner kleinen Freundin gebracht und der Plan war, daß beide Kinder mit der Mutter im großen Bett vor dem Schlafen einen Film schauen wollte. Groß mit Beamer und Popcorn und Orangensaft im Bett und so. Wenn ich nichts dagegen hätte, natürlich. Ich. Von deren Kindern der Autor quasi einen Vaterschaftstest fordern würde, wenn sie keine Filme mögen würden.

Kind Nummer Eins ging kurz danach zu ihrer langjährigen Freundin und teilte mir nach kurzer, geflüsterter Begrüßungszeremonie lauthals mit

„MAMA, zwei Filme, wir dürfen zwei Filme gucken. ZWEI!!!“

Entschuldigender Blick der Mutter, wenn ich nichts….ich winkte ab, geschenkt. Wenn wir einen schönen Abend haben, dann sollen es die Kinder auch.

Und dann ging ich heim. Normalerweise folgte im abendlichen Verlauf der Check auf beide Handys halbstündlich. Und das war schon lang. Diesmal haben wir das erste Mal drei Stunden später auf das Display geguckt – einfach nur um zu sehen, ob wir in dem abgelegenen Teil der Hauptstadt überhaupt Empfang haben. Und dann noch mal gegen Ende des Abends, um zu schauen, wieviel Uhr wir eigentlich haben. Das war es.

Ja, so langsam hat uns das normale Paar-Leben wieder. Gut, wir könnten die Frequenz der kinderfreien Zeit vielleicht so von „einmal alle fünf Monate“ auf „einmal alle zwei Monate“ oder so erhöhen, aber auch das wird kommen. Da bin ich sicher.

Einstweilen werde ich in aller Stille meinen Morgenkaffee genießen, ein wenig in Ruhe surfen und dann meine Kinder einsammeln gehen.

Gleich.

Irgendwann.

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Zitat des Tages

Zitat des Tages

Heute bei der Gartenarbeit. Kind Nummer Eins schaut zweifelnd den Rasen, oder was davon übrig ist, an und meint

„Mama, der Rasen braucht aber auch dringend Döner.“

Ich werde es dem hiesigen türkischen Imbiss vorschlagen. In der Krise ist jede Geschäftsidee recht.

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Life

And the looser is…

Nach dem gestrigen Duell-Duett-whatever rufen sich ja beide Parteien zum Sieger aus. Das war zu erwarten und muß wohl so sein. Und weil die Medien brav sind, spielen sie das Spiel mit. Wahrscheinlich auch, damit niemand auf die Idee kommt, die eigentlichen Verlierer des Abends zu präsentieren: Die Moderatoren.

Alle vier nennen sich ja Journalisten. Und angeblich haben die Privaten und die Öffentlich-Rechtlichen ihre Flagschiffe gesendet, den Kandidaten auf den Zahn zu fühlen. Wenn das die Elite des deutschen Journalismus sein soll, dann nimmt es nicht Wunder, daß die Politiker ruhig und gelassen in dieses Gespräch gegangen sind.

Mal abgesehen davon, daß so unwichtige Themen wie Familie und Bildung gar nicht erst angesprochen wurden, haben sich die vier Herrschaften nicht nur durch ihre Kleiderwahl selbst deklassiert. Ich meine, hallo?? Der eine mit einer Krawatte, die wohl witzig sein sollte in ihrer Farbenpracht, aber eher an den Teil eines Clownkostüms erinnerte. Der nächste hielt es erst gar nicht dem Anlaß angemessen, sich eine umzubinden – und mir ist egal, ob das nun sein Statement ist oder nicht, bestimmte Anlässe verlangen nun mal ordentliche Klamotten – als 20jähriger kommt man als Schlipsverweigerer noch als Rebell durch, ab 30 wird es nur peinlich. Aber darüber läßt sich hinweg sehen, wenn denn die Qualität der Arbeit stimmen würde. Hat sie aber nicht.

Hat den Herrschaften eigentlich noch nie jemand gesagt, daß Ausreden lassen eine Tugend ist? Eine Tugend, die im übrigen die beiden Kandidaten gut beherrschten, die Diskussionsleiter aber leider in Vergessenheit gerieten ließen. Die Grenze der Unhöflichkeit wurde des öfteren herbe überschritten.

Außerdem hatte ich den Moderatorenjob immer so verstanden, daß man sich mit seiner eigenen Meinung zurück nimmt und die Kontrahenten zum Meinungsaustausch anhält. Womit so ziemlich alle vier ihr Klassenziel um Längen verfehlt haben.

Irgendjemand hätte den Herrschaften vielleicht einfach mal vorher sagen sollen, daß es nicht sie sind, die sich hier profilieren sollen, sondern daß es um die beiden Kandidaten geht. Die natürlich beide Profis genug waren, das gesamte Team einfach schlecht aussehen zu lassen und zumindest Steinmeier war die Freude darüber auch anzusehen während unsere Frau Kanzlerin milde lächelte. Was die beiden für mich eher symphatisch machte.

Wenn man es Politikern natürlich so einfach macht, mit nichtssagenden Argumenten zu punkten, dann darf man sich nicht wundern, warum die wiederum irgendwann meinen, daß Volk wäre genauso spacken wie die Journaille.

Nur gut, daß ich im allerengsten Familien- und Freundeskreis wirklich gute Journalisten kenne, so daß ich nicht anfange am gesamten Berufsstand zu zweifeln. Es wäre nett, wenn sich die Fernsehmacher in vier Jahren einfach mal Leute in die Sendung nehmen würden, die ihr Handwerk vernünftig gelernt haben und auch noch eine anständige Kinderstube besitzen würden.

Dann könnte ich mich wenigstens rechtschaffen über die aufregen, über die man sich bei sowas aufregen sollte – über die Kandidaten.

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