Der Mörder der Rose

ist ausnahmsweise mal nicht der Gärtner, sondern der Autor. Und er zeigt noch nicht mal Reue.
Aber von vorn:

Wir haben, als wir den Garten anlegten, den hinteren Teil durch eine Hecke sowie einen Holzbogen abgeteilt. Diesen Holzbogen habe ich mit weißen Kletterrosen bepflanzt. Nun steht das Ding da schon ein paar Jahre und ist natürlich ein wenig gewuchert, weil ich da ganz, ganz oben schlecht drankomme. Also hatten wir beschlossen, das Ganze etwas zu stutzen.

Und so fragte der Autor, ob er so *DaumenundFingerzeigtendieHöhe* kürzen sollte. Ja, sagte ich, das ist gut und ging meiner Sonntagsnachmittagswege. Nach 30 Minuten kam ich wieder raus.

Und es standen nur noch Stummel da, die karg, ganz winizig nur über das Gerüst ragten. Auf dem Boden, abgeschnitten und tot, meine wunderbaren jungen Triebe.

Gleich nachdem ich mich von dem Schock erholt hatte, setzte leichte Hysterie ein. Wenn es um meine Rosen geht, bin ich humorbefreit.

„Was denn, ich hab doch gesagt, ich kürze, ich hab Dich sogar gefragt“

„Ja, aber um soviel und nicht auf soviel!!!“

„Gar nicht.“

Justament an diesem Zeitpunkt kam eine Nachbarin vorbei, stoppte, starrte auf das Desaster und meinte nur

„Oh mein Gott!“

und gleich danach mit sehr mitleidigem Blick

„Ach, das wächst wieder. Bestimmt. Glaube ich!“

Unglaublich! Sie werden den bitterlichen Frosttod sterben. Ich weiß es. Und er auch! Jedenfalls murmelte er gerade was von „michaufdenNachtdienstvorbereitenlegmichdannmalhin“ und ward nach dem Kinderzubettbringen nicht mehr gesehen, um weiteren Diskussionen aus dem Wege zu gehen.

Dabei war das nun wieder total unnötig. Denn meine Rose wäre nicht meine Rose, wenn sie sich nicht – wenn auch erfolglos – gewehrt hätte. Gleich nach dem Kahlschlag hat er sich nämlich mit Pinzette und Nadel ins Bad zurückgezogen, um die Spuren des Kampfes zu beseitigen. Wenn wir fallen, fallen wir nie kampflos. So lob ich mir das. Das lindert ein wenig die Wehmut, wenn ich aus dem Fenster schaue und mein Rosengerippe mich traurig anschaut.

So, und jetzt warte ich noch auf die Dunkelheit und dann schleich ich mich in den Gemüsegarten und ziehe alle restlichen Möhren, köpfe seinen restlichen Romana und klaue die Tomaten. Und morgen gibt es Salat!

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Published in: on 6. September 2009 at 19:49  Schreibe einen Kommentar  

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