And the looser is…

Nach dem gestrigen Duell-Duett-whatever rufen sich ja beide Parteien zum Sieger aus. Das war zu erwarten und muß wohl so sein. Und weil die Medien brav sind, spielen sie das Spiel mit. Wahrscheinlich auch, damit niemand auf die Idee kommt, die eigentlichen Verlierer des Abends zu präsentieren: Die Moderatoren.

Alle vier nennen sich ja Journalisten. Und angeblich haben die Privaten und die Öffentlich-Rechtlichen ihre Flagschiffe gesendet, den Kandidaten auf den Zahn zu fühlen. Wenn das die Elite des deutschen Journalismus sein soll, dann nimmt es nicht Wunder, daß die Politiker ruhig und gelassen in dieses Gespräch gegangen sind.

Mal abgesehen davon, daß so unwichtige Themen wie Familie und Bildung gar nicht erst angesprochen wurden, haben sich die vier Herrschaften nicht nur durch ihre Kleiderwahl selbst deklassiert. Ich meine, hallo?? Der eine mit einer Krawatte, die wohl witzig sein sollte in ihrer Farbenpracht, aber eher an den Teil eines Clownkostüms erinnerte. Der nächste hielt es erst gar nicht dem Anlaß angemessen, sich eine umzubinden – und mir ist egal, ob das nun sein Statement ist oder nicht, bestimmte Anlässe verlangen nun mal ordentliche Klamotten – als 20jähriger kommt man als Schlipsverweigerer noch als Rebell durch, ab 30 wird es nur peinlich. Aber darüber läßt sich hinweg sehen, wenn denn die Qualität der Arbeit stimmen würde. Hat sie aber nicht.

Hat den Herrschaften eigentlich noch nie jemand gesagt, daß Ausreden lassen eine Tugend ist? Eine Tugend, die im übrigen die beiden Kandidaten gut beherrschten, die Diskussionsleiter aber leider in Vergessenheit gerieten ließen. Die Grenze der Unhöflichkeit wurde des öfteren herbe überschritten.

Außerdem hatte ich den Moderatorenjob immer so verstanden, daß man sich mit seiner eigenen Meinung zurück nimmt und die Kontrahenten zum Meinungsaustausch anhält. Womit so ziemlich alle vier ihr Klassenziel um Längen verfehlt haben.

Irgendjemand hätte den Herrschaften vielleicht einfach mal vorher sagen sollen, daß es nicht sie sind, die sich hier profilieren sollen, sondern daß es um die beiden Kandidaten geht. Die natürlich beide Profis genug waren, das gesamte Team einfach schlecht aussehen zu lassen und zumindest Steinmeier war die Freude darüber auch anzusehen während unsere Frau Kanzlerin milde lächelte. Was die beiden für mich eher symphatisch machte.

Wenn man es Politikern natürlich so einfach macht, mit nichtssagenden Argumenten zu punkten, dann darf man sich nicht wundern, warum die wiederum irgendwann meinen, daß Volk wäre genauso spacken wie die Journaille.

Nur gut, daß ich im allerengsten Familien- und Freundeskreis wirklich gute Journalisten kenne, so daß ich nicht anfange am gesamten Berufsstand zu zweifeln. Es wäre nett, wenn sich die Fernsehmacher in vier Jahren einfach mal Leute in die Sendung nehmen würden, die ihr Handwerk vernünftig gelernt haben und auch noch eine anständige Kinderstube besitzen würden.

Dann könnte ich mich wenigstens rechtschaffen über die aufregen, über die man sich bei sowas aufregen sollte – über die Kandidaten.

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Published in: on 14. September 2009 at 08:36  Schreibe einen Kommentar  

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